Zum Ende seiner Amtszeit blickt Erich Hegwein auf 18 Jahre als Bürgermeister in Marktbreit zurück. Er habe versucht, aus jeder Situation etwas Positives herauszuholen.
Es ist ein nachdenklicher Erich Hegwein, der sich in seinem Büro im Marktbreiter Rathaus zum Gespräch über seine 18 Jahre Amtszeit an der Spitze der Stadt und der Verwaltungsgemeinschaft stellt: "Man wird dünnhäutig. Der Job zerrt schon gewaltig an den Nerven. Denn wenn es läuft, wollen die Leute immer mehr", sagt er.
Und es ist gelaufen in Hegweins Amtszeit: Die Schulden sind von über sechs Millionen Euro auf null reduziert worden, Rücklagen sind vorhanden. Große Projekte wurden umgesetzt: neue Wohn- und Gewerbegebiete geschaffen, große Teile des Mainufers saniert, der Bauhof, die Schulen und das ehemalige E-Werk ebenfalls. Es gibt den Einkaufsmarkt, den Wohnmobilstellplatz und auch ein lebenswertes Gnodstadt dank Städtebauförderung.
Lob für Stellvertreter und Verwaltung
60 Stunden pro Woche, das müsse auch ein hauptamtlicher Bürgermeister schon an Arbeitszeit investieren, sagt Hegwein. Aber das alleine sei es nicht, was zum Erfolg führe. Natürlich habe ihn die gute Konjunktur unterstützt. Und es habe viele Helfer gegeben, an erster Stelle seine Ehefrau Waltraud, die ihm den Rücken frei gehalten und viel ehrenamtlich mitgearbeitet habe.
Den Stadtrat lobt Hegwein, seine beiden Stellvertreter, "die nie an meinem Stuhl gesägt haben", und die Verwaltung, "die den Weg mitgegangen ist". Und es gebe etliche Unterstützer mehr, die nicht alle erwähnt werden könnten. Viel gelernt habe er auch von Peter Baumeister, dem ehemaligen Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft, und das auch schon in seiner Zeit als Kämmerer in den zwölf Jahren vor dem Bürgermeisteramt.
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Auch Niederlagen gab es, aber Hegweins Naturell verdrängt die eher. Aktuell sei es vielleicht die Friedhofsscheune, deren Abriss in der vergangenen Stadtratssitzung beschlossen wurde , die er gerne erhalten hätte. Oder der verlorene Bürgerentscheid zur Aral-Tankstelle, deren Abriss im Zuge der Mainufer-Gestaltung zwar vom Stadtrat beschlossen, aber nicht durchgesetzt werden konnte. Dennoch sagt er: "Ich habe versucht, aus jeder Situation das Positive herauszuholen."
Die Gesellschaft hat sich verändert
Das war nicht immer einfach, denn Hegwein ist alles andere als konfliktscheu: "Nur keinem Streit aus dem Weg gehen", sei auch eine seiner Devisen, denn "es gibt Leute, denen muss man mal auf die Füße treten". Vor allem in einer Gesellschaft, die sich seiner Meinung nach verändert habe. Sie sei rücksichtsloser und fordernder geworden und es gebe immer weniger Verständnis für das Gemeinsame.
Dass Hegwein, manchmal fast ein wenig rücksichtslos, sagt, was er denkt, könnte auch der Grund gewesen sein, warum er vor 18 Jahren als Auswärtiger gewählt wurde: "Die Leute wollten Führung spüren und ich habe Kante gezeigt", sagt er. Manchmal habe er selbst vor der eigenen Partei nicht zurückgesteckt und deren Führung mehr als einmal kritisiert.