Die Suche nach Erntehelfern
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Freitag, 27. März 2020
Fehlende Arbeitskräfte, geschlossene Gastronomie: Die Spargelsaison startet mit Problemen. Immerhin: Verkaufsstände und Hofläden dürfen öffnen.
Die Stimmung? Irgendwo zwischen Hoffnung und Skepsis. Die Spargelsaison 2020 startet unter Vorzeichen, die vor ein paar Wochen noch undenkbar waren. Albertshofen: Auf dem Hof von Jürgen Heilmann wird gedreht. Nichts Neues. Heilmann gehört zu den größten Anbauern in Unterfranken. Fernsehteams kommen immer wieder mal vorbei. Diese Aufnahmen sind anders. „Wir drehen für einen Lehrfilm“, erklärt Dr. Andreas Becker, Leiter Gartenbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen.
„Ich habe noch ein paar
Erntehelfer
einfliegen lassen.“
Dessen Mitarbeiterin, Christine Müller, hatte die Idee. Viele Betriebe sind in Zeiten von Corona auf ungelernte Kräfte angewiesen. Ein Lehrfilm soll deren Anleitung vor Ort erleichtern. Wie wird gestochen? Wie sortiert und verpackt? Zwei Videos a drei bis Minuten sollen ab Mitte nächster Woche online gehen und auf allen möglichen Social-Media-Kanälen abrufbar sein. Ein gut gemeinter Service für die Betriebe. Wie er angenommen wird, lässt sich derzeit nicht vorhersehen. Den Einsatz ungelernter Kräfte sehen die meisten Betriebe skeptisch.
Ganz unterschiedliche Rückmeldungen erhält Andreas Becker in diesen Tagen. Manche Anbauer lassen ihren Spargel einfach durchwachsen, verzichten ganz auf eine Ernte, weil sie nicht genügend Helfer bekommen. Andere haben genug Arbeitskräfte und starten bereits voll durch. „Das sind vor allem die Gemischtbetriebe, die auch andere Gemüsesorten anbauen und ihre Leute früher nach Deutschland geholt haben“, erklärt Becker. Wieder andere suchen derzeit noch nach Erntehelfern.
Etwa die Hälfte seiner Mannschaft hat Jürgen Heilmann an Bord. „Wir haben einen Bus früher losgeschickt“, erzählt er. So konnten noch einige Helfer aus Rumänien nach Deutschland reisen, bevor die Grenzen geschlossen wurden. Die meisten seiner Arbeiter kennt Heilmann seit zehn Jahren und länger. „Die würden alle gerne kommen“, sagt er. „Die brauchen das Geld ja auch.“