Möhrchen-Cup 2023: Wettbewerb "Kanin-Hop" in Franken sorgt für Kritik bei Tierschützern

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Ein Widderkaninchen springt beim Möhrchen-Cup 2023 im "Kanin-Hop" über ein Hindernis. Die Tierhalterin begleitet den Lauf durch den Hin­der­nis­par­cours.
Möhrchen-Cup 2023
Daniel Vogl (dpa)
Ein Widderkaninchen beim Möhrchen-Cup 2023 in Schauenstein.
Möhrchen-Cup 2023
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Verschiedene Kaninchen, darunter Widderkaninchen und Deutsche Riesen, sitzen in ihren Käfigen und warten auf ihren Lauf beim Möhrchen-Cup 2023 im "Kanin-Hop".
Möhrchen-Cup 2023
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Tierhalterin Verina Liß aus Zirndorf und ihr Widderkaninchen Silverados Sense of Star, das den 1. Platz in der Eliteklasse belegt hat.
Möhrchen-Cup 2023
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Carolin Bauer, "Kanin-Hop"-Trainerin im Kleintierzuchtverein Hof Vogelherd, sitzt neben einem Kaninchen ...
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Das Widderkaninchen Silverados Sense of Star der Tierhalterin Verina Liß aus Zirndorf hat sich bei der Eliteklasse den 1. Platz gesichert.
Möhrchen-Cup 2023
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Ein Widderkaninchen übt während des Möhrchen-Cups 2023 im "Kanin-Hop" das Springen über Hindernisse. Zur eigenen Sicherheit ist es an der Leine seiner Tierhalterin.
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Auf einem Kuchen steht "Möhrchen Cup 2023" in Zuckerglasur geschrieben. Möhrchen-Cup 2023 im "Kanin-Hop".
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In Haidengrün bei Schauenstein wird der "Möhrchen-Cup" ausgetragen - ein Hürdenlaufwettbewerb für Kaninchen. Der Tierschutz sieht das kritisch, die Veranstalter dagegen sind gelassen.

Theo macht den Anfang. Das Kaninchen mit den Schlappohren wartet neben seinem Frauchen auf einer Wiese in der oberfränkischen Provinz auf seinen Auftritt. In Haidengrün bei Schauenstein (Landkreis Hof) wird der "Möhrchen-Cup" im "Kanin-Hop" ausgetragen, einem Hürdenlaufwettbewerb. Als das Frauchen Theo die Leine abnimmt, flitzt das Kaninchen los. Souverän nimmt es die ersten sechs Hürden. Vor der siebten bleibt es stehen und hoppelt drumherum. Die Zuschauer*innen schmunzeln. Zwölf Tiere sind im Rennen. Es geht um die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften im "Kanin-Hop".

Carolin Bauer trainiert seit 2018 die Sportkaninchen-Gruppe im Kleintierzuchtverein Hof-Vogelherd und hat das Rennen organisiert. Auf der Wiese ist der Parcours aufgebaut, rundherum von einer Bande abgesichert, sodass die Tiere nicht davon hoppeln können. Nebenan gibt es eine zusätzliche Bahn zum Warmlaufen. Die ist nicht eingezäunt, sodass die Kaninchen dort an Leinen laufen.

Möhrchen-Cup 2023: Tierschützer sehen den Wettbewerb kritisch

Die Hürden seien überwiegend selbst gefertigt, erzählt die Trainerin. In der Elite-Klasse müssten die Kaninchen bis zu 50 Zentimeter hoch und 70 Zentimeter weit über Hindernisse springen können. Kaninchen seien bewegungsfreudig und ließen sich recht einfach zum Hürdenspringen animieren. Los gehe es bei Jungtieren mit niedrigen Hindernissen. Das Springen bereite den Tieren Freude, Stress sei vielleicht die An- und Abreise mit dem Auto, jedoch sei auch das Gewöhnungssache, so Bauer.

Sie weiß, dass Tierschützer "Kanin-Hop" kritisch sehen, etwa wenn die Tiere Leinen tragen. Das habe Sicherheitsgründe, erläutert die Trainerin. So könnten Kaninchen, insbesondere wenn sie noch Anfänger seien, nicht davon hoppeln. Jedoch müsse die Leine locker gehalten werden. Wichtig findet Bauer, dass "Kanin-Hop" im Verein stattfindet. Da werde überprüft, dass die Tiere zu nichts gezwungen werden.

Der Deutsche Tierschutzbund lehnt "Kanin-Hop"-Wettbewerbe ab, wie eine Sprecherin sagt. Kaninchen seien Fluchttiere und schreckhaft. Ortswechsel, fremde Menschen und fremde Tiere bedeuteten Stress. Aber Zuhause "Kanin-Hop" zu betreiben, sei auch nicht empfehlenswert. Gerade Kinder seien meist nicht in der Lage die Bedürfnisse des Kaninchens klar zu deuten und setzten es erheblichem Stress aus.

Zu viel Stress für die Tiere? Leinen als "tierschutzwidriges Zubehör"

Leinen schränkten die Bewegungsmöglichkeiten eines Tieres ein, zudem könnte daran gezerrt werden. Der Tierschutzbund betrachtet Leinen als "tierschutzwidriges Zubehör". Weiter sagt die Sprecherin, bei Wettbewerben mit Tieren bestehe die Gefahr, dass es aufgrund des menschlichen Ehrgeizes zu einer Überforderung des Tieres komme. "Ob es den Tieren Freude bereitet, ist zweifelhaft. Vielmehr freut sich der Mensch, wenn ein Kaninchen über Hindernisse hüpft."

Kaninchen bräuchten Auslauf in einem großen Gehege. Es spreche aber nichts dagegen, dort kleine Hürden aufzubauen, sodass sich die Tiere selbst beschäftigen können, sofern keine Verletzungsgefahr bestehe. Die "Kanin-Hop"-Regeln sind beim Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK) festgelegt. Kai Sander ist dort der "Kanin-Hop"-Beauftragte. Im Telefongespräch wird schnell klar: Der Mann ist Protest von Tierschützern gewohnt. Der Verband habe aber einen Tierschutzbeauftragten, einen Veterinärmediziner, sagt Sander.

Beim "Kanin-Hop" dürfe natürlich nicht das Leistungsprinzip im Vordergrund stehen. Vielmehr gehe es um Beschäftigung mit dem Tier. Wettbewerbe würden von geschulten Schiedsrichtern überwacht. Wer an "Kanin-Hop"-Rennen teilnehmen möchte, müsse Mitglied im Verband sein. So sollen "Kanin-Hop" und das Tierwohl in Einklang gebracht werden. Der Kaninchensport sei vor gut 30 Jahren in Schweden und Norwegen aufgekommen, berichtet er. Von dort stammten die Sportkaninchen. Das seien Sportwidder, die meist einen schlankeren Körperbau hätten als Rassewidder. Als Widder werden Kaninchen mit Schlappohren bezeichnet.

Veranstalter äußern sich zur Kritik: "Wir haben nichts zu verbergen"

Sander sieht das "Kanin-Hop"-Training im Verein positiv. Die Halter kämen regelmäßig zusammen und der Trainer habe die Kaninchen im Blick. Wichtig sei, die Kaninchen nicht zu zwingen, sagt Sander. Es gebe verschiedene Charaktere, manche ließen sich leicht animieren, andere eben nicht. Wenn sich Tiere in fremder Umgebung unwohl fühlen, sollten die Halter das auch berücksichtigen. Für Transportboxen gebe es Vorgaben: genug Platz, Futter, Wasser und passende Temperaturen. Genau das betont auch der Deutsche Tierschutzbund. Demzufolge sollten Autofahrten mit Kaninchen gar auf Tierarztbesuche beschränkt werden.

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Zur Kritik am Führen von Kaninchen an der Leine während des Rennens verweist auch Sander auf Sicherheitsgründe. "Hier gilt: Wer zu fest an der Leine zieht, wird ermahnt oder disqualifiziert." Vertreter*innen des Tierschutzbundes habe er schon zu einem Turnier eingeladen, damit sie sich ein Bild machen können. "Wir haben nichts zu verbergen."

In Haidengrün läuft der Wettbewerb weiter, ein Schiedsrichter notiert Fehler und Ergebnisse. Hoppelt ein Tier an einem Hindernis vorbei, darf die Halterin ihr Kaninchen zurücksetzen, was als Korrektur gewertet wird. Reißt ein Kaninchen eine Hürde, zählt das als Fehler. Und wenn ein Tier umdreht und in die falsche Richtung über eine Hürde springt, ist es aus dem Rennen. Am Ende landet die Häsin Sune auf dem ersten Platz. Ihre Halterin Verina Liß aus Zirndorf freut sich.

Am Parcours herrscht entspannte Stimmung. Es gibt Kaffee und Kuchen, natürlich auch eine Rübli-Torte. Der Vereinsvorsitzende Uwe Porst freut sich über das Vereinsleben. Durch die "Kanin-Hop"-Gruppe habe der Verein wieder Zulauf von jungen Leuten bekommen.

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