Vor 20 Jahren im Beisein von Lord Yehudi Menuhin in Werneck gegründet, feierte der Verein "Live Music Now Franken" nun seinen runden Geburtstag mit einem Benefizkonzert in Schloss Eyrichshof, für das die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, die Schirmherrschaft übernommen hatte. Die Gäste waren rundum begeistert und geizten nicht mit Applaus.

Der Verein "Yehudi Menuhin Live Music Now", und so auch dessen fränkischer Zweigverein, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Musik zu Menschen zu bringen, die aufgrund ihrer Lebensumstände niemals ein Konzert besuchen können, junge Musiker zu fördern und soziales Engagement zu zeigen.


Begabtenförderung

Wie die Vorsitzende Erna Rauscher mitteilte, wähle der Verein jedes Jahr begabte Studenten der Hochschulen für Musik in Nürnberg und Würzburg aus, um ihnen Auftrittsmöglichkeiten inklusive einer Gage zu bieten. "So haben unsere Musiker in den letzten 20 Jahren fast 1000 Konzerte beispielsweise in Krankenhäusern, Altenheimen, Waisenhäusern, Gefängnissen, Heimen, Flüchtlingslagern oder anderen sozialen Einrichtungen bei freiem Eintritt bestritten", sagte sie.


Bewegende Erlebnisse

Der weitere Weg dieser Stipendiaten sei dann auch sehr erfolgreich gewesen. Für das Jubiläumskonzert habe der künstlerische Leiter, Professor Wolfgang Manz, der auch die Auswahlverfahren organisiere und durchführe, einige der ehemaligen Stipendiaten gewinnen können. Der Pianist Maksym Kulabukhov berichtete, dass er während der Stipendiatenzeit "sehr positive Erfahrungen" gemacht habe. Der Bass-Bariton Axel Humbert wiederum erzählte, dass die Konzerte vor allem bei Senioren sehr beliebt gewesen seien. "Berührend war für mich vor allem ein Auftritt mit einem Pianisten vor körperlich und geistig schwer behinderten Kindern. Als wir ankamen, herrschte eine unglaubliche Lautstärke in dem Saal. Weil ich als erstes Lied "Leise flehen meine Lieder" von Franz Schubert gewählt hatte, dachte ich bei mir: Diesen Fehler machst Du nicht noch einmal. Doch als der Pianist den ersten Ton spielte, war es plötzlich ganz still im Raum - bis zum Ende des Konzerts - weil die Kinder so ergriffen waren", sagte er. Eine ganz neue Erfahrung hatten der Pianist Nikolay Leshchenko und die Cellistin Irene von Fritsch bei ihren Konzerten gemacht. "Wir hatten bis dahin nicht gelernt, unser eigenes Programm auch zu moderieren und uns an das Publikum direkt zu wenden. Das hat uns aber sehr gut getan", erzählten sie. Auch dass sie mit ihrem Programm auf die Zuhörer eingehen sollten, habe sie "musikalisch beweglicher" gemacht.

Zu welche hervorragenden Künstlern sich die Stipendiaten entwickelt haben, erlebten die Zuhörer in dem Konzert, das Professor Wolfgang Manz moderierte.
So zog der Sänger Axel Humbert, am Klavier begleitet von Maksym Kulabukhov, mit der Arie "Non piu andrai" aus der Oper "Figaros Hochzeit" von Wolfgang Amadeus Mozart, mit dem Lied "Taubenpost" aus dem "Schwanengesang" von Franz Schubert und mit dem Gassenhauer "Wenn ich einmal reich wär" aus dem Musical "Anatevka" von Jerry Bock sein Publikum in den Bann.

Seiner Bühnenpräsenz, seiner vollen, warmen Stimme und seinem betörenden Timbre konnte man sich nicht entziehen; er wurde erst nach viel Beifall von der Bühne entlassen.
Maksym Kulabukhov stellte seine Brillanz am Flügel dann mit der Sonate "Pathétique" von Ludwig van Beethoven unter Beweis und auch der Pianist Nikolay Leshchenko begeisterte die Zuhörer mit der 2. Ballade in h-Moll von Franz Liszt.

Sein kraftvolles wie feinsinniges, ausdrucksstarkes Spiel und seine Virtuosität überzeugten vollends. Zum Abschluss bot das "Elisen-Quartett" mit Anja Schaller und Maria Schalk (Violine), Karoline Hofmann (Viola) und Irene von Fritsch (Cello) zwei Sätze aus dem Streichquartett "Sonnenaufgang" von Joseph Haydn und den ersten Satz aus dem Streichquartett F-Dur von Peter Tschaikowsky dar. Ihr engagiertes, fein aufeinander abgestimmtes Musizieren brachte ihnen neben freudigem Applaus auch Bravo-Rufe ein. So bedankten sie sich im Gegenzug mit einem Tango von Astor Piazolla als Zugabe.



Persönliche Erinnerung an Lord Menuhin

Anlässlich des Benefizkonzerts zum 20-jährigen Bestehen des Vereins "Yehudi Menuhin Live Music Now Franken" in Schloss Eyrichshof erinnerte sich Gründungsmitglied Professor Dr. Helmut Legal an die Anfänge und an den "Gründungsvater" Lord Yehudi Menuhin.


Ein Wunderkind

"Dieses Geigenwunderkind, das 1929 im Alter von zwölf Jahren zum ersten Mal in der Berliner Philharmonie für Begeisterungsstürme sorgte und dem die Musikwelt ein Leben lang zu Füßen lag, wurde zum Weltbürger und Mahner, der unermüdlich für Menschlichkeit, Menschenliebe und Frieden geworben hat", so Helmut Legal. "Die Musik wurde ihm zur Botschaft, zum Mittel der Völkerverständigung. So verwirklichte er in seinen Konzerten auch den sozialen Aspekt der Musik unter dem Motto: Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude."


Konzerte im Krieg

Yehudi Menuhin gab mehr als 500 Konzerte während des zweiten Weltkriegs vor Soldaten der Alliierten und Mitarbeiter des Roten Kreuzes. 1945 spielte er mit Benjamin Britten am Klavier für die Überlebenden des Konzentrationslagers Bergen-Belsen und vor geschundenen Soldaten in britischen und amerikanischen Gefangenenlagern. Ende der 1970er Jahre gründete er in fünf europäischen Ländern den gemeinnützigen Verein "Live Music Now", um Menschen in Krankenhäusern, Altenheimen, Palliativstationen, Behindertenwerkstätten, Flüchtlingsunterkünften oder in Gefängnissen das Erlebnis der Musik zugänglich zu machen. Zugleich sollten junge, besonders begabte Musiker in diesen Konzerten die Gelegenheit bekommen, um vor ungewohntem Publikum zu spielen.


Rote Ohren

"Als Lord Menuhin bei den Wernecker Schlosskonzerten 1997 das Symphonie-Orchester Kaunas dirigierte, gründeten Wolfgang Graf zu Castell-Castell, Professor Ulf Klausenitzer als Intendant des Kammerorchesters Schloss Werneck und ich als Hausherr des Orthopädischen Krankenhauses Schloss Werneck in seiner Anwesenheit den Verein Live Music Now Franken", berichtete Helmut Legal. "Lord Menuhin begrüßte unser Vorhaben, beantwortete Fragen und fragte nach, ob denn bei dem Schlosskonzert am Abend auch die Patienten anwesend seien. Wir bekamen rote Ohren und ermöglichten dies den Patienten der niedergelassenen Psychiatrie schnellstens, da die Patienten der Orthopädie ohnehin in den Genuss der Konzerte kamen", sagte der Redner, der noch eine denkwürdige Episode am Rande der Gründungsveranstaltung in Erinnerung rief.


Fast an Bodyguards gescheitert

So versuchte ein junges Mädchen mit einem Geigenkasten in der Hand gegen den Widerstand der Bodyguards in die Garderobe des Meister zu gelangen. Auf seine Vermittlung wurde sie schließlich vorgelassen und fragte Lord Menuhin, ob sie ihm einmal vorspielen dürfe. Dieser bestellte die kleine Künstlerin Sarah Deborah Strunz am folgenden Morgen zu sich nach Würzburg, wo sie ihm fast eine Stunde lang vorspielen durfte und aus seinen Korrekturen eine große musikalische Bereicherung erfuhr. Später wurde sie Stipendiatin von "Live Music Now Franken", ehe sie an der ehrwürdigen "Menuhin School" in London aufgenommen wurde. "Mittlerweile ist sie eine gefragte Sologeigerin den Konzertsälen Englands geworden", teilte Helmut Legal mit.


Wunderbarer Beruf

Er betonte, dass man bei all den Konzerten der Stipendiaten die Kraft der Musik spüren könne und dass es eine Bereicherung sei, mit den Menschen wie zum Beispiel schwer behinderten Kindern, Tumorpatienten, psychisch kranken Menschen oder Gefängnisinsassen in Kontakt zu kommen. So habe eine Stipendiatin einmal gesagt: "Was haben wir doch für einen wunderbaren Beruf, wie kostbar ist uns die Musik und wie unentbehrlich ist Live Music Now!" An diesen Worten, so Helmut Legal, hätte Yehudi Menuhin seine wahre Freude gehabt.