Damit das Streuobst nicht komplett verschwindet
Autor: Corbinian Wildmeister
Kitzingen, Dienstag, 29. Januar 2019
Der Obstbau im Landkreis steht vor einigen Herausforderungen. Der Leiter des Projekts Fränkische Obstlandschaften, Jonas Braun, warnt.
Fränkische Obstlandschaften nennt sich das Projekt, das Jonas Braun seit Juli 2018 koordiniert. Der 27-Jährige, der an der Mainschleife aufgewachsen ist und nach seinem Studium der Umweltsicherung in Triesdorf bewusst in die Region zurückkehrt ist, erklärte im Gespräch mit dieser Redaktion, was die Probleme des Obstbaus im Landkreis sind und was er dagegen unternehmen will.
Frage: Was zeichnet die Fränkischen Obstlandschaften im Landkreis Kitzingen aus?
Jonas Braun: Die Vielfalt ist wahnsinnig groß, und zwar auf kleinem Raum. Einerseits was die Nutzungsformen betrifft, aber auch was das Klima, die Bodenverhältnisse und die Sortenvielfalt angeht. Im südlichen Kitzinger Landkreis, in dem viel Landwirtschaft betrieben wird, wird Obst vor allem für den Eigengebrauch genutzt. Es finden sich hier viele Streuobstwiesen an den Ortsrändern. Im Maintal, das geprägt ist durch den Weinbau und Sandböden, gibt es hingegen einige Obstplantagen. Die Betriebe dort verkaufen das Obst; der Zwetschgenanbau an der Mainschleife ist zum Beispiel ein großes Thema.
Wo liegen die Probleme beim Obstbau?
Braun: Dem gewerblichen Obstbau bereitet die Osterweiterung Schwierigkeiten. Viel Obst kommt aus Osteuropa rüber, wo es zu billigeren Lohnkosten produziert wird. Im internationalen Handel können die fränkischen Bauern langsam nicht mehr mithalten, was die Produktionskosten betrifft. Im Streuobstanbau ist es ein großes Problem, dass die Generation, die sich bis jetzt um die Bäume gekümmert hat, langsam zu alt wird, um diese Arbeit ausführen zu können.
1#googleAds#100x100Das Projekt soll von 2018 bis 2021 dauern. Was wollen Sie in dieser Zeit verändern?
Braun: Als Ziel habe ich mir gesetzt, dass der Obstbau in der Region wieder präsenter wird. Gleichzeitig will ich auch wieder mehr Bewusstsein für die Brenner schaffen, da diese das Obst auch verwerten. Außerdem sollen wieder mehr junge Bäume gepflanzt und dann gepflegt werden. Seit den Siebzigerjahren gibt es relativ wenige Neupflanzungen. Die Kartierung der Streuobstbestände im Landkreis Kitzingen, an der wir derzeit arbeiten, wird auch zeigen, dass die Bestände nahezu komplett verschwinden werden, wenn wir in den nächsten 20 Jahren nichts verändern.