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Das kulturelle Erbe erhalten


Autor: Redaktion Kitzingen

Kitzingen, Freitag, 29. Juni 2018

30 Preisträger wurden in München mit der Denkmalschutzmedaille 2018 ausgezeichnet. Darunter Gottfried Schäfer, der das Bimbacher Schloss saniert, und Redakteurin Daniela Röllinger von der Tageszeitung "Die Kitzinger".
Aufwändig gestaltet, aufwändig restauriert: Allein die Wandgestaltung mit Stoffbespannung und Papiertapeten in Schloss Bimbach ist ein Hingucker.


Der eine saniert mit großem Engagement und Zeitaufwand das Schloss in Bimbach. Die andere berichtete im vergangenen Jahr in einer Serie über Denkmäler im Landkreis Kitzingen und schaute dabei unter anderem hinter die dicken Schlossmauern. Jetzt trafen sich Schlossherr Prof. Dr. Gottfried Schäfer und Redakteurin Daniela Röllinger wieder. Beide wurden in München mit der Denkmalschutzmedaille 2018 ausgezeichnet.

„Denkmalpflege gibt unserer Vergangenheit eine Zukunft.“
Marion Kiechle, Kunstministerin

„Denkmäler sind Geschichtsquellen, die viel über unsere Vergangenheit verraten können“, sagte Kunstministerin Prof. Dr. Marion Kiechle am Donnerstag bei der Feierstunde im Landesamt für Denkmalpflege. Die Träger der Denkmalschutzmedaille bewahrten mit ihrem Engagement das kulturelle Erbe Bayerns, so dass auch nachfolgende Generationen aus diesen Quellen schöpfen könnten. „Denkmalpflege gibt unserer Vergangenheit eine Zukunft.“

Ein solches Zeugnis der Vergangenheit zu erhalten, dafür setzt sich Prof. Dr. Gottfried Schäfer schon seit etwa 40 Jahren ein. „Mit dem Erwerb des Bimbacher Schlosses übernahm er zugleich die Verantwortung für das Baudenkmal“, heißt es in der Broschüre, in der die 30 Preisträger aus allen Regierungsbezirken vorgestellt werden. Stück für Stück setzt Schäfer das repräsentative Anwesen seitdem instand und widmet sich in all den Jahren mit großer Hingabe den Besonderheiten der zwischen 1702 und 1704 erbauten barocken Anlage.

Es ist eine Mammutaufgabe, der Dr. Schäfer mit der Schlosssanierung nachgeht und die mit der Sanierung der schadhaften Walmdachkonstruktion begann. Es folgten Wände, Fenster, Naturstein, Außentreppen, Barocktore. In den letzten Jahren widmete sich Prof. Schäfer mit seiner Familie der Instandsetzung der Innenräume. Die exklusive Ausstattung des 18. und 19. Jahrhunderts ist dort in großem Umfang erhalten, was die Denkmalpfleger besonders erfreute. In enger Abstimmung mit den Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege konnte die Ausstattung konserviert und so der Zukunft zugeführt werden. Die gehobene Wandgestaltung mit Stoffbespannung und Papiertapeten strahlt nun wieder die repräsentative Wirkung aus, die die adeligen Erbauer damals im Sinn hatten.

Regelmäßig ermöglicht es Gottfried Schäfer Interessierten, bei Veranstaltungen und Führungen einen Blick hinter die dicken Mauern von Schloss Bimbach zu werfen. Auch den Lesern der KITZINGER verriet er im vergangenen Jahr, welche Arbeit und wie viel Herzblut hinter der Sanierung eines solch riesigen Anwesens steckt. Redakteurin Daniela Röllinger berichtete in Wort und Bild über das, was bei der Verleihung der Denkmalschutzmedaille am Donnerstag „uneingeschränkt als Lebenswerk“ Schäfers bezeichnet wurde. Die Berichterstattung über das Schloss erfolgte im Rahmen der Denkmal-Serie, bei der Daniela Röllinger die Leser von März bis Juli 2017 einmal wöchentlich mit auf Entdeckungstour in die Welt der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes nahm.

Die Redakteurin habe bei dieser Serie sichtbar gemacht, was Denkmalpflege alles sein könne, heißt es in der Broschüre zur Denkmalschutzmedaille. Dabei wurden die sorgfältige Recherche, die anschaulichen, bildhaften Texte und die Information über gesetzliche Hintergründe besonders gelobt. Mit dem Journalistenpreis werden Personen ausgezeichnet, „die sich durch ihre Berichterstattung in besonderem Maße für die Denkmalpflege verdient gemacht haben“, so das Ministerium. Neben der Redakteurin der KITZINGER wurde in diesem Jahr Alfred Dürr, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, ausgezeichnet.

„Ein denkmalgeschütztes Schloss, das in dritter Generation als Seniorenheim geführt wird, war eines von vielen einzigartigen Denkmälern, die Daniela Röllinger in ihrer Serie unter die Lupe nahm. Auch kleine oder unscheinbare Denkmäler fanden ihre Beachtung: Flurdenkmäler, wie Bildstöcke und Kreuze in der Landschaft, oder Hausfiguren und deren Wertschätzung waren Thema ihrer Artikel“, so das Landesamt für Denkmalpflege. Aber auch Grundsatzfragen der Denkmalpflege habe sie angepackt, beispielsweise: Wie vertragen sich Solaranlagen und Denkmäler? Fragen, die sie in Interviews mit Denkmalbesitzern, Bürgermeistern oder Heimatpflegern beantwortete. „Sie scheute vor keinem Abenteuer zurück, erkundete beispielsweise die alte Kitzinger Wasserversorgung und kroch dafür in unterirdische Gänge“, heißt es weiter. Mit den Beiträgen seien Denkmäler in das Bewusstsein der Kitzinger geholt worden, die nicht offensichtlich sind oder so alltäglich, dass sie gar nicht mehr wahrgenommen werden. Mit der Berichterstattung seien Schwellen abgebaut worden, indem die Autorin Verständnis für identitätsstiftende Denkmäler in ihrer fränkischen Heimat weckte. „Mit ihrer publikumswirksamen Denkmal-Serie auf der Titelseite der Tageszeitung „Die Kitzinger“, meist in der Wochenendausgabe, und ihrer sorgfältigen Recherchearbeit hat sich Daniela Röllinger um die Vermittlung des Denkmalgedankens verdient gemacht.“

„Die Instandsetzung des Schlosses kann uneingeschränkt als Lebenswerk von Gottfried Schäfer

bezeichnet werden.“

Aus der Laudatio über den Schlossherrn

Neben Staatsministerin Kiechle würdigte auch Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil das Engagement der 30 Preisträger. Stellvertretender Landrat Robert Finster dankte den beiden Preisträgern aus dem Landkreis und überreichte im Namen von Landrätin Tamara Bischof ein Weinpräsent.