Alte und neue Fans können sich auf „Des Gwärch und des Meer“ freuen, weil der Liedermacher einmal mehr höchst gelungen Alltagsbeobachtungen (Gwärch), das Zeitgeschehen und seine Sehnsuchtsorte (Meer) zu einem Gesamtkunstwerk verwebt.
Nach der Auflösung seiner Band, deren Zusammenarbeit zuletzt darunter litt, dass die Termine der auch anderweitig engagierten Musiker kaum noch unter einen Hut zu bringen waren, gibt es ein neues und doch vertrautes Projekt, „Buck 3“. Wolfgang Buck singt und spielt im Studio und auf der Bühne mit zwei langjährigen Weggefährten aus der Band, dem gebürtigen Zeiler Rupert Schellenberger (Keyboard und Gesang) und Felix Lauschus aus Berlin (Multi-Instrumentalist und Gesang).
Wer glaubt, dass der Sound ohne die Band ein wenig wässrig daher kommen könnte, wird auf der neuen CD aufs Angenehmste enttäuscht: Rupert Schellenberger, den Buck gerne als „Klangprofessor“ bezeichnet, nutzt den neuen Freiraum, um am Keyboard vielfältige Klangwelten rund um Bucks Texte, Gesang und Gitarre zu weben. Ohne dass das auch nur ansatzweise künstlich klingt. Lauschus setzt weitere Akzente, unter anderem mit Trompete und Flügelhorn. An der CD haben weitere Musiker mitgearbeitet, darunter der aus Unterhaid stammende Oliver Saar (Saxophon, Ex-Wolfgang-Buck-Band). Es wird spannend, sein zu sehen/zu hören, wie das Trio den üppigen Studio-Sound „light“ auf der Bühne umsetzen wird.
Die neue CD, die nach der Bühnenpremiere von „Buck 3“ am Samstag, 14. April, in Bamberg (Haas-Säle) am 17. April in die Läden kommen wird, präsentiert 13 (fast) neue Stücke. Buck hat tief in seine Schublade gegriffen und zwei Lieder völlig neu eingespielt, die er ganz am Anfang seiner Sänger-Karriere geschrieben hat, wie er erzählt: „Di Sunna douder goud“ (Die Sonne tut dir gut), ein Sommer-Sonne-gute-Laune-Stück, und „Ieber mier zäing die Wolkn“ (Über mir ziehen die Wolken) mit einem bemerkenswerten Gastspiel: Der Nürnberger Schriftsteller Fitzgerald Kusz leiht Buck für diese beiden Lieder seine Sprech-Stimme.
Die anderen elf Stücke decken das Buck'sche Universum ab: Er darf sich danach sehnen, „des Meer“ zu sehen, er macht die „Flüchdlingskinder“ zum Thema, und er leidet beim Zahnarzt weniger unter dem Bohrer als vielmehr unter dem Monolog des Dentisten, dem er mit Klammer und Watte im Mund wehrlos ausgeliefert ist: „Wenn?s weh dud sohngsis fei“ (Sagen Sie bitte, wenn es weh tut).
Der Opener ist ein starkes Stück fränkischer Musik, dessen Titel bei den Höhen und Tiefen, die Wolfgang Buck erlebt hat, doppeldeutig ist, vielleicht so etwas wie die Dachzeile für das neue Album: „Alles hinderlässd Schburn“ – alles hinterlässt Spuren. Buck besingt die digitale Welt, das virtuelle Bezahlen, die Daten-Sammel-Wut und die Spuren, die jeder Mensch bewusst oder unbewusst im Netz hinterlässt. Das Thema ist an sich „nix neis“, wie man auf Fränkisch sagen würde, aber wohl in keiner anderen Sprache klingt das mit den Spuren so bedrohlich wie Fränkisch als „Schburn“, ein ums andere mal wiederholt, bis es fast nervt wie pausenlos vibrierende und zwitschernde Smartphones…
„Des Gwärch und des Meer“ ist eine CD, die man guten Gewissens mit dem fränkischen Superlativ „Bassd scho“ belegen kann. Es lohnt sich, die Scheibe in Echtzeit zu hören, fürs Nebenbei ist sie fei ächt zu schade.
Der Franke Wolfgang Buck, Jahrgang 1958, war nach dem Studium der Theologie 14 Jahre lang Pfarrer in Trabelsdorf bei Bamberg. 1972 begann er, Gitarre zu spielen, 1988 erschien die erste CD. Fast 2000 Konzerte spielte Buck solo und mit der Band, seine CDs haben sich 80 000 Mal verkauft. Den Sound seiner Band bestimmten wesentlich Mitglieder der Formation „Die Zöllner“ aus Berlin. Auf der neuen CD „Des Gwärch und des Meer“ finden sich elf nagelneue und zwei uralte Lieder. Premieren-Konzert ist am morgigen Samstag, 14. April, in Bamberg, danach tritt Buck unter anderem in Erlangen (15. April) und Hof (21. April) auf. (www.wolfgang-buck.de)