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"Man lernt immer dazu"


Autor: Ralf Dieter

Enheim, Freitag, 03. Februar 2017

Elisabeth Endres hat ihren Traumberuf gefunden: Die Enheimerin ist als Dorfhelferin im Einsatz.
Gute Stimmung trotz kaputter Schulter: Manuela Meyer (links) aus Erlach freut sich über die tatkräftige Unterstützung von Dorfhelferin Elisabeth Endres.


Die letzte ihrer Art ist sie nicht gerade. Aber viele wie sie gibt es nicht mehr. Elisabeth Endres ist Dorfhelferin. Sie hat nur noch zwei evangelische Kolleginnen in ganz Unterfranken.

Fünfeinhalb Jahre dauerte ihre Ausbildung zur Dorfhelferin. Elisabeth Endres lernte die Hauswirtschaft von der Pike auf, lernte die Grundlagen der Krankenpflege kennen und besuchte so unterschiedliche Ausbildungsstationen wie einen Kuhstall und eine Säuglingsstation. Es war ein langer Weg. Die Enheimerin wusste schon in der siebten Klasse, dass sie ihn gehen wollte.

„Dorfhelferin war von Anfang an mein Traumberuf“, sagt sie. Geändert hat sich daran nichts. Elisabeth Endres beschreibt ihre Faszination so: „Ich kann anderen helfen, bekomme Anerkennung und habe immer wieder Abwechslung.“ Ein Jahr lang im gleichen Betrieb tätig sein? Für die vierfache Mutter ein Graus. Sie liebt es, den Einsatzort zu wechseln, neue Menschen zu treffen, neue Aufgaben zu erhalten. „Man lernt immer dazu“, sagt sie. Ob beim Gärtner, beim Viehwirt oder beim Winzer: Die Aufgaben unterscheiden sich.

Endres ist beim Evangelischen Bildungszentrum Hesselberg angestellt. Über den Maschinenring Ochsenfurt werden ihre Einsatzorte organisiert. Landwirte melden sich dort, wenn Not am Mann ist, sprich: Wenn die Frau im Haus krank geworden ist, auf Kur geht oder aus anderen Gründen nicht hundertprozentig einsatzfähig ist. Endres war auch schon mal nach der Geburt von Drillingen gefragt, hat den Haushalt und die Wäsche gemacht. In der Regel tragen die Krankenkassen die Kosten.

Ein Anruf, ein erstes Treffen – und schon geht's los. Elisabeth Endres kommt ganz schön rum. Im letzten Jahr war sie unter anderem in Wiesenbronn, Albertshofen, Ochsenfurt, Biebelried, Albertshausen und Herchsheim im Einsatz. Im Vertrag sind ihre Tätigkeiten klar geregelt: Hausarbeit, Kinderbetreuung, Hilfe bei Hausaufgaben gehören dazu. In Einzelfällen werden auch pflegebedürftige Angehörige mit versorgt.

Endres hat auch schon Gurken gewickelt oder Tomaten ausgegeizt. Sie hat im Weinberg mitgeholfen und Ferkel gespritzt. Alles macht sie aber nicht mit. „Ich fahre zum Beispiel keinen Bulldog“, sagt sie und lacht. „Ich bin ja schon froh, wenn ich mit meinem normalen Auto rückwärts fahren kann.“ Tiere kastrieren geht auch nicht.

Im Vertragsentwurf ihres Arbeitgebers ist klar geregelt, was eine Dorfhelferin macht und was nicht: Außergewöhnliche Arbeiten gehören nicht zu ihren Aufgaben. Gemeint sind Tätigkeiten wie den Stall streichen, die Haustiere versorgen oder gar ein großer Hausputz.

Neben den Einsätzen in Landwirtschaftsbetrieben kommen jetzt auch immer mehr städtische Aufträge hinzu. Genehmigt die Kasse die Kosten, können auch Familien in Ochsenfurt, Kitzingen oder Würzburg eine Haushaltshilfe oder eben eine Dorfhelferin beantragen.

In Unterfranken sind alle drei Stellen des evangelischen Dorfhelferinnendienstes besetzt. In ganz Franken fehlen sechs Kolleginnen, wie die Referentin am Bildungszentrum Hesselberg, Brigitte Seeberger, berichtet. Es ist schwierig, geeigneten Nachwuchs zu finden. „Man muss die ständigen Wechsel mögen und sich mit dem bäuerlichen Umfeld identifizieren.“ Elisabeth Endres tut das. 20 Stunden in der Woche arbeitet sie. Der Bedarf nach einer Dorfhelferin ist deutlich größer. Zumindest partiell. Mal laufen beim Maschinenring geballt Anfragen ein, mal gibt es ruhigere Zeiten. Im Moment schiebt sie 20 Urlaubstage vor sich her. Als Dorfhelferin muss man flexibel sein.

Weitere Informationen zum evangelischen Dorfhelferinnendienst in Bayern gibt es unter www.ebz-hesselberg.de

Informationstag: Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten lädt zu einem Informationstag nach Pfaffenhofen ein. Am Samstag, 11. Februar, werden an der Dr. Eisenmann-Landwirtschaftsschule von 10 bis 14 Uhr Erläuterungen zur zweijährigen Fortbildung zur Dorfhelferin gegeben. Weitere Infos unter www.aelf-ph.bayern.de oder www.sanktjohannes.de