Druckartikel: Der Wald und seine Planer

Der Wald und seine Planer


Autor: Diana Fuchs

Wiesentheid, Dienstag, 27. Februar 2018

Individuelle Gutachten für die Wälder in Abtswind, Kleinschönbach, Münsterschwarzach, Wiesentheid und Wüstenfelden.
Forstgutachter Leonhard Bühl (links) hat für die Wälder des Kloster Münsterschwarzach, des Güterwaldconsortiums Wiesentheid und der Waldkörperschaften Abtswind, Kleinschönbach und Wüstenfelden Forstbetriebsgutachten erstellt. Über diese detaillierten Grundlagen für die künftige Waldbewirtschaftung freuen sich (von links) Förster Dieter Rammensee (FBG Kitzingen), Förster  Peter Aichmüller (Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Kitzingen), die Ortsbeauftragten Siegfried Weber (Wüstenfelden), Ludwig Schmidt (Wiesentheid), Holger Neubert (Kleinschönbach), Pater Andreas Schugt OSB (Münsterschwarzach). Thomas Eckopf (Abtswind) und Pater Maximilian Grund OSB sowie Jürg Summa (Amt für Landwirtschaft) mit Beagle-Hündin Anka.


Er ist Ruhe-Oase, Lebensraum und Wirtschaftsfaktor zugleich: der Wald. Etwa 22 Prozent der Kitzinger Landkreisfläche sind von Wäldern bedeckt. Diese Wälder sollen nachhaltig und nach Möglichkeit auch naturnah bewirtschaftet werden. Da Waldböden und Wachstumsbedingungen in den Wäldern je nach Lage verschieden sind, braucht jedes Waldstück einen individuellen Wirtschaftsplan.

Diesen erstellt der Förster nicht alleine. Forstsachverständige wie Leonhard Bühl, der in Würzburg ein Forstbüro betreibt, erarbeiten und fertigen solche Wirtschaftspläne auf der Basis von sorgfältig erhobenen, detaillierten Grundlagen. Sie begehen jedes Waldstück, untersuchen Böden und Baumbestand. Dann fassen sie ihre Ergebnisse in so genannten Forstbetriebsgutachten bzw. Forstwirtschaftsplänen und Lageplänen zusammen, die eine Übersicht über das Alter, die genaue Beschaffenheit und die zukünftige Bewirtschaftung der Wälder geben.

Für Kommunen sind solche Forstbetriebsgutachten laut dem Bayerischen Waldgesetz zwingend vorgeschrieben, aber auch für den Privatwald sind sie sinnvoll. Diese Gutachten, die zu DIN-A4-großen Büchern gebunden werden, bilden die Grundlage für eine zukunftsorientierte Beförsterung in den nächsten zwei Jahrzehnten; nach Ablauf von zehn Jahren werden sie überprüft und bei Bedarf aktualisiert.

Über solche „grünen Bücher“ und neue Pläne ihrer Wälder freuten sich dieser Tage gleich mehrere Waldbeauftragte aus dem Landkreis. Mitten im Grünen trafen sich Gutachter Bühl, Förster Dieter Rammensee (Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft FBG Kitzingen), Förster Peter Aichmüller (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen), die Ortsbeauftragten Siegfried Weber (Waldkörperschaft Wüstenfelden), Ludwig Schmidt (Güterwaldconsortium Wiesentheid), Thomas Eckopf (Waldköperschaft Abtswind), Holger Neubert (Waldkörperschaft Kleinschönbach), Pater Andreas Schugt und Pater Maximilian Grund (Wald des Klosters Münsterschwarzach), um die Gutachten bei einer kleinen Feierstunde an einer Forsthütte im Wald in Empfang zu nehmen.

Ende 2015 hatte die Forstbetriebsgemeinschaft Kitzingen (FBG), die drei der fünf Wälder bewirtschaftet (Wiesentheid, Wüstenfelden und den Klosterwald), einen Förderantrag ans Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen gestellt und schließlich die Planungen ausgeschrieben. Leonhard Bühl erhielt den Zuschlag und arbeitete sich in den Jahren 2016 und 2017 durch die fast 500 Hektar umfassenden Waldflächen.

Wie viel Holz kann und soll jährlich entnommen werden, damit die gleiche Masse nachwächst und eine nachhaltige Nutzung des Waldes gewährleistet ist? Das war jeweils eine der zentralen Fragen. Bei einem so genannten „Abnahmebegang“ stellte Bühl die Ergebnisse seiner Berechnungen vor, wie zum Beispiel die Vorrat-Zuwachs-Einschlags-Planung, und besprach sie direkt vor Ort mit den Waldbesitzern.

„In den meisten dieser Wälder gibt es noch einen hohen bis sehr hohen Kiefern-Anteil“, stellt Peter Aichmüller fest. Die Kiefer aber ist in Zeiten des Klimawandels ein großes Sorgenkind. Sie hat erhebliche Probleme mit steigenden Temperaturen und Dürreperioden und wird dadurch anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. „Ihr wird es einfach zu warm“, formuliert es der Forstsachverständige Leonhard Bühl. Deshalb sollen die gefährdeten Kiefern-Bestände in gemischte, klimatolerante Wälder umgebaut werden. „In Wiesentheid sieht man auf vielen Kiefern bereits Mistelbefall. Die Misteln sind Schwächeparasiten, die sich auf ohnehin gestressten Bäumen breit machen.“

Um den Wald klimaresistent zu machen, fordert Förster Aichmüller: „Damit sich alle Mischbaumarten in ausreichendem Maß natürlich und ohne Zaunschutz verjüngen können, müssen die Rehwildbestände mithilfe aller Jagdausübenden weiter auf ein landeskulturell tragbares Niveau angepasst werden.“

Um die biologische Vielfalt zu fördern, sollen Alt- und Biotopbäume sowie stehendes und liegendes Totholz im Wald belassen und Nass- beziehungsweise Trockenstandorte gezielt gepflegt werden. Ansonsten muss man vor Ort jeweils auf verschiedene Gegebenheiten reagieren: „In Abtswind haben wir den Riesenvorteil, dass die Jagd dem Haus Castell obliegt und dass wir eine Naturverjüngung des Waldes ohne Zäune vorantreiben können“, informiert Leonhard Bühl. Für Wüstenfelden prognostiziert der Forstsachverständige: „Tonböden und viel Nadelholz – diese Konstellation wird in Kürze zu Problemen führen.“

In Kleinschönbach sieht Bühl ebenfalls zu viele Kiefern und einen Pflegerückstand; hier sei lange Zeit wenig Holz gemacht worden. Über den Klosterwald Münsterschwarzach sagt Bühl: „Vom Naturschutz her ein sehr interessantes Gebiet.“

Grundlage für 20 Jahre

Die Förster Dieter Rammensee und Peter Aichmüller sind sich einig: „Den Waldbesitzern steht mit diesen Planungen für die nächsten 20 Jahre eine fundierte fachliche Grundlage für eine naturnahe, nachhaltige und zukunftsorientierte Bewirtschaftung zur Verfügung.“ Aichmüller dankte den Waldbesitzern für ihr Interesse am Erstellen der Pläne und der FBG für die formale Abwicklung. Er betonte die „konstruktive Zusammenarbeit“. Der Freistaat Bayern fördert die Maßnahme im Rahmen seines Forstlichen Förderprogramms mit 50 Prozent der Kosten. Das sind, je nach Größe der Fläche, mehrere Tausend Euro pro Wald.