Ein echter Roth für das Malerwinkelhaus
Autor: Bearbeitet von Karin Angerer
Marktbreit, Freitag, 06. Sept. 2019
Die Mitglieder des Freundeskreises Museum Malerwinkelhaus freuen sich über den Ankauf eines ganz besonderen Malerwinkel-Gemäldes für das Museum in Marktbreit.
Die Mitglieder des Freundeskreises Museum Malerwinkelhaus freuen sich über den Ankauf eines ganz besonderen Malerwinkel-Gemäldes für das Museum in Marktbreit, heißt es in einer Pressemitteilung. Gemalt wurde das Bild von dem postimpressionistischen Landschaftsmaler Andreas Roth (1871–1949). Wie die Marktbreiter Museumsleiterin Simone Michel-von Dungern vorab recherchierte, entstammte dieser einer katholischen Bauernfamilie aus Kleinochsenfurt, die er jedoch aufgrund familiärer Spannungen schon im Alter 20 Jahren verließ.
Roth, der im Dezember 1949 in Los Angeles starb, waren Ausstellungen im Orange County Museum in Kalifornien gewidmet, wo auch einige seiner Werke aufbewahrt werden. Weitere befinden sich beispielsweise in der Pinakothek des Hotel Benaco in Torbole am Gardasee und in der Bildersammlung des ehemaligen Künstlertreffs „Batzenhäusl“ in Bozen, dem heutigen Schloss Proesels. Die Neuerwerbung „Malerwinkelhaus“ kann im Marktbreiter Malerwinkel-Museum immer Donnerstag von 14 bis 20 Uhr, Freitag bis Sonntag und an Feiertagen, 14 bis 17 Uhr, betrachtet werden, teilte die Museumsleiterin mit.
Malerwinkel-Haus entstand 1919
Ob und wo Roth nach seinem Weggang aus Franken studierte und womit er seinen Lebensunterhalt bestritt, ist unbekannt. Der Registrierungsdatei der Münchener Akademie der Künste sei zu entnehmen, dass Roth 1897 im Alter von 26 Jahren sein Studium in der „Naturklasse“ des griechischen Genre-Malers und Akademie-Professors Nikolaos Gysis (1842-1901) aufnahm.
Hier lernte er Amalia Leipold kennen, die Tochter eines seiner Lehrer. 1898 wurde Sohn Albin geboren, Amalias Eltern erlaubten die Heirat mit dem jungen Malschüler jedoch nicht. Albin erhielt den Namen der Mutter, die später jung verstarb. Um die Jahrhundertwende begann Roth, Europa zu bereisen und hielt in der Schweiz, in Österreich sowie in Norditalien bevorzugt Berg- und Seen-, aber auch Stadtlandschaften fest.
Mit seiner späteren Ehefrau Mathilde und Sohn Hermann, der 1912 in Riva del Garda geboren wurde, lebte Roth Anfang des 20. Jahrhunderts für zwölf Jahre in Italien, wo er auch als unabhängiger Herausgeber Postkarten mit Gemälden von Orten im oberen Gardasee-Gebiet des Trentino herausgab. Noch in den Wirren des Ersten Weltkriegs verlegte der Maler im Jahre 1917 offiziell seinen Wohnsitz wieder nach Kleinochsenfurt. 1919 entstand hier das Bild mit dem Motiv des Malerwinkelhauses, das nun vom Museumsverein erworben wurde.
Emigration nach USA
Ende der 20er Jahre lernte Roth erstmals seinen mittlerweile erwachsenen Sohn Albin kennen und unternahm eine erste Reise in die USA. Noch im Alter von 61 Jahren emigrierte der Malter nach Kalifornien. Er mietete sich in Los Angeles in das King Edward Hotel ein, was ihn scheinbar zu dem Zusatznamen „Edward“ Andreas Roth inspirierte.
Seinen Briefen zufolge bedauerte der erfolgreiche Maler sehr, dass seine Frau ihm nicht nach Kalifornien gefolgt war, da er ihr hier ein weitaus besseres Leben hätte ermöglichen können. Der Unterfranke "Edward" Andreas Roth verstarb am 5. Dezember 1949 in Los Angeles. Sein nach Deutschland geschickter Nachlass enthielt neben Bildern und Skizzen auch Fotografien, die den Maler in weißem Anzug und großem Hut bei der Arbeit zeigten sowie zahlreiche Briefe. Wenngleich auch Politik in seinen Briefen thematisiert wurde, bleibt bis heute rätselhaft, was Roth letztendlich bewog, Deutschland kurz vor der Machtergreifung Hitlers zu verlassen.