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Kitzingen
Lockerungen

Museen wieder geöffnet: Freude hält sich in Grenzen - "dann machen wir wieder zu"

Die Museumsleiter im Landkreis Kitzingen schwanken zwischen Freude und Skepsis. Einerseits ist es gut, wieder öffnen zu können. Anderseits fürchten sie, dass die Besucher trotz Lockerungen ausbleiben.
 
Dr. Katrin Hesse bringt ein Plakat am Schaufenster des Deutschen Fastnachtmuseums in Kitzingen an: Ab sofort ist wieder geöffnet. Die Frage lautet nur, wie viele Besucher sich schon in die Museen trauen. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Die Nachricht kam überraschend. Und beendete einen langen Dornröschenschlaf. Die Museen im Freistaat dürfen seit diesem Montag wieder öffnen. Die Reaktionen darauf fallen im Landkreis Kitzingen unterschiedlich aus. Am schnellsten hat das KuK in Dettelbach reagiert. Am ersten möglichen Öffnungstag, dem 8. März, war die Ausstellung „Dettelbacher Häuser erzählen Geschichte“ wieder zugänglich. „Wir konnten sehr flexibel agieren“, freut sich Hauptamtsleiter Daniel Sauer. Am 16. Oktober 2020 ist die Ausstellung zum ersten Mal eröffnet worden, musste wegen Corona zwei Wochen später schließen.

Also wurden die Objekte einfach stehen gelassen. „Das Hygienekonzept hatten wir sowieso in der Tasche“, sagt Sauer.

Museen wieder geöffnet: Dennoch Maßnahmen für Besucher

Das ist neben der Einhaltung der Abstandsregelungen und dem Tragen einer FFP2-Maske die Voraussetzung für einen Besuch in einem bayerischen Museum. Zumindest, wenn die Inzidenz unter 50 liegt. Liegt der Wert zwischen 50 und 100, muss zudem eine Voranmeldung erfolgen und eine Kontaktverfolgung ermöglicht werden. Die Daten der Besucher müssen 14 Tage lang gespeichert werden.

Am Dienstagvormittag hat Dr. Katrin Hesse die „Geschlossen“-Schilder am Fastnachtmuseum in Kitzingen ausgetauscht. Jetzt ist in zwei Schaufenstern zu lesen: „Ab dem 9. März ist das Museum wieder geöffnet“ – zusammen mit einem Smiley. Die Museumsleiterin kann trotzdem nicht befreit lachen, die lange Zeit des Stillstandes zehrt an den Nerven. Anfang April 2020 hat sie die Stelle angetreten. Mitten im ersten Lockdown. Seither war nicht viel drin. Von Mitte Mai bis Ende Oktober war das Museum geöffnet.

Etwa ein Drittel der Einnahmen, die normalerweise in diesem Zeitraum generiert werden, konnten verbucht werden. „Uns fehlten vor allem die Reisegruppen und die publikumswirksamen Veranstaltungen“, erklärt Hesse. Jetzt ist das Museum zunächst einmal für Einzelpersonen und Familien geöffnet. Maximal 27 Menschen dürfen gleichzeitig durch die Ausstellungsräume flanieren.

Nachteile durch Öffnungen: Kosten sind da - und die Besucher?

Ob das Angebot angenommen wird, ist völlig unklar. Katrin Hesse befürchtet, dass viele Menschen noch unsicher sind. Gleichzeitig muss der Betrieb hochgefahren werden. Strom, Personal, Reinigung: Die Kosten sind da. Ob sie gedeckt werden?

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„Am schlimmsten wäre es, wenn wir bald wieder schließen müssten“, sagt die Museumsleiterin, die viele Pläne für Ausstellungen und Veranstaltungen in den Schubladen hat. Sie wünscht sich von der Politik deshalb vor allem eines: Kontinuität.

Zehn Kilometer weiter ist die Entscheidung am Dienstagvormittag gefallen. „Wir haben gerade beschlossen, dass wir aufmachen“, berichtet Markus Mergenthaler am Telefon. Ab dem 21. März ist die Ausstellung „Als Franken fränkisch wurde“ im Knauf-Museum zu sehen – vorausgesetzt, die Inzidenz bleibt unter 50. Steigt sie über diesen Wert, geht das Knauf-Museum seinen eigenen Weg. „Dann machen wir wieder zu“, sagt dessen Leiter.

Nach dem ersten Lockdown: Vertrauen der Leute war lange nicht da

Die staatliche Vorgabe, Gäste dann nur noch mit Anmeldung einzulassen, sei in der Umsetzung zu aufwändig. Mergenthaler schwankt deshalb auch – wie die meisten seiner Kollegen – zwischen Vorfreude und der Sorge, dass sein Haus bald wieder schließen wird.

20.000 bis 25.000 Besucher strömen in normalen Jahren ins Knauf-Museum, 2020 waren es trotz der verkürzten Öffnungszeiten immerhin 13.000. „Aber es hat rund vier Wochen gebraucht, bis die Leute nach dem ersten Lockdown wieder Vertrauen gefasst hatten“, erinnert sich Mergenthaler. Auch jetzt rechnet er mit einer gewissen Anlaufzeit – zumal die meisten Gäste einen Museumsbesuch erfahrungsgemäß gerne mit anderen Aktivitäten im Ort oder der Umgebung verbinden. So lange die Gaststätten und Cafes geschlossen haben, sei das aber schwierig.

Während im Knauf-Museum in Corona-Zeiten 50 Gäste gleichzeitig durch die Ausstellungsräume laufen dürfen, sind es im deutlich kleineren Marktbreiter Malerwinkelhaus nur zehn. Leiterin Simone Michel–von Dungern plant trotzdem für die Eröffnung am 20. März. Auch wenn sich die Vorbereitungen für die neue Ausstellung alles andere als einfach gestalten.

 "Die Leute haben sich lieber im Freien aufgehalten."

Viele Archive sind geschlossen, mögliche Leihgeber dürfen nicht anreisen, publikumswirksame Eröffnungsveranstaltungen sind nicht denkbar – genauso wenig wie Vorträge. „Das sind normalerweise die Höhepunkte im Jahr“, sagt von Dungern. Schon 2020 musste darauf verzichtet werden, auch Führungen durften nicht angeboten werden. Entsprechend verhalten war der Besucherstrom im Sommer letzten Jahres. „Die Leute haben sich lieber im Freien aufgehalten.“

Genau darauf setzt Reinhard Hüßner im Kirchenburgmuseum in Mönchsondheim. Drei neue Führungen hat er zusammen mit seinen Mitarbeitern entwickelt. Die Touren führen auf jeweils rund fünf Kilometern Länge hinaus in die Kulturlandschaft – zu alten Relikten wie Mühlen oder Lehmgruben. Insgesamt 23 Schautafeln erklären am Wegesrand die Besonderheiten. Rund 4000 Besucher kommen in normalen Jahren ins Freilandmuseum. 2020 war es etwa die Hälfte. Die Besuche von Schulklassen und Gruppenreisen sind regelrecht eingebrochen. Mit dem neuen Angebot hofft Hüßner, wenigstens kleinere Gruppen wieder führen zu dürfen – zumindest durch den Außenbereich. Hoffnung macht ihm ein Aspekt aus 2020. Damals haben viele Deutsche die Schönheiten des eigenen Landes entdeckt. Mehr Besucher als sonst sind aus den Städten ins Kirchenburgmuseum gekommen. Warum sollte sich dieser Trend 2021 nicht fortsetzen?

In der Barockscheune in Volkach ist alles für die Eröffnung vorbereitet. Die findet – wie jedes Jahr – an Ostern statt. Eine Ausstellung des Bezirks Unterfranken zum Thema „Migration“ wird zu sehen sein. Leiterin Margit Hofmann hofft, dass die Begleitprogramme, die 2020 alle abgesagt werden mussten, heuer wieder stattfinden. Statt 2500 Besuchern seien auch deshalb nur rund 600 Besucher im letzten Jahr gekommen. Vor allem hofft die Leiterin aber, dass die Inzidenz-Zahlen nicht wieder steigen und Gäste wie ehrenamtliche Helfer gleichermaßen gesund durch die nächsten Wochen kommen. Damit alle die Museumssaison 2021 genießen können.

 

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