Altlandrat Dr. Rolf Bauer feiert am Sonntag, 6. Dezember, seinen 90. Geburtstag in seiner Geburtsstadt Marktbreit, in der er seit 1988 wieder seinen Wohnsitz hat. Es ist ein bewegtes Leben, von dem der Jubilar kurz vor seinem runden Geburtstag erzählt.

Zwar ist er gebürtiger Marktbreiter, doch verbrachte Rolf Bauer, er stammt aus einer angesehenen Lehrerfamilie, seine Jugend in Lindau am Bodensee, wo er auch sein Abitur ablegte. Es folgte das Studium der Rechtswissenschaft in München und an der Harvard-Universität in Cambridge im Großraum Boston in den USA. 1958 erhielt er die Einberufung in den Staatsdienst bei der Regierung von Unterfranken als Jurist. Im selben Jahr trat der CSU bei. Weitere berufliche Stationen führten ihn an das Bundesverwaltungsgericht in Berlin, die Landratsämter von, Hofheim, Lohr und Kitzingen, später dann wieder an die Regierung von Unterfranken und das Land Thüringen.

14 Jahre lang Geschicke des Kreises geführt

Dazwischen lagen die 14 Jahre, die Bauer im Landkreis Kitzingen bekannt machten, in denen er die Geschicke des Kreises führte. Und das begann mit einer Überraschung, denn Bauer kandidierte 1970 nicht für "seine Partei", sondern gegen einen CSU-Bewerber mit Unterstützung vieler Bürgermeister für das Amt des Landrats - und gewann die Wahlen. Was erst einmal das Aus Bauers in der CSU bedeutete, denn die Partei schloss ihn aus.

Parteien sind gnädig und wollen Erfolge, so fand Bauer später den Weg zurück zur CSU und wurde 1972 und 1978, diesmal mit Unterstützung seiner Partei, von den Wählern im Amt bestätigt. 1984 dann wieder so ein Bruch: Die CSU nominierte bei den damaligen Wahlen Siegfried Naser für das Amt des Landrats und eben nicht Rolf Bauer. "Mir wurde damals meine Scheidung angekreidet", sagte Bauer einmal in einem Interview.

Gebietsreform Mitte der 70er Jahre umgesetzt

Die Umsetzung der Gebietsreform Mitte der 1970er war wohl die eine große Leistung Bauers als Landrat. Sicher damals keine leichte Aufgabe, denn der Landkreis erweiterte sich vor allem nach Norden und Osten. Dabei verlor die Stadt Kitzingen ihren Status als kreisfreie Stadt, wurden Teile der ehemaligen Landkreise Gerolzhofen und Scheinfeld eingegliedert, was nicht immer einfach war, wie Bauer sich erinnert. So gab es etwa in Bullenheim große Widerstände, mit der Folge, dass die Gemeinde den Landkreis wieder verließ. Schon die Vorarbeiten dazu wurden unter der Regie Bauers geregelt: Die Neuregelung der Schulen im Landkreis.

In Bauers Amtszeit fiel auch der Neubau der Klinik Kitzinger Land, der Erhalt des Krankenhauses in Volkach oder der Neubau der Fachoberschule. Für seine Leistungen wurde er 1984 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Das Hadern mit seiner Partei zieht sich weiter durch Bauers Leben, vor einigen Jahren ist er wieder aus der CSU ausgetreten. Es war die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, die dazu geführt hatte: "Das war mir zu sprunghaft", sagte Bauer. Zwar seien viele Grundideen durchaus gut gewesen, doch es mangelte für ihn an der Umsetzung. Mit Markus Söder sei das anders, aber ein Wiedereintritt spiele für ihn derzeit keine Rolle.

Reisen würde Bauer auch mit 90 Jahren gerne noch etwas. Allerdings: Eine geplante Flusskreuzfahrt auf dem Rhein musste coronabedingt abgesagt werden - die Hoffnung bleibt, das doch noch nachholen zu können, denn Basel möchte er gerne noch besuchen. Körperlich und auch geistig ist der Jubilar für sein Alter noch recht fit. Jeden zweiten Tag läuft er das Maintal hinauf - allerdings mit Abstrichen: "Früher habe ich acht Höhenmeter in der Minute geschafft, heute mache ich alle acht Höhenmeter eine Pause", sagt er mit leichtem Lächeln.

Fünf Kinder, 22 Enkel und fünf Urenkel

Seit etwa fünf Jahren ist der Jubilar verwitwet, seine Stieftochter aus Obernbreit kümmert sich. Neben der Bewegung liest er viel Zeitung, und sitzt abends vor dem Fernseher: "Eigentlich wollte ich nie so alt werden", resümiert Bauer. Ob er selber kocht? "Ich wärme auf" antwortet er, mit feiner Ironie.

In "normalen" Zeiten würde sicher eine große Geburtstagsfeier auf ihn warten, mit vielen Gratulanten aus Politik und Gesellschaft und nicht zuletzt den fünf Kindern, 22 Enkeln und fünf Urenkeln. Zum Gratulieren am Sonntag haben sich Landrätin Tamara Bischof und Marktbreits Bürgermeister Harald Kopp angesagt - zeitversetzt, wie es sich derzeit gehört.