Der Wald wird begutachtet
Autor: Ralf Dieter
Kitzingen, Montag, 05. März 2018
Im gesamten Landkreis sind in den nächsten Wochen Experten des Amtes unterwegs.
Ein gestandenes Mannsbild befestigt bunte Wäscheklammern an dünnen Ästen von Eichen, Hainbuchen und anderen Bäumen. Wobei: Die Bezeichnung Bäume haben die Pflanzen noch gar nicht verdient, weil sie noch nicht einmal bis auf Kniehöhe angewachsen sind. Dann spricht er über Dinge wie Äserhöhe und Leittriebe. Zum Glück hatte Max Bartholl am Freitag lauter Forstexperten um sich herum versammelt.
In ganz Bayern sind Mitarbeiter der Forstverwaltung in diesen Wochen unterwegs, um die Wälder auf Verbiss-Spuren von Rehen, Hirschen und Hasen hin zu untersuchen. Ein aufwendiges Unterfangen. Bartholl und seine Kollegen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen sind im gesamten Landkreis unterwegs, um in allen zehn Hegegemeinschaften entsprechende Untersuchungen durchzuführen. Pro Hegegemeinschaft müssen 150 Punkte auf mögliche Verbiss-Schäden untersucht werden. Erst dann können die Fachleute eine verlässliche Aussage treffen.
Alle drei Jahre wird die Untersuchung großflächig durchgeführt. Der Landkreis Kitzingen nimmt als trockenster und wärmster Standort in Bayern eine Sonderstellung ein. „Deshalb müssen wir beim Waldumbau auch Gas geben“, fordert der Bereichsleiter Forsten am Amt, Klaus Behr.
Das Ziel sei ein klimatoleranter Wald. Die Eiche sei dabei ein wichtiger Bestandteil. „Sie kommt mit der Trockenheit sehr gut zurecht“, so Behr. „Weil sie tief wurzelt.“ Doch die Eiche gefällt nicht nur den heimischen Förstern, den Dichtern und den Wandersleuten. Auch die Rehe finden sie äußerst schmackhaft.
Acht von zehn Hegegemeinschaften haben bei der letzten Untersuchung im übertragenen Sinn die Rote Karten gezeigt bekommen. Die Verbissbelastung wurde dort als „zu hoch“ oder „deutlich zu hoch“ eingestuft. Lediglich die Hegegemeinschaften Iphofen und Dornheim kamen besser davon.
Dort sind die größten zusammenhängenden Waldgebiete im Landkreis zu finden. Der Druck ist dort nicht zu groß, die Rehe finden genug Nahrung. Diese Gebiete erhielten immerhin das Prädikat „tragbar“. Dennoch: Im gesamten Landkreis ist es höchste Zeit zu handeln.
„Die Jagd ist der entscheidende Faktor“, betont Klaus Behr. Das Rehwild habe sich in den letzten Jahren in vielen Regionen stark vermehrt und mache sich über die jungen Triebe von Eiche, Buche und Co. her. Selbst eine Einzäunung sei nicht immer die Lösung. Wildschweine graben sich unter Zäunen durch, Rehe folgen. Manchmal springen Rehe auch über Zäune hinweg. Nach ein paar Jahren müssten die Umrandungen eh erneuert worden. Und die Kosten dürften auch nicht unterschätzt werden. Etwa 4000 Euro pro Hektar werden angesetzt. „Der Gesetzgeber zahlt dafür keinen Zuschuss“, erinnerte Behr. Der Gesetzgeber will vielmehr eine naturnahe Verjüngung ohne Schutzmaßnahmen fördern. Die Konsequenz: Rehwild muss in größerem Rahmen als bislang geschossen werden.