Mit mentaler Stärke zum Erfolg
Autor: Diana Fuchs
Kitzingen, Mittwoch, 15. April 2020
Sportmentaltrainer Harald Rüger im Interview
Kurz vorm großen Knallen war es beschlossene Sache. Silvester 2012, Harald Rüger und seine Frau Sieglinde sitzen beim Essen. „Er hat gesagt, dass er das, was ihm im Kopf herumgeht, gern aufschreiben würde“, erinnert sich Sieglinde Rüger. „Ich hab? geantwortet: ?Mach?s halt.?“ Und Harald Rüger machte. Fünf Jahre lang arbeitete der Franke an seinem Buch „Brauchen wir nicht alle ein bisschen mental?“. Der 61-Jährige beantwortet darin die Frage, welche Rolle der Kopf für die körperliche Leistungsfähigkeit spielt.
Harald Rüger: Das Thema Mentaltraining ist wahnsinnig interessant, aber bislang gab es kaum umfassende Literatur dazu. Deshalb habe ich mich im Januar 2013 hingesetzt und gefragt: Woher bekomme ich fundierte Erkenntnisse, wer kennt sich mit dem Thema aus?
Wie lautete die Antwort?Mir war klar, dass es bereits viel Wissen gibt, das man anzapfen kann: die Erfahrungen von Trainern und erfolgreichen Sportlern. Um meine Heimat Coburg herum habe ich angefangen, Weltmeister und Bundesligaspieler aufzulisten. Allein dadurch hatte ich schon 30 bis 35 Sportarten abgedeckt. Mir schwebte vor, Trainer und Sportler detailliert zu befragen, um die verschiedenen Sportarten vergleichen zu können. Also habe ich einen strukturierten Fragebogen erstellt.
Nein. Anhand des Fragebogens habe ich mit 60 Personen persönliche Interviews geführt. Diese Gespräche und ihre Auswertung haben sich von 2013 bis 2016 erstreckt.
Ja, das waren tolle Erlebnisse. Bei Sebastian habe ich ganz deutlich gemerkt: Der Sportler braucht jemanden, der ihn betreut, auch mental. Körper und Seele oder Psyche sind untrennbar miteinander verbunden.
Ist der mentale Aspekt heutzutage nicht Teil der Trainer-Ausbildung?Ich bin lizenzierter B-Trainer des Deutschen Olympischen Sportbundes und weiß: Mentale Aspekte kommen in der Trainer-Ausbildung viel zu kurz. Das Grundproblem ist, dass es keine vorgefertigten Antworten gibt, die man auf jeden x-beliebigen Sportler projizieren kann.
Das heißt, Mental-Training muss immer individuell auf den Sportler zugeschnitten werden?Ja, ganz genau. Es gibt nichts von der Stange, das man jedem überstülpen kann. Ist ja auch klar: Jeder Mensch tickt anders, bei jedem hakt es an einem anderen Punkt.