Die Gotteself sucht Spielpartner
Autor: Diana Fuchs
Kitzingen, Donnerstag, 09. Januar 2020
Der Nürnberger Ex-Profi Hansi Heidenreich trainiert ein Spezial-Team. Über 100.000 Euro hat es für Notleidende eingespielt. Und die Spieler feilen weiter an ihrer Taktik.
Die richtige Taktik ist wichtig. Für Bundesligaprofis, aber auch für Hobbykicker. Erstere haben vielleicht mehr Kondition als Spaßspieler, aber vielleicht nicht so göttliche Tricks.
Hans-Jürgen (Hansi) Heidenreich ist Fußball-Franken ein Begriff. Der frühere U21-Nationalspieler und Profi beim 1. FC Nürnberg trainiert seit über zehn Jahren eine ganz spezielle Mannschaft: die „Bayerische Klerus-Auswahl“, quasi das Nationalteam aus Pfarrern, Diakonen und anderen Mitarbeitern der sieben katholischen Diözesen des Freistaates. Auch aus dem Raum Kitzingen gibt's Mitspieler.
„Ich erinnere mich gut an eines meiner ersten Spiele mit dem Team. Das war in Dettelbach, es ging gegen örtliche Promis. Ich habe den Jungs gesagt: ?Heute spielen wir Viererkette.?“ Ein paar Spieler hätten ihn fragend angeguckt. Da habe er es so einfach wie möglich erklärt: „Wir stehen konsequent auf einer Höhe.“
Und es klappte. „Die Gegner sind immerzu ins Abseits gelaufen.“ Heidenreichs Elf siegte – und wandte die „Super-Abseitsfalle“ in den nächsten Spielen gleich wieder an. „Wir standen manchmal fast an der Mittellinie“, berichtet Heidenreich lachend. Anders als bei manchen Profis, sei sofort ein Teamgeist da gewesen, auch wenn man sich anfangs noch gar nicht richtig kannte. „Und die Pfarrer haben von Anfang an gespurt.“
Bei allen Spielen der bayerischen „Gotteself“ geht es um einen guten Zweck – die Erlöse werden stets für soziale Projekte verwendet. Mittlerweile sind über 100.000 Euro zusammengekommen. Hansi Heidenreich betont: „Der soziale und der gemeinschaftliche Aspekt sind wichtig, aber meine Mannschaft hat schon auch immer den Ehrgeiz zu gewinnen!“
Als es freilich gegen die allesamt jungen Muskelmänner der Schweizer Garde des Vatikans ging, befiel die im Durchschnitt je einige Jahrzehnte älteren Kleriker doch leichter Bammel. Heidenreich merkte das. Er pushte sein Team, das sich am Ende den Gardisten in Rom nur ganz knapp mit 2:3 beugen musste.
Beim Rückspiel daheim in Bayern schöpfte die Mannschaft dann alle taktischen Mittel aus. Sie lud die jungen Römer am Vorabend zu einer feucht-fröhlichen Fete ein. Am nächsten Tag gewannen die Pfarrer 4:2 gegen übermüdete Gardisten – und hatten nun ihrerseits Spaß am Feiern. Pfarrer Johannes Messerer, der eines der Tore schoss, weiß noch genau: „Das war ein tolles Erlebnis! Wir haben gesungen: ?Wir sind die Weltmeister der Kleriker!?“