Im ersten Anlauf war das projektierte Einkaufszentrum in der ehemaligen US-Kaserne Marshall Heights im Stadtrat durchgefallen. Nicht, weil es die Räte per se ablehnen, sondern weil ihnen zu wenige Informationen vorlagen, um das Verfahren in Gang zu setzen. Das war der überwiegende Tenor in der Sitzung Mitte Dezember 2019.  

Nun legt Oberbürgermeister Siegfried Müller, der die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans offensichtlich zur Priorität erhoben hat, den Tagesordnungspunkt erneut dem Gremium vor. Der Stadtrat wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 13. Februar ab 18 Uhr im Rathaus damit befassen.

Die Stadtverwaltung argumentiert wie bisher, dass in dem wachsenden Stadtteil eine Möglichkeit zur Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs ermöglicht werden solle und spricht von einer "fußläufigen Nahversorgung". Kritiker werfen ein, dass das Projekt auf 10 000 Quadratmetern Grundfläche nicht allein der Nahversorgung diene, sondern überwiegend die Pendler auf der benachbarten B8 im Blick habe und deswegen ein Verdrängungswettbewerb mit anderen Einkaufsmärkten in Gang kommen könnte.

Nahversorgung oder Verdrängungswettbewerb?

Mit dem Bebauungsplan will die Verwaltung ein "Sondergebiet Nahversorgung" schaffen. Dabei beruft sich die Stadt auf das Kitzinger Einzelhandelskonzept von 2012, das Ziele für die Entwicklung des Einzelhandels formuliert hat. Dazu zählt die Stärkung des zentralen Versorgungsbereichs Innenstadt "ohne Beeinträchtigung des Innenstadtzentrums und der Nahversorgungsbereiche". Als Nahbereich definiert sind 500 Meter um ein Wohngebiet. 

Für die Marshall Heights sieht die Verwaltung die Nahversorgung als "nicht optimal". Allerdings wird in der Vorlage für die Ratssitzung nicht erwähnt, dass es in der Siegfried-Wilke-Straße, etwa einen Kilometer entfernt, bereits diejenigen Märkte gibt, die künftig in ähnlicher Weise auch in den Marshall Heights angesiedelt werden können. Dass sie vom Einkaufszentrum an der B8 beeinträchtigt werden könnten, ist zu erwarten.

Verwaltung pocht auf Innenstadtverträglichkeit

Gleichwohl beeilt sich die Stadt zu betonen: "Eine zulässige Ausdehnung und Größe einer möglichen Nahversorgung wird unter Beachtung des im Einzelhandelskonzept enthaltenen Zentrenkonzepts ... erörtert." Dabei sollen die Regierung von  Unterfranken, der regionale Planungsverband und die Einzelhandelsverbände beteiligt werden. "Das Bauvorhaben muss innenstadtverträglich und auch mit dem kommunalen Einzelhandelskonzept verträglich gestaltet werden."

Der Stadtrat müsste, will er das Projekt des Einkaufszentrums befördern, sowohl den Flächennutzungsplan ändern als auch einen Bebauungsplan aufstellen. Zugleich legt OB Müller dem Rat die Formulierung vor: "Der Stadtrat beschließt die Umsetzung des Bauvorhabens, falls die Maßnahme innenstadtverträglich erfolgt. Zudem werden Sortiment, Größe und Zufahrt im weiteren Verfahren endgültig festgelegt."