Ein Prosit auf den Erfolg
Autor: Ralf Dieter
Marktbreit, Dienstag, 05. Dezember 2017
Im kleinen Marktbreit gibt es gleich zwei Restaurants, die groß rauskommen
Es ist eine besondere Auszeichnung. Und in Marktbreit ist sie gleich zwei Mal vergeben worden. Die Gasthäuser „Alter Esel“ und „Michels Stern“ werden im neuen Restaurantführer „Bib Gourmand“ aus dem Hause Michelin empfohlen. Als zwei von 460 Restaurants in Deutschland, die sorgfältig zubereitete Speisen zu einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten.
Ramona Söder ist begeistert. Zum ersten Mal hat der „Alte Esel“ die Auszeichnung erhalten. „Wir haben seither sehr viel Feedback erhalten“, freut sie sich. „Viele Leute kommen ganz bewusst wegen der Auszeichnung.“ Marktbreiter eher weniger, dafür Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung. Das Einzugsgebiet hat einen Radius von rund 100 Kilometern. „Wir haben sogar Stammgäste aus Erlangen“, sagt sie.
Stefan Michel und sein Bruder Wolfgang haben den „Bib Gourmand“ schon zum sechsten Mal verliehen bekommen. Ein Zeichen für kontinuierlich hohes Niveau in Küche und Service.
Der gesamte Landkreis Kitzingen schneidet bei dem Führer aus dem Hause Michelin sehr gut ab. Sechs Häuser listet das Qualitätsverzeichnis auf. Stefan Michels Erklärung: Viele frische Zutaten, die direkt vor der Haustür eingekauft werden können. Salat und Gemüse aus Segnitz oder Albertshofen beispielsweise oder Forellen aus Willanzheim. Und das alles zu vernünftigen Preisen, die nicht mit denen in den Feinkostläden der Großstädte zu vergleichen sind. Die Gäste wüssten das zu würdigen. Wobei auch sie ihr Verhalten über die Jahre verändert haben.
Vor zehn oder zwanzig Jahren war der Preis noch eines der wichtigsten Kriterien beim Blick auf die Karte. Das hat sich geändert. „Die Gäste fragen ganz gezielt nach der Herkunft der Zutaten“, weiß Stefan Michel. Insgesamt seien sie anspruchsvoller geworden. Früher wurden Standardgerichte wie Schnitzel oder Sauerbraten nachgefragt. Jetzt wird der Schwerpunkt auf regionale Zutaten und Abwechslung gelegt. „Unsere Karte ändert sich immer wieder“, erzählt Koch Stefan Michel. Sein Kollege Markus Söder vom „Alten Esel“ ändert jede Woche das Menü, denkt sich neue Kompositionen aus. „Wir haben sehr viele Stammgäste. Anders würde es gar nicht gehen“, erklärt er.
Anspruchsvoller sind die Gäste geworden. Neugieriger. Mehr als 200 Weine führen die Michels in ihrem Restaurant. Über 70 sind es im „Alten Esel“. „Die Gäste wollen sich ganz gezielt beraten lassen“, weiß Ramona Söder. Die Lage in einem renommierten Weinanbaugebiet kommt den Gastronomen zugute. „Die Winzer bringen uns viele Gäste“, freut sich Stefan Michel. Menschen, die einen gewissen Anspruch haben. „Wer Wert auf gute Weine legt, der legt auch Wert auf gutes Essen“, sagt Markus Söder.
„Die Winzer bringen
So geht es auch den Testern, die einmal im Jahr ins Haus kommen, um die Qualität auf dem Teller und im Service zu prüfen – anonym. „Erst nach dem Essen drückt dir der Tester, der ein ausgebildeter Koch sein muss, seine Karte in die Hand und gibt sich zu erkennen“, erklärt Stefan Michel. Dann ist die Begutachtung noch lange nicht vorbei. Küche und Theke werden inspiziert, die Herkunft der Zutaten wird geklärt.
Etwa 4000 Einwohner zählt Marktbreit – und hat zwei „Bib-Gourmand-Betriebe.“ Eine Großstadt wie Nürnberg hat ebenfalls nur zwei aufzuweisen. In Regensburg oder Schweinfurt sind es auch nur zwei. München hält mit sieben Auszeichnungen den Spitzenplatz – bei rund 1,5 Millionen Einwohnern aber auch kein Wunder. Als „Insel der Glückseligen“ bezeichnet denn auch Koch Markus Söder Marktbreit. Dank des Mainradweges und des Wohnmobilstellplatzes sei die Zahl der Gäste in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. „Seit fünf Jahren können wir ein konstantes Wachstum vorweisen“, bestätigt seine Frau.
Viele Gäste kommen auch aus dem vergleichsweise nahen Würzburg, weil sie dort kaum noch besondere Angebote fänden. Viel Durchschnitt gebe es in Unterfrankens Regierungshauptstadt, spezielle und persönliche Gaststätten müsse man suchen. Viele Würzburger wichen deshalb in die Region aus, auch nach Marktbreit. Die „Lockstoffe“ zeigen ganz offensichtlich Wirkung: Authentisch, regional, ehrlich und gut sollte ein Restaurant sein, meinen die vier Gastronomen am Tisch übereinstimmend. Stimmt die Qualität und fühlt sich der Gast als Person wahrgenommen, ist er auch bereit, Geld auszugeben. Diese Erfahrung haben alle vier gemacht. Entsprechend positiv blicken sie in die Zukunft. „Wir werden uns auf einem hohen Niveau einpendeln“, prognostiziert Ramona Söder. Eine Auszeichnung wie der „Bib Gourmand“ kann dabei sicher helfen.
Das Gütesiegel „Bib Gourmand“ verspricht „eine frische Küche mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis“ und wird durch das Gesicht des schlemmenden Michelin-Männchens gekennzeichnet.
Im Landkreis Kitzingen werden sechs Restaurants von den Testern besonders empfohlen: Castell (Gasthaus Schwan); Dettelbach (Restaurant Himmelstoß), Iphofen (Deutscher Hof), Marktbreit (Restaurant Alter Esel und Michels Stern); Schwarzach (Schwabs Landgasthof.) Nach der Stadt München mit sieben Restaurants ist es das Gebiet in Bayern mit den meisten „Bib Gourmands“. Übertroffen wird der Landkreis nur vom Gebiet Baden.