Gründleinsloch: Wo einst gar Blut sprudelte
Autor: Jürgen Haug-Peichl
Castell, Freitag, 18. November 2016
Wenn der Mensch sich etwas nicht erklären kann, dann fängt er für gewöhnlich an zu fantasieren. Das ist mit dem Gründleinsloch bei Castell genauso. Ein Ausflugstipp.
Wenn der Mensch sich etwas nicht genau erklären kann, dann fängt er für gewöhnlich an zu fantasieren. Gar wunderliche Geschichten entstehen dann, Sagen nennt man sie.
Das ist auch im feinen Örtchen Castell so. In dem Winzerort am Rande des Steigerwaldes (Lkr. Kitzingen) soll es einmal drei Enten gegeben haben, die hoch oben auf dem Burgberg in einen Brunnen sprangen und kurz darauf wenige Kilometer weiter wieder auftauchten – in einem mysteriösen, smaragdblauen Tümpel, dem Gründleinsloch.
Drei Enten verschwanden - und tauchten im Loch wieder auf
Die drei Enten wird es wahrscheinlich nie gegeben haben, das Gründleinsloch hingegen kennt man heute sehr wohl. Es ist eine Gipskarstquelle in einem Biotop, die bis heute viele Fragen offengelassen hat. Zum Beispiel die, wo der Grund der Quelle ist und welchen Weg all das viele Wasser von den Hängen herab genau nimmt.
„Das weiß niemand“, ist sich Castells Bürgermeister Jochen Kramer sicher. Weil der Untergrund voller Gips und deswegen undurchschaubar zerklüftet sei, habe man nie tief ins Gründleinsloch eindringen können. „Grundloses Loch“, da verwundert es nicht, woher die Quelle ihren Namen hat.
Früher war in der Nähe ein Freibad
Seit gut 30 Jahren ist das Areal zwischen Castell und dem Ortsteil Greuth ein Biotop. Die Natur hat sich längst zurückgeholt, was ihr einst gehörte. So auch einen 20 mal 40 Meter großen Teich wenige Meter neben dem Gründleinsloch. Er wird ebenfalls von Wasser aus dem karstigen Untergrund gespeist und hatte einst im Ort eine populäre Rolle: Er war ein Freibad. Davon ist heute freilich überhaupt nichts mehr zu erkennen – bis auf den rostigen Rest eines Sprungbretts.
1935 wurde das Bad eröffnet, und nach zeitweiser Stilllegung im Zweiten Weltkrieg wurde es noch bis in die späten 1960er Jahre betrieben. Dann machten die Behörden dem Treiben aus hygienischen Gründen ein Ende. Danach wurde das Becken 20 Jahre lang für die Fischzucht genutzt, bis auch das aufgegeben wurde. Heute ist der Tümpel reichlich zugewuchert und hat schon deshalb einen gewissen Charme.
Bürgermeister Kramer kann sich noch gut an die Freibad-Ära rund ums Gründleinsloch erinnern. Als Jugendlicher sei er häufig dort gewesen. „Aber das Wasser war immer eiskalt. 7 Grad oder so“, erinnert sich der 62-Jährige.