"Behandelt wie eine Aussätzige" - Eine Bewohnerin des Notwohngebiets berichtet
Autor: Diana Fuchs
Kitzingen, Freitag, 09. Februar 2018
Die 28-jährige Monika Kusak lebt seit einem Jahr mit ihrem Kind im Notwohngebiet.
Der kleine Elias ist ein aufgewecktes Kind. Während Mama sich unterhält, bewacht der Viereinhalbjährige sein Fahrrad. Man weiß ja nie… Im Kitzinger Notwohngebiet bekommen selbst Räder manchmal Füße. Das will der kleine Pirat – im Kindergarten war heute Kinderschminken angesagt – auf jeden Fall verhindern.
Monika Kusak liebt ihren Sohn. Es schmerzt sie, ihn hier vor einem der heruntergekommenen Wohnblocks zu beobachten. Sie weiß: Er hat schon zu viel gesehen und miterlebt. Einbruch, Randale, Sachbeschädigung – selbst Erwachsene können so etwas nicht leicht verarbeiten.
„Unsere Wohnungstür ist eine ganz normale Zimmertür – ein fester Tritt und sie steht offen. Einmal ist schon eingebrochen und Geld gestohlen worden. Ein anderes Mal hat man unseren Schuhschrank, der vor der Tür stand, über die Brüstung hinunter auf den Boden geworfen.“ Wer das war? Monika Kusak zuckt mit den Schultern: „Weil der Zugang zu den Wohnungen über einen Gemeinschaftsbalkon erfolgt, kann da im Prinzip jeder hin.“ Die 28-Jährige schluckt. Dann sagt sie leise: „Ich traue nicht vielen hier und ich habe Angst. Für ein Kind ist das kein Zustand. Am allermeisten wünsche ich mir eine Wohnung, in der Elias sich entfalten und ganz normal aufwachsen kann.“
Eine solche Bleibe sucht die alleinerziehende Mutter seit einem Jahr. Vergebens. Fehlendes Vermögen und das Stigma „Notwohnerin“ tun ihr Übriges, um die Suche zu erschweren. „Je länger man hier im Notwohngebiet lebt, desto schlimmer wird es. Man fühlt sich ausgeliefert, schutzlos“, sagt Monika Kusak, der mittlerweile Depressionen schwer zu schaffen machen.
„Wer einmal hier wohnt, kommt schwer wieder raus.“ Umgekehrt war der Weg vom „normalen Leben“ in die Notwohnung gar nicht so weit. Alles begann vor gut einem Jahr. Die junge Mutter verlor ihre „schöne, geräumige Wohnung“. Aus Mitleid hatte sie ihren Bruder aufgenommen, was sich jedoch als keine gute Idee erwies. Am Ende bekam sie eine Räumungsklage, musste ausziehen. Sie landete mit dem damals dreijährigen Elias im Notwohngebiet. „Wir haben hier ein Zimmer – ohne Dusche, was ich sehr schlimm finde, auch für mein Kind“, berichtet Monika Kusak.
„Schrecklich ist auch der Schimmel überall. Und das Loch im Fenster, das noch von den Vormietern stammt und das nur mit einem Pappkarton abgedeckt ist.“ Die Kälte von draußen kriecht beständig in den Raum hinein.
Ob sie das der Stadt Kitzingen als Vermieterin der Wohnung gesagt hat? Monika Kusaks Augen werden feucht. „Ja, ich bin hingegangen. Aber die behandeln einen wie einen Aussätzigen. Sie haben mir gesagt, ich sei ja wohl selbst schuld an meiner Lage.“