Druckartikel: "Eigentlich der Wahnsinn"

"Eigentlich der Wahnsinn"


Autor: Ralf Dieter

Würzburg, Dienstag, 01. Oktober 2019

Von den rund 600 Ausstellern auf der Mainfrankenmesse kommen 22 aus dem Landkreis Kitzingen. Sie stecken jede Menge Arbeit in die zehn Tage.
Bereits zum achten Mal auf der Mainfrankenmesse präsent: Reinhard Riedel aus Willanzheim.


Sie ist die größte Verkaufsschau in Mainfranken. Alle zwei Jahre zieht sie mehr als 100.000 Menschen an. Die Mainfrankenmesse ist am Samstag gestartet. 22 Aussteller kommen aus dem Landkreis Kitzingen. Sie haben ganz unterschiedliche Erwartungen.

Reinhard Riedel ist zum achten Mal auf der Messe präsent. Der Willanzheimer verfügt über jede Menge Erfahrung. Sieben Mitarbeiter hat seine Firma, die sich auf Tortechnik und Betriebseinrichtungen spezialisiert hat. Mindestens einer muss immer auf der Messe präsent sein.

„Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach der Messe.“
Reinhard Riedel, Geschäftsmann aus Willanzheim

An den Wochenenden und Feiertagen sind es zwei. „Das ist schon sehr personalintensiv“, sagt er. „Eigentlich der Wahnsinn.“

Um 9.30 Uhr öffnen die Tore der Messe, um 18 Uhr schließen sie. Vorher wird auf-, im Anschluss abgebaut. Wie viele Kundengespräche er in dieser Zeit führt? Riedel zuckt mit den Schultern: „Schwer zu sagen.“ Ihm fällt allerdings auf, dass das Interesse seit Jahren eher rückläufig ist. Blieben früher etwa 100 ernsthafte Interessenten hängen, sind es jetzt um die 70. Von denen werden erfahrungsgemäß etwa die Hälfte tatsächlich Verträge abschließen. „Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach der Messe“, sagt der Geschäftsmann. Dann gilt es, die Kontakte in konkrete Verträge umzuwandeln.

Im Freigelände, vor der Halle 21, hat Riedel seinen Stand aufgebaut, gleich daneben ist die Holzwerk-Haidt GmbH zu finden. Zum dritten Mal, wie Ralph Vasicek verrät. Bei der Frage, ob sich der Aufwand lohnt, bleibt er vage: „Teils, teils.“ Ein Werbeeffekt sei zweifellos da, immer wieder kämen Messebesucher nach ein bis zwei Jahren auf ihn zu, um sich ernsthaft über Aufträge zu unterhalten. „Von 100.000 Besuchern sind 500 ernsthaft interessiert“, lautet seine Erfahrung. „Wenn wir irgendwann zehn Prozent als Kunden gewinnen, ist das okay.“

Als eher störend empfindet er einen Trend, den er nicht nur bei der Mainfrankenmesse ausgemacht hat: Messen hätten sich ganz allgemein immer mehr zu Konsumveranstaltungen gewandelt. Früher habe der Schwerpunkt tatsächlich auf den Firmen und ihren Produkten gelegen. Jetzt kämen viele Besucher vor allem zum Essen und Trinken oder wegen mancher Showeinlage. „Das nimmt uns Anbietern viele Interessenten weg.“

Vergleichsweise euphorisch bewerten Philipp Engist und Sascha Zorcec die ersten Tage auf der Mainfrankenmesse. Für ihr Marktbreiter Unternehmen „Natürlich Kalk UG“ ist es der erste große Auftritt auf einer Messe. Von „tollen Gesprächen“ berichtet Junior-Chef Engist. „Die Leute fragen gezielt nach“, sagt er und ist sicher: „Es werden sich auch viele nach der Messe bei uns melden.“ Die Marktbreiter Firma ist erst vor einem Jahr gegründet worden, hat sich auf die Anwendung von schadstofffreien Materialien und Naturbaustoffen auf dem Bau spezialisiert. Die Vorteile von Naturkalk, Lehm, von einer Hanf- oder Jutedämmung sind deshalb auch das Gesprächsthema am Stand. In die Präsentation haben sie jede Menge Arbeit gesteckt. „Die Vorbereitungen haben schon vor mehr als einem halben Jahr begonnen“, berichtet Philipp Engist. Broschüren und ein erster Messestand mussten entwickelt werden. Mit befreundeten Grafikdesignern und Messebauern haben sie zusammengearbeitet, die Texte selbst entworfen.

„Sehr aufwändig“, sagt Zorcec. „Aber es wird sich lohnen. Schon alleine deshalb, weil wir unseren Bekanntheitsgrad noch einmal steigern.“ Letzteres gilt auch für zwei Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt, die sich an einem Stand in Zelt 23 präsentieren. Das Johanna-Kirchner-Haus aus Marktbreit ist mit Erzeugnissen aus seiner Schreinerei und Kreativwerkstatt vor Ort, aus Kitzingen kommt der „MainGarten“. In beiden Einrichtungen erhalten psychisch kranke Menschen Hilfe, werden wieder an das Berufsleben herangeführt. „Wir wollen unseren Namen unters Volk bringen“, nennt Dominik Maierhöfer die Zielsetzung. Im „MainGarten“ arbeiten jeweils eine Fachkraft und ein Schwerbehinderter im Landschaftsgartenbau zusammen. „Sozialversicherungspflichtig“, wie Maierhöfer betont. Im Johanna-Kirchner-Haus stellen die Bewohner beispielsweise Gartenmöbel in der eigenen Schreinerei her. Pro Messetag sind zwei von ihnen am Stand präsent. „Sie freuen sich schon Monate vorher darauf“, versichert Theresa Kuhlmann.

Hier können sie einer breiten Öffentlichkeit zeigen, was sie in ihrer Schreinerei oder Kreativwerkstatt leisten. „Am Stand entwickeln sich oft sehr gute Gespräche“, freut sich die Betreuerin. Soziale Einrichtungen wie die Inklusionsbetriebe der AWO und die Mainfränkischen Werkstätten werden von der Messeleitung gefördert, bekommen die Kosten für die Standgebühren erlassen. „Dieses Thema ist für uns ebenfalls wichtig“, betont Sprecherin Kathrin Winkler und freut sich, dass bis Montagabend schon 30.000 Neugierige die Messe besucht haben. „Wir hoffen natürlich, dass viele Besucher den morgigen Feiertag und den Brückentag nutzen“, sagt sie.

Messe-Fakten

Termin: 28. September bis 6. Oktober.

Öffnungszeiten: täglich 9.30 bis 18 Uhr (Einlass bis 17 Uhr)

Ausstellungsfläche: rund 28.000 qm,

23 Hallen.

Zahl der Aussteller: rund 600 Aussteller aus dem Großraum Würzburg/Mainfranken, dem übrigen Bundesgebiet und dem Ausland.

Tickets und Preise:

Erwachsene: 9,50 Euro, Online-Ticket: 8 Euro; Rentner/ Schwerbehinderte:

Schüler (ab 15 Jahren)/Studierende: 8 Euro. Kinder (11 bis 14 Jahre) 6 Euro.

Kinder bis 10 Jahre: kostenlos. Nachmittagskarte Mo. bis Mi. + Fr. (ab 14 Uhr) 6 Euro. Familienkarte (2 Erwachsene und max. 3 Kinder, bis 16 Jahre): 21 Euro.