Der Pieks, der Leben retten kann
Autor: Daniela Röllinger
Kitzingen, Dienstag, 22. Oktober 2019
Impfbuchkontrolle bei den Sechsklässlern zeigt: Die Durchimpfungsquote im Landkreis ist gut. Eine regelmäßige Auffrischung ist auch für Erwachsene wichtig.
Jedes Jahr im Oktober bekommen Eltern von Sechstklässlern ein Schreiben vom Gesundheitsamt, dass die Impfbücher kontrolliert werden. Ziel ist es, Impflücken festzustellen und die Durchimpfungsraten zu erhöhen. Hohe Raten bewirken eine Herdenimmunisierung und tragen zur Vermeidung einer Epidemie bei, denn Impflücken können nicht nur für den Einzelnen gefährlich werden. Das Thema Impfung hat in all den Jahren seine Aktualität nie verloren.
Seit 2013 sind Eltern gesetzlich verpflichtet, bei der Einschulung sowie in den sechsten Klassen das Impfbuch der Kinder vorzulegen. Derzeit hat es keine Konsequenzen, wenn die Eltern dieser Aufforderung nicht nachkommen. Trotzdem beteiligen sich die meisten und helfen dadurch mit, wichtige statistische Daten zu erheben und durch Impfungen ihr Kind womöglich vor schlimmen Krankheiten zu schützen. Denn immer wieder kommt es vor, dass Impfungen vergessen werden, oder nicht zeitgerecht durchgeführt werden und sich dann Lücken auftun.
„Die sechste Klasse ist ein guter Zeitpunkt, weil im Alter von elf bis zwölf Jahren viele Auffrischungen notwendig sind, Nachholimpfungen durchgeführt werden sollen, auch eine neue Impfung, die Humane Papillomviren hinzukommt“, erklärt Dr. Wolfgang Lau, Chef des Kitzinger Gesundheitsamtes. Das Impfbuch wird in einem Umschlag verschlossen abgegeben, am gleichen Tag von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes kontrolliert und zurückgegeben. Die Lehrer erhalten keine Kenntnis vom Inhalt des Impfbuches.
Fehlen Impfungen, folgt ein schriftlicher Hinweis an die Eltern mit der Bitte, sich mit ihrem Kind zum Hausarzt beziehungsweise Kinderarzt zu begeben. Die aus den Impfbüchern bezogenen Daten werden zu statistischen Zwecken an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit weitergeleitet – anonymisiert, ohne personenbezogene Daten, wie Dr. Lau betont.
Als Maßstab für empfohlene Impfungen dient der Impfkalender des Robert-Koch-Instituts. Demnach sind Säuglinge gegen Rotaviren, Tetanus, Diphterie, Pertussis (Keuchhusten), Hib ( Haemophilus influenzae Typ b), Polio, Hepatitis B und Pneumokokken zu impfen. Bis die Grundimmunisierung erreicht ist, sind mehrere Spritzen in vorgegebenen Abständen nötig, später müssen einige Impfungen regelmäßig aufgefrischt werden. Ab dem Alter von etwa elf Monaten folgen Impfungen gegen Meningokokken C, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Ab neun Jahren sollte gegen humane Papillomviren geimpft werden, die unter anderem Gebärmutterhalskrebs hervorrufen können, ab 60 Jahren gegen Herpes Zoster (Gürtelrose) und alljährlich gegen Influenza.
Die Empfehlungen unterliegen einer ständigen fachlichen Prüfung und Anpassung, ebenso wie die Impfstoffe. Impfstoffe werden ständig weiterentwickelt, weil sich auch ein großer Teil der Erreger immer wieder verändert. „Bakterien und Viren sind uns Menschen immer voraus“, stellt Wolfgang Lau klar. Die Zusammensetzung des Influenzaimpfstoffs wird jährlich von einem Fachgremium der zu erwartenden Influenzawelle angepasst.
Beim Impfen werden, je nach Impfstoff, abgeschwächte, inaktivierte, gereinigte Erreger und gereinigte Bestandteile gespritzt. Ziel ist es, dass der Körper den „Feind“ erkennt und das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern reagiert, die dann eine Erkrankung verhindern oder zumindest für einen milden Verlauf sorgen. Die regelmäßige und rechtzeitige Auffrischung (Boosterung) der Impfungen ist daher notwendig.