„Wir gedenken eines großen Hofers. Hof war seine zweite Heimat“, sagte Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD) und stellte ihre Würdigung unter den Grundgedanken der Erinnerung: „Wir wissen, dass ohne Erinnerung keine Einsicht, keine Vergebung, keine Heilung und schon gar keine gute Zukunft möglich ist. Wir erinnern bewusst an die große Schuld vieler und gleichzeitig an die menschliche Leistung des Einzelnen. Das scheint mir heute dringender denn je, damit sich Geschichte nicht wiederholt.“ Das teilt die Stadt Hof mit.

Dem Ort angemessen betete Hofs Rabbiner David Goldberg das Totengebet El Male Rachamim am Grab Wolf Weils, seiner Frau und seines Sohnes. Gut 50 Gäste waren zu dem Gedenken und der Widmungsfeierlichkeit gekommen. 1912 in Krakau geboren konnte Weil mit der Hilfe Oskar Schindlers der Shoa, dem Massenmord an den europäischen Juden, entkommen. 1945 gelangte er nach Hof. In eine Stadt, in der die Nationalsozialsten schon früh Erfolge einfahren konnten, die sich ab 1941 als „judenrein“ brüstete. Viele Flüchtlinge und Vertriebene waren in der Stadt.

Das Lager Moschendorf ist jedem ein Begriff. Aber nicht weit vom Jüdischen Friedhof stadteinwärts in der Wehrmachtskaserne an der Kulmbacher Straße war von 1945 bis 1947 auch ein Lager für „Displaced Persons“. Also für jüdische Menschen, die keinen Ort mehr auf der Welt hatten. Sie hatten alles verloren: Heimat, Beruf, ihre Liebsten, ihre Zukunft. Zeitweilig waren dort weit mehr als 1000 Personen untergebracht. Die wenigsten blieben; viele gingen nach Amerika oder nach Israel. Wolf Weil hat sich um sie gekümmert: in administrativen Dingen, in praktischen Fragen, als Mensch.

So wurde 1945 zunächst ein „Jüdisches Hilfskomitee“ ins Leben gerufen, aus dem 1950 die Israelitische Kultusgemeinde Hof hervorging. Wolf Weil amtierte als ihr Vorsitzender bis zu seinem Tod am 12. März 1988.

Der Jüdische Friedhof in Hof war für Wolf Weil ein wichtiger Ort seines Wirkens. Wolf Weil sorgte dafür, dass hier viele jüdische Menschen bestattet wurden, die als Opfer der Todes­märsche in den letzten Wochen der nationalsozialistischen Diktatur irgendwo verscharrt oder einfach liegengelassen worden waren. Auch getötete Juden aus dem KZ-Außenlager Helmbrechts, vor allem Frauen, fanden hier ihre letzte und ewige Ruhestätte.

Damit der Name Wolf Weil und sein Wirken auch außerhalb dieses Friedhofes in Hof nicht vergessen werden, wurde ihm die Straße in unmittelbarer Nachbarschaft gewidmet. „Sie möge zugleich an die große Schuld erinnern, aber auch zur Versöhnung gemahnen“, so Döhla.