Immer wieder sonntags: Zum Stammtisch in die Bäckerei
Autor: Dominik Berthel
Prichsenstadt, Samstag, 01. Februar 2020
Wo gibt's das noch: Jeden Sonntagmorgen trifft sich in der Bäckerei Schäfer in Prichsenstadt eine Stammtischrunde. Überhaupt genießt Tradition dort besonderen Stellenwert.
Es ist Sonntagmorgen. Kurz vor 7 Uhr kommen Peter und Fred in Schäfers Backstube am Prichsenstädter Karlsplatz 12. Es folgt Wolfgang und kurz darauf Hedwig. Dann ist die Runde komplett. Der Sonntagmorgen-Kaffeestammtisch kann beginnen, und das schon seit zehn Jahren. Die Bäckerei Schäfer in Prichsenstadt ist mehr als nur ein Laden, in dem man schnell ein paar Brötchen fürs Frühstück holt. Hier kennt man sich, hier trifft man sich, trinkt entspannt Kaffee, fühlt sich wohl und tauscht sich aus. Seit einem Vierteljahrhundert führen Karlheinz und Sigrid Plempel die Bäckerei.
Der Kaffeestammtisch trifft sich jeden Sonntagmorgen, immer genau von sieben bis acht. Für Hedwig Stoiber ist es "der schönste Stammtisch in ganz Prichsenstadt". Dieser ist gerade voll im Gange. Und es kommen weitere Kunden in den kleinen, freundlichen Laden, um sich Sonntagsbrötchen zu holen: "Dasselbe wie immer." "Wie gehabt." "Guten Morgen, Siggi, du weißt schon." Die fränkisch-minimalistischen Ansagen der Kunden reichen, damit Sigrid Plempel, die Chefin und Verkäuferin hinter der Ladentheke, genau weiß, was ihre Kunden wollen. Kein Wunder, nach einem Vierteljahrhundert kennt sie quasi alle Vorlieben und Wünsche der Stammkundschaft.
1#googleAds#100x100Die Bäckerei vom Onkel übernommen
Karlheinz Plempel, gebürtig aus Rüdenhausen, war nach seiner Bäcker-Lehre in Stadtschwarzach einige Zeit in einer Großbäckerei tätig. Dann unterbreitete sein Onkel, der damalige Besitzer der Prichsenstädter Bäckerei, Karl Schäfer, ihm Anfang der 1990er ein Angebot: Sein Neffe sollte bei ihm einsteigen. Zusammen hatte man eine Scheune des Anwesens zur modernen Backstube umgebaut und den Verkaufsladen vergrößert.
Als Karl Schäfer aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, übernahm der damals 24-jährige Karlheinz Plempel mit seiner ein Jahr jüngeren Ehefrau Sigrid 1995 Schäfers Backstube. Für Prichsenstadt und Umgebung ein Glücksgriff. Die Versorgung mit Backwaren, hergestellt nach traditioneller Handwerkskunst, ging nahtlos weiter. Das Motto lautet bis heute: "Hier backt der Chef noch selbst." Karlheinz Plempel ist der einzige Bäcker am Backofen, und alles, was in der Ladentheke liegt, kommt aus seiner Hand, immer inspiriert von der Kreativität seiner Frau.
Tochter lernt Bäckerin
Auch die nächste Generation Prichsenstädter Bäckerei-Tradition steht schon in den Startlöchern, um den Familienbetrieb vielleicht weiterzuführen. Das jüngste Kind der dreifachen Eltern, die 18-jährige Tochter Annalena, lernt im ersten Lehrjahr als Bäckerin. Sie weiß sehr genau, was auf sie zukommen würde, falls sie die Bäckerei ihrer Eltern übernehmen sollte. Sie ist seit Kindesbeinen in der Bäckerei dabei und am Sonntagmorgen steht sie regelmäßig hinter der Ladentheke.
Individuelle Wünsche erfüllen und besondere Schmankerl kreieren. So lautet das Motto des Bäcker-Ehepaars Plempel. Was würde da besser zu Prichsenstadt passen, als der Bezug zur traditionellen Nachtwächterszunft. Eigens für das 30-jährige Dienstjubiläum des Nachtwächter-Originals Hermann Schlossnagel und zum Europäische Nachtwächtertreffen im vergangenen Jahr hatte man zwei Backwaren geschaffen: das Nachtwächterbrot und das Nachtwächterle.
Mit Letzterem, einer Art kleinem Gewürzkuchen in der besonderen Form eines Nachtwächterkopfes, schaffte man die Aufnahme in die kulinarische Landkarte der Metropolregion Nürnberg, "Unsere Originale". Für diese besondere und erfolgreiche Backkunst hat Prichsenstadts Bürgermeister René Schlehr die Bäckerei jüngst beim Neujahrsempfang ausgezeichnet. Zusätzlich überreichte Landrätin Tamara Bischof dem Nachtwächterle-Erfinder eine Urkunde.