Aller guten Dinge sind drei
Autor: Günter Flegel
Kitzingen, Donnerstag, 12. April 2018
Liedermacher Wolfgang Buck startet noch einmal durch - ohne Band, aber auch nicht ganz solo.
Auch wenn es abgedroschen klingt: Unkraud vergehd ned – der Titel seiner allerersten CD, die 1988 auf den Markt kam, war geradezu prophetisch. 30 Jahre später steht er immer noch im Tonstudio und auf der Bühne, er hat viele Höhen erlebt und manche Tiefe gemeistert und ist sich bei all dem treu geblieben: „Alles werd gud“ für Wolfgang Buck.
Er hat vor ein paar Jahren ein tolles Lied über die „Echdzeid“ geschrieben, und das kommt einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man dem bald 60-Jährigen nach langer Zeit wieder einmal gegenüber sitzt. Die echte Zeit hat ihn verändert, hat ihre Spuren hinterlassen, gerade auch die Zeit, als er in eine schwere Depression fiel und sich mühsam aus dem Tief heraus arbeiten musste. „Wenn man das einmal erlebt hat, dieses Loch, dann weiß man, wo man nie wieder hin will im Leben“, sagt er.
Wolfgang Buck, geboren 1958 in Puschendorf im Landkreis Fürth, gelernter evangelischer Pfarrer, ist ein begnadeter Geschichten-Erzähler. Auch wenn er ein bisschen mehr grau und vielleicht ein wenig ernster geworden ist, blickt er mit neugierigen Lausbuben-Augen ebenso verschmitzt wie wohlwollend in die Welt.
Eine Welt, die ihm gefällt, ein Platz, wo er Musik macht, wenn er nicht gerade wohnt, kocht und das Leben genießt (Buck über Buck), auch wenn ihn das „Gwärch“ der Menschen, die oft sinn- und zwecklose Geschäftigkeit dieser Zeit, bisweilen so nervt, dass er seine Gefühle in neue Lieder packen muss.
Hat man Wolfgang Buck noch nie gehört, würde man nicht im Traum daran denken, dass der fränkische Dialekt sich mit dem Blues verträgt. Das rollende R und die aus Prinzip immer am falschen Platz sitzenden Konsonanten müssten ja eigentlich zwangsläufig lustig klingen. Den Songpoeten aus Erlau (Gemeinde Walsdorf) im Landkreis Bamberg zeichnet aus, dass er beides kann: Er kann wunderbar im breitesten Fränkisch ummernand blödeln, frech mit der Mundart spielen und bei Klassikern wie „Zucchini“ selbst den Nicht-Franken schallend lachen lassen; der zwar kein Wort versteht, aber sich alleine vom blubbernden Klang der Wörter das Zwerchfell massieren lässt.
Aber Wolfgang Buck kann ebenso mit Tiefgang, ja Schwermut über Themen singen, bei denen jedem das Lachen im Halse stecken bleibt, denkt man etwa an das Lied „Elf Noma“ von 1998, wie „Zucchini“ von der CD „Aganzallaans“. Mit dem Lied hat er den von den Nazis ermordeten elf Juden aus Walsdorf ein musikalisches Denkmal gesetzt. In dem Lied passiert beides: In den weichen, fränkischen Dialekt verpackt, nimmt es dem Grauen ein Stück weit das Unerträgliche, die Härte. Gleichzeitig aber zwingt die Mundart den (fränkischen) Zuhörer, das Unfassbare ganz nahe an sich heran zu lassen. Elf Namen.
Warum dieser Ausflug ins Jahr 1998, wenn doch 2018 eine neue CD erscheint? Der Blick zurück ergibt Sinn, denn Wolfgang Buck ist sich über die lange Zeit treu geblieben.