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Linke-Chef Riexinger: „Wir sind ganz nah dran“


Autor: Robert Haaß

Kitzingen, Freitag, 05. Oktober 2018

Landtagswahl: Die Linke wirbt mit einem der beiden Bundesvorsitzenden auf dem Kitzinger Marktplatz für ihre Ziele.
Zu einer Wahlkampf-Veranstaltung der Partei Die Linke kam am Freitag Bundesvorsitzender Bernd Riexinger (rechts) auf den Marktplatz in Kitzingen. Zusammen mit der Landtagskandidatin Christine Pfaff (2.  v.  l.) aus Sommerach diskutierte er mit den Bürgern.


Wahlkampfzeiten sind interessante Zeiten. Denn da spült es auch prominente Politiker in die Provinz, die der Normalbürger sonst nur aus den Medien kennt. Dieses Mal ist es einer der beiden Bundesvorsitzenden der Linken, Bernd Riexinger, der den Weg auf den Kitzinger Marktplatz findet. Unterstützt wird er von den lokalen Kandidaten für den Land- und den Bezirkstag, Christine Pfaff und Siegfried Steiner.

Profi am Mikrofon

Eher unscheinbar kommt er daher, der Parteivorsitzende. Im schwarzen Anorak, mit roten Turnschuhen steht er plötzlich da, kein großer Tross begleitet ihn, keine festliche Musik erschallt, sehr persönlich und herzlich ist die Begrüßung durch die Kandidaten und die Bundestagsabgeordnete Simone Barrientos. Eine gute Handvoll Zuhörer ist noch dazu gekommen; ab und an bleiben Passanten stehen.

Nach der Kandidatenvorstellung ergreift Riexinger das Mikrofon und sofort wird klar, dass hier ein Profi am Werk ist. Er braucht kein Skript, hat eine klare, deutliche Sprache. Da ist erst einmal die Hoffnung, in diesem Jahr die Fünf-Prozent-Hürde für den Bayerischen Landtag zu knacken: „Wir sind ganz nah dran, dass wir es schaffen können“, sagt Riexinger, und stellt die Frage, ob man in Bayern wirklich im Paradies lebt. Er hat da Zweifel.

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„Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“

Da ist etwa der Pflegenotstand in Krankenhäusern und Altenheimen: zu wenig Personal, zu viel Arbeit und zu wenig Geld für die Beschäftigten. 12 500 Pflegekräfte mehr bräuchte es allein in Bayern, so Riexingers Forderung. Und die Altenpflege müsste grundsätzlich in öffentliche Hand und nicht profitorientierten Unternehmen überlassen werden. Da dort vorwiegend Frauen beschäftigt sind, will er auch: „gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.“

Bildung ist ein weiterer Bereich, den Riexinger anspricht. Auch dabei sind die Forderungen klar: mehr Lehrkräfte, kein Kind dürfe auf dem Bildungsweg verloren gehen. Bildung und Erziehung sollen gebührenfrei sein.

„Leiharbeit ist moderne Sklaverei und gehört abgeschafft“, sagt der Linke-Chef weiter und geht auf befristete Arbeitsverhältnisse ein, die vor allem ein Problem für junge Menschen sind, die so ihre Zukunft nicht planen könnten. Und um mobil sein zu können, fehle es vor allem auf dem Land an einem ausreichenden Öffentlichen Personennahverkehr. Der sei zudem zu teuer.

Reiche stärker besteuern

Wie kann man das alles finanzieren? „Die Reichen müssen mehr besteuert werden“, heißt Riexingers Konzept. Drei Prozent Vermögenssteuer ab der zweiten Million könnte ihm zufolge die Lösung sein. Ein Blick voraus: Sollte die Linke in den Landtag kommen, werde sie nicht mit der CSU koalieren, verspricht der Bundesvorsitzende. „Wir sind die linke Opposition, die den roten Farbtupfer in den Landtag bringt“, schließt Riexinger. Er ist seit drei Tagen im Freistaat unterwegs, fährt von Kitzingen nach Aschaffenburg und weiter ins Donauries. hat. Doch vor der Abfahrt nimmt er sich noch Zeit, mit dem einen oder anderen Kitzinger Bürger zu diskutieren.