Da staunt nicht nur die Kuh
Autor: Ralf Dieter
Biebelried, Freitag, 01. Dezember 2017
Fachkräftemangel in der Landwirtschaft? Fehlanzeige.
Die deutsche Wirtschaft beklagt einen Fachkräftemangel. Bäcker, Altenheime und viele andere Branchen suchen händeringend begeisterungsfähige junge Menschen. In der Landwirtschaft sieht das anders aus. Bestes Beispiel für motivierte junge Landwirte: Martin Weberbauer aus Biebelried.
Anfang dieser Woche hat Landwirtschaftsminister Helmut Brunner die Meisterpreise der Bayerischen Staatsregierung in Ingolstadt verliehen. Die besten 20 Prozent erhielten diese zusätzliche Auszeichnung für ihre überdurchschnittlichen Leistungen. Aus dem Landkreis Kitzingen fuhren neben Weberbauer auch Simon Heß aus Kleinlangheim (Techniker für Landbau) und Sophia Schilling aus Seinsheim (Fachagrarwirtin Rechnungswesen) nach Ingolstadt. Brunner sprach dort von einer hohen Ausbildungsbereitschaft des Nachwuchses. Mehr als 5 000 junge Menschen absolvieren derzeit im Freistaat eine agrarwirtschaftliche Ausbildung. Heuer sind wieder mehr als 2 100 neu dazugekommen, davon haben allein 745 eine Lehre zum Landwirt begonnen.
Martin Mack kennt diese Zahlen. Seit 15 Jahren ist er Ausbildungsberater für Landwirte in Unterfranken. „In den letzten fünf Jahren sind die Zahlen gestiegen“, sagt er. Seine Erklärung für die Attraktivität: Landwirt ist mittlerweile ein High-Tech-Beruf. Moderne Schlepper, Melkroboter und GPS-Steuerungen: All das fasziniert junge Menschen. „Die Naturverbundenheit kommt bei vielen noch dazu.“ Erstaunlicher Nebeneffekt: Fast die Hälfte der Interessenten im ersten Berufsgrundschuljahr kommt nicht aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Sie finden in der Regel trotzdem einen Job. „Man muss halt ein wenig flexibel sein“, sagt Mack. Ob Landwirtschaftsamt, Maschinenring oder als Lohnunternehmer: Möglichkeiten gebe es zur Zeit genug.
Bei Martin Weberbauer ist das anders. In der vierten Generation bewirtschaftet seine Familie Felder rund um Biebelried und hält Nutztiere. Derzeit sind es zirka 100 Kühe in dem modernen Stall am Ortsrand. Martin Weberbauer möchte die Tradition gerne fortführen.
„Wenn ein Kalb auf
die Welt kommt, ist das immer noch faszinierend“
Der 26-Jährige hat nach einer Ausbildung zum Lkw-Mechatroniker eine Landwirtschaftslehre und anschließend die Meisterschule in Uffenheim absolviert. Einen anderen Beruf als Landwirt kann er sich nicht vorstellen. „Die Technik ist spannend“, sagt er. Und die Tiere liegen ihm am Herzen. „Wenn ein Kalb auf die Welt kommt, ist das immer noch faszinierend.“ Außerdem spürt er eine Verantwortung für die Familiengeschichte. Den Namen Weberbauer gibt es in Biebelried schon seit vielen Generationen. Er ist seit jeher eng mit der Landwirtschaft verbunden.