Druckartikel: Dem Wetter eine Nasenspitze voraus

Dem Wetter eine Nasenspitze voraus


Autor: Ralf Dieter

Kitzingen, Montag, 30. Januar 2017

Die präventive Streuung der Winterdienste im Raum Kitzingen macht sich bezahlt
Sole und Splitt gegen Blitzeis: Nach dem Einsetzen des Regens mitten im Berufsverkehr war der Winterdienst gefragt. Während die Straßen relativ schnell frei waren, waren zumindest in Kitzingen die Gehsteige und die gepflasterten Flächen ein Problem. Mit Handsprühgeräten, Sole und mit Splitt versuchten die Männer vom Bauhof die Flächen wieder begehbar zu machen.


Der Deutsche Wetterdienst hat seine Unwetterwarnungen für den Landkreis Kitzingen gestern fast stündlich aktualisiert. Immer wieder hieß es: „Es besteht die Gefahr des Auftretens von verbreitetem Glatteis.“ So gesehen sind Fußgänger und Autofahrer gestern glimpflich davongekommen. Zumindest in unserem Verbreitungsgebiet. Ein paar Kilometer weiter westlich sah die Welt schon ganz anders aus.

120 Unfälle aufgrund von Glatteis meldete die unterfränkische Polizei bis zur Mittagszeit. Bei zwölf Unfällen kam es zu Verletzten. Die ersten Mitteilungen gingen im Würzburger Polizeipräsidium bereits um kurz vor 7 Uhr ein. An der Anschlussstelle Helmstadt fuhren auf der vereisten Fahrbahn etwa zwölf Fahrzeuge aufeinander und sorgten für eine mehrstündige Vollsperrung der A3 in Richtung Würzburg. Ein Schwerverletzter musste mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert werden.

Um 3.30 Uhr ging es los

Im Landkreis Kitzingen waren die Räumfahrzeuge zu dieser Stunde schon längst unterwegs. „Wir sind um 3.30 Uhr raus und haben vorgelegt“, erklärt der Leiter der Straßenmeisterei Kitzingen, Frank Rose. Die Regenfront habe sich rechtzeitig angekündigt, außerdem habe er auf die Warnungen der Kollegen zurückgreifen können. Die Leiter der unterfränkischen Straßenmeistereien stehen im Notfall in ständigem Kontakt miteinander. Von seinen Kollegen in Lohr hat Rose beizeiten eine Warnung erhalten. Also hat er alle zehn Fahrzeuge losgeschickt, um die insgesamt 300 Kilometer Bundes- und Kreisstraßen mit Salz zu benetzen, bevor der Regen auch im Landkreis Kitzingen einsetzte. „Ich bin ein Fan der Trockenstreuung“, bekennt Rose. Sein Motto: Lieber präventiv tätig werden, als später aufs Glatteis zu geraten.

Nach diesem Motto verfährt auch der Leiter des Kitzinger Bauhofes, Georg Günther. Um 6.30 Uhr hatte er alle Fahrzeuge rausgeschickt. Der Auftrag lautete: Ein dünne Schicht Feuchtsalz streuen. Gegen 8.15 Uhr kam der Regen im Stadtgebiet an. Gefrieren konnte er auf der vorbehandelten Fläche nicht. „Es ist überall gut gegangen“, freut sich Günther – von den bekannten Gefahrenpunkten am Jugendhaus, am Königsplatz und in der Kapuzinerstraße einmal abgesehen. Die Straßenoberfläche dort macht eine gezielte Vorbehandlung schwer.

Die Präventivmaßnahmen der Winterdienste schlagen sich positiv im Polizeibericht nieder. Gerade einmal zwei Unfälle aufgrund der Eisglätte meldet Helmut Dürr von der Pressestelle der Polizei in Kitzingen, einer davon mit Personenschaden zwischen Kitzingen und Albertshofen. Im westlichen Unterfranken war die Lage dramatischer.

Im Bereich Marktheidenfeld fiel in einigen Orten die Schule aus, weil die Busse nicht fahren konnten. In Würzburg kam der öffentliche Nahverkehr zwischen 8 und 9 Uhr ebenfalls zum Stocken. Auf mehreren Einfahrtsstraßen kam es zu Unfällen, die überwiegend glimpflich verliefen. Selbst Räum- und Polizeifahrzeuge blieben von den Gefahren des Glatteises nicht verschont. So kam es allein in Würzburg zu zwei Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Räumfahrzeugen. In einem Fall konnte auch das Spezialfahrzeug nicht mehr bremsen und fuhr auf einen Pkw auf. Ein Polizeiwagen rutschte in die Unfallstelle, die eigentlich aufgenommen werden sollte.

In Würzburg ausgeholfen

Das Polizeipräsidium Unterfranken spricht von einem Großeinsatz für Räumfahrzeuge, Rettungsdienste, Feuerwehren, Abschleppdienste und die Polizei. Die Abschleppunternehmen stießen an ihre Kapazitätsgrenzen, die Rettungsdienste arbeiteten landkreisübergreifend. Das Rote Kreuz in Kitzingen hatte laut Kreischef Harald Erhard alles alarmiert, was möglich ist. Nachdem in Würzburg das Chaos durch den Eisregen perfekt war, habe man vor allem dort ausgeholfen, so Erhard. Er selber half in seinem Heimatort Volkach mit: Wie fast überall bereiteten dort die Hauptstraßen kaum Probleme, Pflaster und Höfe dagegen um so mehr. So mussten die Helfer selber auf allen Vieren losrobben, um an einen Mann heranzukommen, der in einem Hof gestürzt war. Zusammen mit dem angeforderten Streusalz gelang es schließlich, den Patienten zu erreichen.

In Würzburg stürzten mehrere Fußgänger und mussten durch den Rettungsdienst in Krankenhäuser eingeliefert werden. Auf dem Radweg zwischen Retzbach und Thüngersheim fiel ein Radfahrer und musste ebenfalls in eine Klinik gefahren werden.

Am frühen Nachmittag beruhigte sich die Lage, die Temperaturen kletterten auf plus 2 bis 4 Grad. Für die Mitarbeiter der Räumdienste hieß das aber nicht automatisch Feierabend. Die Streckenwarte beobachteten das Geschehen weiter vor Ort. Frank Rose stellte sich darauf ein, noch einmal präventiv zu streuen. Gerade an den Waldstücken und auf den Brücken sei die Gefahr groß, dass sich in den Abendstunden und über Nacht Blitzeis bilden könne. Da sei es besser, präventiv tätig zu werden. Auch Georg Günther will die kommenden Tage wachsam bleiben. „Wir dürfen nicht warten, bis die Straßen vereist sind“, sagt er. „Besser, wir sind dem Wetter eine Nasenspitze voraus.“