Was tun als letzte Hilfe?
Autor: Christian Licha
LKR Haßberge, Donnerstag, 09. August 2018
Das kleine Einmaleins der Sterbebegleitung vermitteln Fachkräfte von Caritas und Maltesern in Kursen im Landkreis.
"Letzte Hilfe-Kurs"? So mancher wird sich jetzt fragen, was das ist. Im Gegensatz zur Ersten Hilfe, die fester Bestandteil der Hilfskultur in unserer Gesellschaft ist, hat die "Letzte Hilfe" das Ziel, sterbende Menschen würdig zu begleiten. In den katholischen Pfarrzentren Wonfurt und Ebern fanden dazu kürzlich Informationsabende statt, zu denen zahlreiche Interessierte kamen.
Angelika Schmidt, Fachbereichsleiterin für die Altenhilfe im Caritas-Kreisverband Haßberge sowie die ehrenamtliche Hospiz-Helferin bei den Maltesern, Johanna Muckelbauer, vermittelten in dem kurzweiligen Kurs ein Grundwissen, sozusagen das "Kleine Einmaleins der Sterbebegleitung" und ermutigten Angehörige, sich Sterbenden zuzuwenden.
Vertrautheit hilft
Man muss hierzu nicht medizinisch gebildet sein, sondern die soziale Komponente ausfüllen. So angenehm wie möglich für den Patienten sollte man sein Umfeld gestalten. Manch einer mag es zum Beispiel lieber, wenn der Raum abgedunkelt ist, andere entspannen sich bei ruhiger Musik. Alleine das Dasein eines vertrauten Menschen kann beruhigend auf den Sterbenden wirken. Es kann auch helfen, so früh wie möglich, einen Seelsorger mit einzubinden. Aber auch gegen die Schmerzen, die viele Menschen vor dem Tod noch erleiden müssen, kann man einiges tun. So hilft es viel, bei Bettlägerigkeit den Kranken öfters in eine andere Position zu bringen. Eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr kann ebenfalls Schmerzen lindern. Bei Atemnot kann man den Oberkörper dehnen und eine aufrechte Sitzposition herstellen. Das hilft, damit die Lunge belüftet wird. Eine medikamentöse Grundversorgung sollte aber auf jeden Fall immer vorhanden sein.
Vorher an Vorsorge denken
Wichtig ist auch rechtzeitig an die Vorsorge zu denken. Wenn man sich beispielsweise nicht mehr äußern kann, ist eine Patientenverfügung das beste Mittel. Mit dieser Willenserklärung legt man fest, ob und - wenn ja - welche lebenserhaltenden Maßnahmen man im Notfall erhalten möchte.Eine andere Person ermächtigen, bestimmte Entscheidungen für einen zu treffen, kann man mit der Vorsorgevollmacht. Auch wenn es viele denken: Beide Dokumente müssen nicht vom Notar beglaubigt werden. Es reicht die Unterschrift der Person, die es betrifft. Einmal jährlich sollte man aber die Dokumente überprüfen, ob sie noch dem eigenen Willen entsprechen. Eine Neuausstellung ist jederzeit möglich.
Wenn dann der Tod eingetreten ist, muss man sich in der Regel nicht mehr um Formalitäten kümmern, denn das erledigt normalerweise das Bestattungsunternehmen, das auch die Trauerfeier nach individuellen Wünschen gestaltet.
Die Trauerbewältigung
Rituale können auch bei der Trauerbewältigung helfen. So hilft ein bewusstes Abschied nehmen, in dem man noch einige Zeit mit dem Verstorbenen zusammen ist, die Trauerphase. In manchen Familien ist es auch üblich, dass sich die ganze Familie um das Sterbebett stellt, gemeinsam ein Gebet gesprochen wird oder Kerzen anzündet werden. Ein Bildhauer aus dem Maintal hatte, nachdem seine beiden Söhne vor ihm verstorben waren, ihnen ein Denkmal erstellt. Das half der hinterbliebenen Ehefrau sehr, denn wann immer sie dort eine Kerze aufstellte, bedeutete das für die Zusammenführung der Familie.Eine 77-jährige Frau aus dem Landkreis, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, nahm an diesem Kurs teil, weil sie bereits zwei Sterbefälle im näheren Bekanntenkreis hinter sich hat und dabei merkte, dass die Betreuung nicht problemlos verlaufen ist. Außerdem habe sie zwei Familienmitglieder, die schwerbehindert sind und wahrscheinlich auch nicht mehr lange zu leben haben. Darauf will die rüstige Rentnerin vorbereitet sein.
Einfach nur die Hand gehalten
Die frühere Krankenschwester hatte aber auch schon vor mehr als 50 Jahren intuitiv das Richtige getan, um einem kleinen Kind das Sterben zu erleichtern. Angestellt in einer Kinderklinik hatte die Pflegerin in den 60er Jahren ein großes Mehrbettzimmer zu betreuen, in dem unter anderem auch ein fünfjähriges Mädchen aufgrund einer unheilbaren Krankheit im Sterben lag."Damals hatte man nichts erfahren, wie man mit Sterbenden umgehen soll", erzählt die Frau. So hat sie einfach viel mit der jungen Patientin geredet und sie immer im Auge gehabt, als sie sich um die anderen Kinder im Raum kümmerte. "Oft saß ich an ihrem Bett und habe ihr einfach nur die Hand gehalten", denkt die Seniorin berührt an die Zeit zurück. Das kleine Mädchen habe einen sehr zufriedenen Eindruck gemacht und ist dann ein paar Tage später friedlich eingeschlafen, als die Krankenschwester ihr wieder einmal körperliche Nähe vermittelte.
"Ich brauche eine Ort zum Trauern"
Ein besonderes Problem, wie sie mit ihrer Trauer umgehen soll, hat eine andere Kursteilnehmerin. Die junge Familienmutter hat zwei sehr nahe Angehörige, die weit über 80 Jahre alt sind und gemeinsam beschlossen haben, ihren Körper für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. Die Senioren möchten damit der Wissenschaft helfen, eventuell neue Therapieansätze zu erforschen und somit auch anderen Menschen ein besseres Leben mit Krankheit ermöglichen."Ich brauche einen Ort zum Trauern", erklärt die Frau, und führt aus, dass die sterblichen Überreste der Anverwandten wahrscheinlich erst zwei Jahre nach ihrem Tod zur Bestattung freigegeben werden. Sie habe auch Angst um den jeweils Hinterbliebenen, aber die beiden Rentner sind sich einig, dass ihnen jeweils ein Foto des Partners als bleibende Erinnerung reicht. Nun habe man sich so verständigt, dass bereits eine Grabstätte reserviert wurde, an der die Hinterbliebenen jederzeit Verbindung mit den Verstorbenen aufnehmen können, obwohl sie tatsächlich noch nicht bestattet sind.