Druckartikel: 5300 Euro aus der „Schatzkiste“

5300 Euro aus der „Schatzkiste“


Autor: Diana Fuchs

Kitzingen, Dienstag, 03. Januar 2017

Das riesige Interesse an Bürgerbräu-Andenken bringt einen Geldsegen für vier sinnvolle Projekte
Über die Spenden von Jens Fiebig (im Hintergrund) freuen sich Dr. Gerd Menche (fürs Tierheim Kitzingen), Iris Keller (für die Voltigiergruppe Münsterschwarzach), Gunter Kittel und Manfred Markert (für die Lebenshilfe) sowie Wolfgang Markert und Ralph Bartholomäus (für die Deusterkeller).s


Jens Fiebig und seine Helfer trauten ihren Augen kaum. Am 17. April standen die Menschen auf dem Kitzinger Bürgerbräu-Gelände Schlange – obwohl dort schon seit fast 20 Jahren kein Bier mehr floss. Stattdessen sollte in Kürze der Abriss der Produktionsstätte beginnen und damit der Startschuss fallen für das innovative Wohnbauprojekt „Kitzinger Brauhöfe“.

Die Eigentümerfamilie Fiebig hatte sich entschlossen, Stühle, Tische, Krüge und allerhand Kurioses aus dem Fundus der Brauerei gegen eine Spende an Interessierte zu veräußern. „Aber dass es so viele Interessierte gibt, das hätten wir nie gedacht. Ich war mehr als erstaunt, als die Massen vor der Tür standen“, erinnert sich Jens Fiebig.

Heiß begehrt

Holzfässer, Jubiläumskrüge, Holzklappstühle, Lampen und einfache Werbeschilder waren heiß begehrt. Auch um Gläser, Untersetzer und allerhand Gerätschaften aus dem einstigen Brauer-Leben rissen sich die Besucher. Der Kirschholz-Schreibtisch der Oma und ein Werbeschild gingen an das Stadtmuseum Kitzingen und der Schreibtisch des Großvaters ziert heute – und darüber freut sich Fiebig besonders – das Büro eines ehe- maligen Bürgerbräu-Mitarbeiters.

„Sogar die Paletten, die als Präsentationstische dienten, fanden neue Eigentümer, die sich damit Betten bauen wollten.“ Auch eine besonders amüsante Geschichte hat Jens Fiebig erlebt: „Ein Mann kam mit dem Zug von Nürnberg hierher. Er hatte ein Klapprad dabei, auf dem er zwei Stühle festzurren konnte. Er kam insgesamt sieben Tage hintereinander – dann war der Bestand von 14 Stühlen geleert.“ Warum der Mann ausgerechnet die Kitzinger Brauereistühle haben wollte, ist leider nicht bekannt. Wer weiß, welche Verbindungen er einst in die Bier- und Weinstadt hatte?

Apropos Verbindungen: Jens Fiebig hätte die Utensilien aus der Bürgerbräu-„Schatzkiste“ auch auf Online-Portalen verkaufen können, doch dann wären sie in alle Welt verstreut worden. „So aber freuen wir uns, dass dadurch unsere Brauereigeschichte in Wohnungen und Häusern von Kitzingen und der Umgebung weiterlebt.“

Wie viel Geld die Menschen für ihre Wunschartikel bezahlten, lag in ihrem Ermessen. „Bis auf einen Fall, in dem ich quasi nachverhandelt habe, waren die Leute wirklich fair. Manche Käufer gaben für den guten Zweck auch einen Zusatz-Obolus.“ Wenn Fiebig an die Verkaufsaktion zurückdenkt, dann habe er „insgeheim auf einen Betrag von rund 2000 Euro gehofft“, sagt er. Tatsächlich durfte er am Ende jedoch über mehr als das Zweieinhalbfache staunen. Stolze 5300 Euro waren zusammengekommen.

Diese Summe spendete Jens Fiebig nun vier gemeinnützigen Vereinen aus Kitzingen und Umgebung – quasi als Weihnachtsgeschenk. Je 1000 Euro erhielten der Deusterkeller e.V., das Kitzinger Tierheim und die Voltigiergruppe des Egbert-Gymnasiums Münsterschwarzach. 2300 Euro gingen an die Kitzinger Lebenshilfe.

Alle Verantwortlichen nannten gleich vielfache Verwendungsmöglichkeiten. „Wir planen ein Wohnbauprojekt für behinderte und nichtbehinderte Menschen“, berichtete Lebenshilfe-Geschäftsführer Manfred Markert. Sein Mitstreiter Gunter Kittel fügte hinzu, man habe auch sonst bei der Lebenshilfe viele „offene Baustellen“, von der Frühförderstelle bis hin zur Schülerbücherei. „Es ist unglaublich, wie viel Geld die Lebenshilfe für wichtige Dinge selbst aufbringen muss.“

Davon kann auch Dr. Gerd Menche ein Lied singen. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Kitzingen machte deutlich: „Jeder Cent wird den Tieren im Tierheim zugute kommen. Dafür steht mein Name.“ Aktuell sei man unter anderem dabei, den Hygiene-Standard bei kleinen Eingriffen, etwa Sterilisationen, zu optimieren.

In Münsterschwarzach profitieren Tiere und Menschen gleichermaßen von der Spende. Zu der sehr aktiven und erfolgreichen Voltigierabteilung des Klosters hat Jens Fiebig seit langem einen guten Draht. Er betonte, dass die Kinder bei Trainerin Iris Keller und ihrem Team nicht nur den richtigen Umgang mit den Pferden lernen, sondern dass ausgediente Pferde in den Klostermauern auch ihr Gnadenbrot erhalten. „So soll das sein.“

Willkommene Spende

Als „äußerst willkommene Spende zur rechten Zeit“ sieht Ralph Bartolomäus, Vorsitzender des Vereins „Die Deusterkeller e.V.“, das Weihnachtsgeschenk aus der Bürgerbräu. Letzteres soll helfen, „Licht ins Dunkel“ zu bringen, sprich: die alten Deusterkeller zu illuminieren beziehungsweise zunächst einmal für die nötigen Stromleitungen zu sorgen. In den vergangenen Jahren habe man sich gefühlt, als verhungere man „am ausgestreckten Arm der Verwaltung“, sagte Bartolomäus. Nun aber habe der Neubau der Deusterturnhalle auch den Kellern etwas gebracht – einen Notausgang. Außerdem hoffe man auf Synergieeffekte durch den Umzug des Staatsarchivs aufs Deusterareal.

„Seit Jahren müssen wir darauf warten und sparen, die Keller aus dem Dornröschenschlaf holen zu können. Nun werden sie tatsächlich auch für Investoren interessant. Wir wollen den Stein ins Rollen bringen und aus den Deusterkellern eine Attraktion für Einheimische und Touristen machen.“ Die unterirdischen Räume sind ein Stück Kitzinger Stadtgeschichte. Dort hat einst auch Valentin Ehemann von der Vorgänger-Brauerei der Bürgerbräu seinen Gerstensaft gelagert.

Und damit schließt sich der Kreis. Fiebigs Spende soll ein Stück weit auch dazu beitragen, Kitzinger Brauerei-Historie zu erhalten.