Brigitte Obermeier ist eine begnadete Schauspielerin. Doch aufs große Corona-Theater war sie ebenso wenig vorbereitet wie alle anderen Menschen. Von einem Heulkrampf ließ sie sich jedoch nicht für längere Zeit überwältigen. Sie rettete sich selbst auf ganz ungewöhnliche Art – indem sie Menschen half, denen es noch mieser ging als ihr selbst.

Nach drei nervenaufreibenden Jahren ohne feste Spielstätte war die Theater- und Fernsehschauspielerin, Sängerin und Regisseurin mit ihrem „Sommerhaus“ im Jahr 2018 nach Winterhausen bei Würzburg gezogen: in ein historisches Steinhaus mit alten Holzbalken und Natursteinmauern, einem urigen Gewölbe als Foyer und einer modernen Bühne. Die Renovierung war ein Kraftakt gewesen. Dann kam Corona.

Lockdown im Theater, kein Verdienst. Und nicht nur das: „Meine beiden Knie waren seit einiger Zeit kaputt. Im Oktober bekam ich holterdipolter einen OP-Termin.“ Wieder zuhause, „weil ich wegen Corona noch nicht auf Reha konnte“ – stürzte Obermeier, wie sie selbst sagt, in eine heftige Krise. „Zur Tatenlosigkeit verdammt und zugleich unbeweglich – das war zuviel. Das große Heulen kam.“

Brigitte Obermeier wollte wieder raus aus dem kalten Tränenloch. Zwar hatte sie selbst seit Monaten kein Einkommen, „zum Glück gab es aber Spielstättenförderung fürs Theater, so dass das erst mal gesichert ist“. So stellte die Mit-Intendantin der beliebten Giebelstadter Kinderfestspiele die Finanzsorgen erst mal hinten an. Um sich und andere aufzuheitern, rief sie einen virtuellen Adventskalender ins Leben. Jeden Tag las sie auf dem Blog des Theaters Sommerhaus eine Episode von „Morgen Findus wird?s was geben“ vor. Als musikalisches Extra gab?s zusätzlich jeden Sonntag ein Lied aus den Weihnachtsstücken des Theaters. „Das hat mir selbst gut getan! Und es gab viele positive Rückmeldungen.“

Heiligabend in der Bahnhofsmission

„Schon immer“ habe sie in der Adventszeit etwas Sinnvolles für Menschen tun wollen, denen es nicht so gut geht – aber sonst hatte die Schauspielerin dafür kaum Zeit: Der Dezember ist eine Hoch-Zeit der Kleinkunst-Bühne. Im Corona-Jahr machte Obermeier ihren Wunsch nun wahr: „Ich habe im Advent eine klassische Weihnachts-CD aufgenommen und an Seniorenheime verteilt. Außerdem hab? ich mich an einer Strickaktion für Flüchtlinge beteiligt.“

Heiligabend feierte Brigitte Obermeier völlig anders als sonst: Sie rief in der Bahnhofsmission an und fragte, was dort benötigt werde. Zusammen mit ihrer Tochter Mascha kaufte sie danach Käse, Wurst, Joghurt und Obst und verteilte all die Leckereien an die Wohnsitzlosen. „Deren Freude hat mich glücklich gemacht.“

Der Kredit, den sie für die Theater-Baustelle aufnehmen musste, lag und liegt ihr dennoch im Magen. Aber sie geht kreativ damit um. „Ich habe ein wunderschönes Buch gefunden: ?Eine fast perfekte Welt?. Das spreche ich gerade für eine virtuelle Lesung ein.“ Auf Spendenbasis komme so vielleicht ein bisschen Geld in die Kasse.

"Man spürt Unfreundlichkeit und Misstrauen"

Die Künstlerin hat schon einige Krisen miterlebt – immer ist sie gestärkt daraus hervorgegangen. Derzeit macht ihr jedoch die allgemeine Stimmung der Menschen ein bisschen Sorgen: „Unfreundlichkeit und Misstrauen spürt man überall.“ Die Fränkin bleibt trotz allem Optimistin: „Ich hoffe, dass die Corona-Zeit am Ende doch was Gutes hat. Dass man sich wieder auf das besinnt, was einen wirklich glücklich und zufrieden macht.“

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