„Es ist wunderschön.“ Wenn Frank Gimperlein über das Gartenschaugelände in Kitzingen spricht, gerät er ins Schwärmen. Tolle Veranstaltungen hätten dort schon stattgefunden, Konzerte mit Johannes Oerding und LaBrassBanda, das Wild-Times-Festival oder das Kitzingen-kanns-Festival... Sowohl Veranstalter als auch Gäste fühlen sich auf dem Gelände pudelwohl.

Als sich die Tore der Gartenschau „Natur in Kitzingen“ Ende August 2011 nach 87 Tagen schlossen, war längst klar: Es braucht eine Nachnutzung für das Gelände. Doch wie genau die aussehen sollte, stand noch nicht fest. Im Dezember 2011 befasste sich der Stadtrat mit dem Thema, Anfang 2012 brachten die Kitzinger ihre Ideen in einer Bürgerversammlung ein. Schnell war man sich einig: Das Leben soll weiter pulsieren auf der Fläche am Main, nicht nur auf dem Spielplatz und in den bepflanzten Bereichen, sondern auch auf dem Festplatz. Doch zu viel darf es auch nicht sein – wegen der Anlieger, aber auch wegen der Förderrichtlinien. Die finanzielle Unterstützung der 4,7 Millionen Euro teuren Gartenschau in Kitzingen war an Bedingungen geknüpft, die sich auch auf die Jahre nach der eigentlichen Schau beziehen: Das Gelände muss weiterhin der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Den Festplatz über einen zu langen Zeitraum für die Öffentlichkeit zu sperren, ist also nicht drin.

Auch wenn er damals noch nicht beim Stadtmarketingverein gearbeitet hat, war Frank Gimperlein doch bei einer der ersten Veranstaltungen auf dem Festplatz präsent. Anfang Juni 2012 luden er und seine Mitstreiter alle Fußballbegeisterten zum Public Viewing auf dem Gelände ein. Ein doppelter Erfolg: Die Deutschen gewannen ihr EM-Auftaktspiel gegen Portugal und das Gelände erwies sich als tauglich – die Stimmung war bestens.

In den vergangenen Jahren gingen auf dem Gartenschaugelände ganz verschiedene Veranstaltungen über die Bühne. Schon 2012 wurde das Gelände ins Stadtfest einbezogen und die Gärtner luden zum Salatblumenfest. Die Kirchengemeinden nutzten den Bereich am Winterhafendamm von Beginn an für ihre 5nach5-Andachten. Beim White Dinner genossen festlich gekleidete Gäste hochwertige Menüs am Stadtbalkon, der Landkreis integrierte das Gelände in die Kulturreihe „Gartenzeichen“, das Roxy lud zum Open-Air-Kino. Der Förderverein Gartenschaugelände veranstaltet regelmäßig musikalische Frühschoppen, die Musikschule steuert Auftritte am Stadtbalkon bei. Auch der Stadtschoppen ist inzwischen von der Brücke ans Etwashäuser Mainufer umgezogen. „Das ist besser als auf der Brücke“, findet Frank Gimperlein. Nicht nur, weil das Gelände Flair hat. Die Beschattung durch die Bäume ist ein großer Vorteil. „Und der Blick auf die Stadtsilhouette ist toll.“

An einem Teil der Veranstaltungen, wie dem Public Viewing zur EM 2012 oder den ersten musikalischen Frühschoppen, war auch das Gasthaus Goldene Gans beteiligt, übernahm beispielsweise die Bewirtung oder stellte den Biergarten zur Verfügung. Dann aber wurde die Goldene Gans geschlossen. Die Stadt nutzt noch die WC-Anlagen im Außenbereich des ehemaligen Gasthauses, hat dafür einen Mietvertrag abgeschlossen. „Wir sind dankbar, dass wir diese Möglichkeit haben“, sagt Claudia Biebl. Zugleich macht die Pressesprecherin deutlich, dass die Stadt „mega-interessiert“ daran wäre, dass die Goldene Gans wieder öffnet. „Aber das ist Privatbesitz, da hat die Stadt leider keinen Zugriff.“ Man stehe allerdings immer wieder in Kontakt mit der Besitzerfamilie Heilmann und vermittle den Kontakt, wenn sich Interessenten für das Gasthaus melden, so Biebl.

Hinter den allermeisten Events auf dem Gartenschaugelände stehen örtliche Veranstalter. Doch es gibt auch Fremde, die das attraktive Gelände mit den nahe liegenden Parkplätzen nutzen wollen. Eine Messefirma hielt beispielsweise 2013 „Gartentage“ dort ab. Das Gelände wurde weitläufig abgesperrt, Radwege, Spielplatz, Liegewiese, Stadtbalkon – alles das war für die Öffentlichkeit mehrere Tage lang nicht nutzbar. Aufs Gelände durfte nur, wer für die Messe Eintritt zahlte. Bei vielen Kitzingern und Touristen kam das nicht gut an.

Sowohl beim Stadtmarketingverein als auch bei der Stadt gibt es immer wieder Anfragen von Veranstaltern. „Auch für größere Sachen mit 5000 oder 10.000 Leuten“, berichtet Frank Gimperlein. Meist würden solche Anfragen negativ beschieden. Kleinere, lokale Veranstaltungen seien besser, findet Gimperlein. „Wir müssen ja auch auf die Anlieger aufpassen.“

Wer sich als Veranstalter an die Stadt wendet, landet meist bei Herbert Müller in der Hauptverwaltung. Er hat den Überblick, ob die Fläche überhaupt frei ist. Ob eine Veranstaltung genehmigt werden kann oder nicht, hängt von verschiedenen Aspekten ab, die teilweise auch in unterschiedliche Sachgebiete der Stadtverwaltung wie das Ordnungsamt fallen, beispielsweise wenn es um Fluchtwege oder Besucherzahlen geht. Gerade bei den Besucherzahlen können die Vorgaben unterschiedlich ausfallen, je nachdem, ob bestuhlt wird oder die Menschen sitzen – und natürlich, wie groß die Fläche ist, die für die Veranstaltung zur Verfügung steht. In die Entscheidung über eine Genehmigung fließen aber noch viele andere Fragen mit ein, wie Herbert Müller erklärt. Ist es ein örtlicher Veranstalter? Ein Angebot für die Bevölkerung, das Kitzingen attraktiver macht? Sind die Einschränkungen für die Bevölkerung beispielsweise durch die Absperrung von Flächen oder des Radwegs groß? Wie laut wird es? Schließlich sollen die Anlieger nicht zu sehr belastet werden. Will ein völlig fremder Veranstalter vielleicht einfach nur Geld verdienen? An welche Zielgruppe wendet sich die Veranstaltung? Wie lange soll sie dauern? Alles das gilt es abzuwägen, damit die Stadt auch weiterhin ohne Streit mit dem Pfund Gartenschaugelände wuchern kann. Denn wie sagt Frank Gimperlein? Der Bereich habe Magnetwirkung. Wenn es darum gehe, dass Einheimische und Gäste sich wohlfühlen in einer Stadt, dann müssen Flächen so aussehen wie das Gartenschaugelände. „Ich kenne niemanden, der etwas auszusetzen hat.“ Und so soll es schließlich bleiben.