Möhrchen-Cup 2023 im Kreis Hof: "Kanin-Hop" als Bewegungsfreude oder Tierquälerei?
Autor: Agentur dpa
Schauenstein, Montag, 08. Mai 2023
In Haidengrün bei Schauenstein wird der "Möhrchen-Cup" ausgetragen - ein Hürdenlaufwettbewerb für Kaninchen. Der Tierschutz sieht das kritisch, die Veranstalter dagegen sind gelassen.
Theo macht den Anfang. Das Kaninchen mit den Schlappohren wartet neben seinem Frauchen auf einer Wiese in der oberfränkischen Provinz auf seinen Auftritt. In Haidengrün bei Schauenstein (Landkreis Hof) wird der "Möhrchen-Cup" im "Kanin-Hop" ausgetragen, einem Hürdenlaufwettbewerb. Als das Frauchen Theo die Leine abnimmt, flitzt das Kaninchen los. Souverän nimmt es die ersten sechs Hürden. Vor der siebten bleibt es stehen und hoppelt drumherum. Die Zuschauer*innen schmunzeln. Zwölf Tiere sind im Rennen. Es geht um die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften im "Kanin-Hop".
Carolin Bauer trainiert seit 2018 die Sportkaninchen-Gruppe im Kleintierzuchtverein Hof-Vogelherd und hat das Rennen organisiert. Auf der Wiese ist der Parcours aufgebaut, rundherum von einer Bande abgesichert, sodass die Tiere nicht davon hoppeln können. Nebenan gibt es eine zusätzliche Bahn zum Warmlaufen. Die ist nicht eingezäunt, sodass die Kaninchen dort an Leinen laufen.
Möhrchen-Cup 2023: Tierschützer sehen den Wettbewerb kritisch
Die Hürden seien überwiegend selbst gefertigt, erzählt die Trainerin. In der Elite-Klasse müssten die Kaninchen bis zu 50 Zentimeter hoch und 70 Zentimeter weit über Hindernisse springen können. Kaninchen seien bewegungsfreudig und ließen sich recht einfach zum Hürdenspringen animieren. Los gehe es bei Jungtieren mit niedrigen Hindernissen. Das Springen bereite den Tieren Freude, Stress sei vielleicht die An- und Abreise mit dem Auto, jedoch sei auch das Gewöhnungssache, so Bauer.
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Sie weiß, dass Tierschützer "Kanin-Hop" kritisch sehen, etwa wenn die Tiere Leinen tragen. Das habe Sicherheitsgründe, erläutert die Trainerin. So könnten Kaninchen, insbesondere wenn sie noch Anfänger seien, nicht davon hoppeln. Jedoch müsse die Leine locker gehalten werden. Wichtig findet Bauer, dass "Kanin-Hop" im Verein stattfindet. Da werde überprüft, dass die Tiere zu nichts gezwungen werden.
Der Deutsche Tierschutzbund lehnt "Kanin-Hop"-Wettbewerbe ab, wie eine Sprecherin sagt. Kaninchen seien Fluchttiere und schreckhaft. Ortswechsel, fremde Menschen und fremde Tiere bedeuteten Stress. Aber Zuhause "Kanin-Hop" zu betreiben, sei auch nicht empfehlenswert. Gerade Kinder seien meist nicht in der Lage die Bedürfnisse des Kaninchens klar zu deuten und setzten es erheblichem Stress aus.
Zu viel Stress für die Tiere? Leinen als "tierschutzwidriges Zubehör"
Leinen schränkten die Bewegungsmöglichkeiten eines Tieres ein, zudem könnte daran gezerrt werden. Der Tierschutzbund betrachtet Leinen als "tierschutzwidriges Zubehör". Weiter sagt die Sprecherin, bei Wettbewerben mit Tieren bestehe die Gefahr, dass es aufgrund des menschlichen Ehrgeizes zu einer Überforderung des Tieres komme. "Ob es den Tieren Freude bereitet, ist zweifelhaft. Vielmehr freut sich der Mensch, wenn ein Kaninchen über Hindernisse hüpft."
Kaninchen bräuchten Auslauf in einem großen Gehege. Es spreche aber nichts dagegen, dort kleine Hürden aufzubauen, sodass sich die Tiere selbst beschäftigen können, sofern keine Verletzungsgefahr bestehe. Die "Kanin-Hop"-Regeln sind beim Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK) festgelegt. Kai Sander ist dort der "Kanin-Hop"-Beauftragte. Im Telefongespräch wird schnell klar: Der Mann ist Protest von Tierschützern gewohnt. Der Verband habe aber einen Tierschutzbeauftragten, einen Veterinärmediziner, sagt Sander.