Das Ende der Segnitzer Brücke
Autor: Norbert Bischof
Segnitz, Dienstag, 31. März 2015
Die sinnlose Sprengung eines Mainübergangs, in letzter Minute gestoppte Luftangriffe und eine weiße Fahne – gegen den Willen des Bürgermeisters gehisst: Ein Blick auf die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs im südlichen Landkreis Kitzingen vor 70 Jahren.
Mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht endete im Mai 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa. Am 16. März 1945 war Würzburg von der Royal Air Force bombardiert worden, mehr als 5000 Menschen starben. Ende März wurde auch der südliche Landkreis Kitzingen angegriffen. Ein Blick zurück.
In Marktbreit hatte sich im März 1945 ein deutscher Regimentsstab, allerdings ohne größere Kampfeinheit, eingerichtet. Die deutsche Verteidigungslinie, die den schnellen Vormarsch der Amerikaner im Taubertal aufhalten sollte, war sehr bald durchbrochen und so rückte die Front unaufhaltsam auf den Landkreis Kitzingen vor. Reste der sich allmählich auflösenden Wehrmacht zogen sich in die Ortschaften zurück und bezogen damit auch die Zivilbevölkerung in die Verteidigungs- und Rückzugsgefechte mit ein.
Bei Kaltensondheim richtete die Waffen-SS eine Auffangstellung ein, um die Amerikaner an der Linie Ochsenfurt – Kitzingen aufzuhalten. Der in Marktbreit stationierte Wehrmachtstruppenteil hatte den Befehl, Panzersperren zu errichten und die Segnitzer Brücke zu sprengen, sobald der Feind näher als zehn Kilometer herangekommen war.
Zum Ausbau von Verteidigungsanlagen kam es aber nicht mehr. Dafür bereitete man Ende März 1945 die Segnitzer Brücke als ersten Mainübergang im Landkreis für die Sprengung vor. Einwände des Marktbreiter Volkssturms konnten die Landser zwar von der Sinnlosigkeit der Zerstörung dieses taktisch uninteressanten Flussübergangs überzeugen. Eine Befehlsverweigerung wollte sich aber gerade in dieser Phase des Krieges, der nur noch als „hinhaltender Widerstand“ geführt wurde und bei dem es nur noch ums Überleben ging, niemand mehr leisten. Auch auf Segnitzer Seite regte sich Widerstand gegen die Zerstörung dieses Bauwerks, das seit fast 50 Jahren den großen Stolz des Ortes bedeutete. So beabsichtigte Georg Brendler, mit einem Rasiermesser bewaffnet, die Zündkabel zu den Sprengladungen an den Pfeilern zu durchtrennen. Das Wachpersonal ließ aber keine „Sabotage“ zu.
Zur gleichen Zeit, etwa um Karfreitag, 30. März 1945, begannen die ersten gezielten Jagdbomber- und Artillerieattacken auf Marktbreit. Tagsüber fielen Bomben, nachts schoss in der Regel die Artillerie, die bei Enheim/Gnodstadt an der B 13 Aufstellung genommen hatte. Eine vermutlich zu hoch angelegte Salve erreichte auch Segnitz und zog eine, allerdings verhältnismäßig harmlose, Spur südlich der heutigen Hans-Kesenbrod-Straße. Die sechs Granaten beschädigten ein Wohnzimmer in der Rathausstraße, Ställe und Nebengebäude. Zivile Verletzte hatte Segnitz bis dahin noch nicht zu beklagen.
Nächte im Keller
Auch wenn es sich bei diesem Angriff scheinbar um verirrte Einschläge handelte, so war es dennoch ratsam, zumindest die Nächte im Keller zu verbringen. Am Tage konnten dann mutige Beobachter vom Segnitzer Berg aus und möglichst in Deckung vor amerikanischen Tieffliegern die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges am Maindreieck hautnah erleben. Und das betraf vor allem die Angriffe auf Marktbreit.
Am Ostersonntag, 1. April 1945 um die Mittagszeit fand der erste schwere Luftangriff auf Marktbreit statt. Gegen 14 Uhr traf dann ein Spähtrupp in Stärke von sechs US-Panzern aus dem mittlerweile amerikanisch besetzten Ochsenfurt ein. Zwei Panzer wurden von der deutschen Besatzung abgeschossen, der Rest zog sich wieder nach Ochsenfurt zurück. Daraufhin eröffneten die Amerikaner ein fünf Tage dauerndes Bombardement und Artilleriefeuer auf die Stadt, bei denen 20 Zivilpersonen ums Leben kamen.