Er macht Beckenbodentraining mit dem Staubsauger. Leise und bedächtig zieht Jens Knopp damit seine Kreise im 32 Grad warmen Wasser des Physiotherapie-Beckens im Klinikum Kitzinger Land und filtert das heraus, was nach den einzelnen Einheiten im Becken bleibt und dort nicht hingehört.

Jens Knopp ist Masseur. Er könnte in der Zeit, in der er das Becken reinigt, auch Patienten behandeln. "Gerade dieses Becken ist aber ein hygienisch hoch sensibler Bereich", erklärt der stellvertretende Vorstand des Klinikums, Dr. Uwe Pfeiffle die Reinigungsarbeit am Beckenrand. Nicht auszudenken, wenn Kleinkinder oder Patienten mit OP-Narben sich im Wasser irgendwelche Keime einfangen würden. Dank des hohen Aufwands in punkto Sauberkeit ist das aber noch nie vorgekommen.

Fördergelder fließen nicht mehr

Der hohe Aufwand ist es aber auch, der dem Becken nun zum Verhängnis wird.
"Wir sind zurzeit mitten in der Planung für die Generalsanierung des Klinikums", berichtet Pfeiffle. Nach dieser Sanierung, die 2014 startet, wird es das Physiotherapie-Becken nicht mehr geben. Es wird dann einem Technik-Raum weichen.

Wirtschaftliche Gründe allein seien es nicht, die das Aus für das Bewegungsbad brachten. Dennoch sind sie nicht von der Hand zu weisen. "Das Becken kostet uns im Monat über 3000 Euro", sagt Pfeiffle. "Vor dreißig Jahren, als das Klinikum geplant worden war, war dieser Betrag noch förderfähig. Das hat sich jetzt geändert." Mit anderen Worten: Der Freistaat Bayern hat den Hahn dafür zugedreht. Es fließt also kein Fördergeld mehr ins Wasser.

Eigentlich Aufgabe der Reha

Immer seltener ins Wasser kommen aber auch die, für die das einzige Physiotherapie-Becken im gesamten Landkreis eigentlich gedacht war. Schuld hierfür ist der Fortschritt in der Medizin. "Früher lag die normale Verweildauer im Krankenhaus bei rund zwei Wochen", sagt Dr. Pfeiffle. "Heute sind die meisten Patienten etwa 4,8 Tage bei uns".

Zustimmendes Nicken kommt da vom Chefarzt der chirurgischen Abteilung des Klinikums, Dr. Volker Fackeldey. "Unser Ziel ist es, die Patienten möglichst rasch medizinisch vertretbar in die postoperative Reha zu bringen, die dann für die Wassergymnastik zuständig ist. Für Reha-Maßnahmen sind die Patienten eines Akut-Krankenhauses somit einfach zu kurz in unserem Haus". In den ersten Tagen nach einer Operation finde außerdem die Wundheilung statt, die bestenfalls Duschen erträgt, noch nicht aber das Baden im Pool.

Aus diesen Gründen sieht Fackeldey seine Physiotherapeuten lieber am Krankenbett als am Beckenrand. "Die Aufgabe des Physiotherapeuten hier im Klinikum ist es", so der Chirurg, "den Patienten möglichst schnell wieder aus dem Bett zu bekommen". Kann dieser sich wieder bewegen, würde dies Herz-, Lungen- oder Darmprobleme minimieren, die beim langen Liegen im Krankenbett den Heilungsprozess erschwerten.

Nicht nur hinsichtlich der Medizin, auch bei der Physiotherapie habe sich in den letzten Jahren viel verändert. "Heute verlassen die Patienten nach sechs Tagen das Krankenhaus in einem besseren Zustand als früher nach zwei bis drei Wochen".

Aqua-Sole soll übernehmen

Noch gibt es keinen Termin, zu dem das Wasser endgültig aus dem Becken gelassen wird. Noch ist also Zeit für Überlegungen, wie man der aktuell größten Zielgruppe des Pools eine Ausweichmöglichkeit bieten kann. Zwei bis drei Mal pro Woche planschen derzeit noch junge Mütter mit ihren Babys im warmen Wasser. "Wir haben in Kitzingen ein wunderbares Sole-Bad", sagt Fackeldey mit Blick auf das Aqua-Sole. Auch Dr. Pfeiffle sieht darin die Alternative. "Wir überlegen noch, ob wir unseren Müttern dafür einen Gutschein ausstellen oder den Umzug dahin anderweitig honorieren". Die würden ein solches Angebot sicher honorieren. Für Patienten, die physiotherapeutische Begleitung im Wasser benötigen, trocknet der Pool im Landkreis allerdings aus.