Vom Frachter mit Kies bis zum Sportboot: die Leitzentrale hat sie im Blick. Mit Kamera und Funk halten die Mitarbeiter den Schiffsverkehr am Laufen.
Ganz langsam schiebt sich auf dem Main ein Schubverband, ein Güterschiff mit einem Schubleichter, in die Schleuse Gerlachshausen. 164 Meter ist er lang und hat ein Gewicht von 2500 Tonnen – so viel wie etwa 416 Elefanten. In früheren Zeiten saß dort in dem Schleusenhaus noch ein Angestellter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts, kurz WSA genannt, vor Ort und hatte den kompletten Schleusenvorgang überwacht. Doch heute sucht man vergebens nach so einer Person. Das Gebäude ist – wie man durch die Fenster erkennt – leer. Und trotzdem geben grüne und rote Lichtsignale dem Kapitän Zeichen, wie weit er einfahren darf. Die oberen und unteren Schleusentore öffnen beziehungsweise schließen sich wie von selbst. Des Rätsels Lösung liegt in Volkach.
Dort befindet sich eine von vier Außenbezirksstellen des WSA Schweinfurt, die den Main auf einer Länge von knapp 250 Kilometern betreuen und unter anderem den kompletten Schiffsverkehr am Laufen halten. In der Außenstelle Volkach, die idyllisch in einer kleinen Hafenanlage im Kanalabschnitt an der Alten Sommeracher Straße liegt, ist zudem eine Leitzentrale. Sie ist rund um die Uhr besetzt und überwacht die Schleusen Schweinfurt, Garstadt, Wipfeld und Gerlachshausen sowie den Schiffsverkehr dazwischen – etwa 50 Kilometer Flussverlauf.
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Für jede Schleuse ein Tisch
Andreas Gerlach und Christian Rüth haben gerade Frühschicht in der Zentrale. Dort sind kreisförmig vier Arbeitstische mit diversen Bildschirmen und Computern aufgereiht. Jede Schleuse hat ihren eigenen Tisch. Von hier aus kann über Kameras der gesamte kommende und gehende Schiffsverkehr beobachtet werden. Über gesonderte Funkfrequenzen kann der Diensthabende auch jederzeit dem Kapitän Kommandos geben. „Wir können in einer Schleuse maximal zwei Güterschiffe unterbringen“, erklärt Gerlach.
„Über ein spezielles Schiffsinformationssystem wissen wir genau, wo sich ein Schiff mit welcher Größe aufhält und in welche Richtung es fährt. Somit können wir im Vorfeld schon planen, welche Schiffe wir in welcher Reihenfolge in eine Schleuse einfahren lassen.“ Diese Vorgänge seien nicht immer einfach zu handhaben, meint Gerlach. Manche Schiffsführer würden sich in der Reihenfolge benachteiligt fühlen und dann über Funk das Diskutieren anfangen. Es kommt nämlich schon vor, dass das eine oder andere Schiff vor einer Schleuse länger warten muss, bis es drankommt. „Früher war es so, dass Hotelschiffe beim Schleusen Vorrang hatten“, erzählt der Angestellte des WSA weiter.
„Das ist aber jetzt abgeschafft worden. Dies hat doch zu vielen Beschwerden geführt.“ Laut Gerlach sind jetzt alle Schiffe gleichberechtigt, das heißt, wer zuerst ankommt wird auch zuerst bedient.
Staus werden vermieden
Einfluss können Gerlach und seine Kollegen insoweit nehmen, dass sie die Schiffsführer bei größerem Aufkommen auffordern, etwas langsamer zu fahren, um so einen Stau zu vermeiden. Und auf noch etwas weisen Gerlach und Rüth hin: Sportbootfahrer müssen sich grundsätzlich hinten anstellen. Vorfahrt hat immer die Personen- und Güterschifffahrt, dann erst die Sportboote und Freizeitboote.
Die Leitzentrale hat es aber nicht nur mit Schleuseneinsätzen zu tun. Christian Rüth berichtet von einem ganz aktuellen Fall aus Volkach: In der Nacht zum Weinfestmontag hatte er Dienst. Kurz nach Mitternacht kam über die Rettungsleitstelle die Mitteilung, dass bei Volkach vermutlich eine Person ins Wasser gefallen sei und eine groß angelegte Rettungsaktion anläuft (wir berichteten). Rüth wusste, dass kurz vorher drei Fahrgastschiffe die Schleuse Wipfeld passiert hatten und in Richtung Volkach unterwegs waren. Zugleich war in Gerlachshausen ein Güterschiff in der Schleuse, welches in Richtung Schweinfurt bergaufwärts – wie es im Schiffsjargon heißt – losfahren wollte.
Schifffahrtssperre für die Suchaktion in Volkach
Über Funk ordnete Rüth sofort auf dem Main in dem besagten Abschnitt bei Volkach eine komplette Schifffahrtssperre an.