„Die Wahrnehmung verändert sich“
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Donnerstag, 30. Januar 2020
Mainfränkische Unternehmen reagieren auf den Coronavirus – und in Apotheken fragen immer mehr Kunden nach einem Mundschutz. Große Sorgen sind aber nicht angebracht.
Die Zahl der Erkrankten steigt an, mittlerweile ist das Coronavirus in rund 20 Ländern nachgewiesen. Panik ist hierzulande dennoch unangebracht. Die Behörden und Kliniken sind auf mögliche Fälle vorbereitet.
Das Coronavirus beherrscht in diesen Tagen die Schlagzeilen. Mehr als 7700 Menschen sind in China mittlerweile infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg auf 170. Besonders betroffen: die Region Hubei mit der Metropole Wuhan. Etliche Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen nach China unterbrochen, in Italien wurden 7000 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes nicht an Land gelassen. Der Grund: Verdacht auf den Erreger an Bord.
In Deutschland gibt es bis dato vier bestätigte Fälle, allesamt in Bayern. Betroffen sind Beschäftigte des Autozulieferers Webasto, der in der chinesischen Region Hubei eine Produktionsstätte hat. Die deutsche Zentrale in Stockdorf ist aus Vorsichtsmaßnahmen bis Sonntag geschlossen worden.
Und in Mainfranken? Seit 2016 ist China einer der drei wichtigsten Handelspartner für mainfränkische Unternehmen. Beinahe alle größeren mittelständischen Unternehmen aus der Region hätten enge geschäftliche Beziehungen mit China oder würden vor Ort produzieren, berichtet Dominik Klein vom Referat International der IHK. Der Pressesprecher der IHK Mainfranken, Radu Ferendino, kann beruhigen: „Wir haben bislang noch keine Kenntnis, dass Mitarbeiter aus Mainfranken betroffen sein könnten.“
Dominik Klein hat seine Meinung bezüglich der Ausbreitung des Virus im Laufe dieser Woche geändert. Anfang der Woche habe es überhaupt keine Fragen oder Meldungen seitens der hiesigen Unternehmen gegeben. Mittlerweile hat ein mainfränkischer Maschinenbauer einen kompletten Reisestopp für seine Mitarbeiter nach China verhängt und ein anderes Unternehmen hat eine geplante Konferenz in Mainfranken kurzfristig abgesagt. Ein Referent sollte aus China anreisen. „Die Wahrnehmung verändert sich“, stellt Klein fest. „Es entsteht eine gewisse Unsicherheit.“
Die Firma Knauf will jegliche Unsicherheit in der Belegschaft zerstreuen. Vor zwei Tagen hat sie die Mitarbeiter aufgefordert sicherzustellen, dass bis auf Weiteres keine Reisen in die Region Wuhan unternommen werden. Ein Problem sollte das nicht sein, liegen die Produktionsstätten von Knauf doch in ganz anderen Regionen des Landes. „Generell sollten Reisen nach China nur dann stattfinden, wenn sie unbedingt nötig sind“, betont Unternehmenssprecher Jörg Schanow, der eine gewisse Unsicherheit bei den Mitarbeitern nicht leugnen kann. Einige Kollegen, die in Asien eingesetzt sind, wollen in diesen Zeiten am liebsten gar nicht reisen.
„Wir haben zum Schutz unserer Belegschaft eine konzernweite Reisebeschränkung in Kraft gesetzt“, berichtet Sven Schmidt, Pressesprecher von Leoni, auf Nachfrage. Alle Mitarbeiter sollen Dienstreisen von und nach China unterlassen.