"Lustig, lustig, tralalalala. Bald ist Nikolausabend da." Vor allem die kleinen Judokas der SG Eltmann freuen sich, wenn sie einmal im Jahr bei ihrer Winterwanderung Besuch vom wohl bekanntesten Bischof und natürlich ein süßes Geschenk bekommen. Doch Corona machte den Verantwortlichen um Abteilungsleiter Edgar Riedl diesmal einen Strich durch die Rechnung. Doch einfach nichts machen für Kinder und Jugendliche, das geht nun wirklich nicht.

Der Parkplatz vor der Realschule und der Vierfachturnhalle in Eltmann, dort, wo aufgrund der Pandemie seit Monaten kein Training mehr stattfinden kann, diente deshalb am Dienstagabend für zwei Stunden als "Nikolaus Drive In". Und stellvertretend für den Nikolaus überreichten in Halbstundenschichten die Nachwuchstrainer Rita und Sarah Riedl, Maria Zettelmeier und Marco Pfister, Edgar und David Riedl sowie Sebastian Dappert und Kristina Roos kleine Überraschungen an die gut 30 Mädchen und Jungen, die von ihren Eltern vorbeigefahren wurden. Ein aufmunterndes "Schön, dich wieder mal zu sehen" gab es ebenso.

Entwickelt wurde die tolle Idee bei einer Online-Sitzung, wie Sarah Riedl erklärte. "Uns ist es wichtig, den Kontakt zu den Kindern aufrechtzuerhalten und zu pflegen, sie einfach mal wieder zu sehen", sagte die 26-jährige Nachwuchstrainerin und fügte stolz hinzu: "Wir wollen auch ein Zeichen setzen, dass wir uns weiterhin Gedanken machen und uns bemühen."

Diese Bemühungen wusste Matti sehr zu schätzen. Der sechsjährige Bub wurde von seinem Vater eigens aus Sennfeld zum "Drive In" gefahren. Er fasst die Aktion kurz und bündig, aber vieltreffend zusammen: "Sehr gut", strahlte der Bub und nahm gespannt seine Überraschung entgegen. "Das ist gut, dass es so gemacht wird. Es ist ja schon Sankt Martin ausgefallen und vieles weitere. Ein gute Aktion", gab es von Matthias Goller aus Eltmann, Vater von Bastian, ein Sonderlob für die Organisatoren.

Vater Edgar Riedl, der zusammen mit Sarahs Bruder David im Einsatz war, räumte derweil ein, dass sich die gesamte Judo-Situation "äußerst schwierig" darstellt. "Es ist kein Training möglich. Für Judo braucht man Matten und einen Partner, und das steht gerade nicht zur Debatte. Riedl, der seit nunmehr fünf Jahrzehnten fest mit dem Kampfsport in der Wallburgstadt verwurzelt und ebenso wie seine Frau Rita nach wie vor aktiv ist, befürchtet gravierende Nachwehen der langen Zwangspausen. "Die lange trainingsfreie Zeit wird auf jeden Fall Spuren hinterlassen, und es wird sehr spannend, wie es nach dem Lockdown weitergeht", sagt er. Er geht davon aus, dass nicht alle Nachwuchsjudokas dem Verein die Treue halten und weiterhin ihrem Hobby nachgehen. Niemand könne die tatsächlichen Auswirkungen vorhersagen. Nichtsdestotrotz bezeichnet er die ergriffenen Maßnahmen zur Corona-Eindämmung als "sinnvoll und notwendig", wenn auch "für uns sehr schwierig." Die aktuellen Inzidenz-Zahlen zeigen nach seiner Ansicht aber, dass es "wichtig ist, am Ball zu bleiben und etwas zu tun".

Doch wer die Riedls und die anderen Verantwortlichen der Eltmanner Judokas kennt, weiß, dass Lamentieren und Nichtstun keine Optionen sind. Aktuell findet deshalb doch zwei Mal wöchentlich ein Training statt - allerdings corona-konform in den eigenen vier Wänden. Die Online-Übungen, die im Wechsel von einem der zahlreichen Judo-Trainer gehalten werden, sind laut Sarah Riedl "sehr variabel aufgebaut. Es geht um Schnelligkeit, Kraftausdauer, Mobility und natürlich auch Spaß."

Sebastian Dappert und Kristina Roos hatten einmal sogar eine "Plätzchen-Challenge" mit eingebaut.

Freilich ersetzt der Bildschirm nicht das Live-Erlebnis in der Halle. Und da gerade in den unterschiedlichsten Bereichen Online-Angebote stattfinden, sei es manchmal "etwas schwierig, die Kinder zu motivieren. Ich denke", so Sarah Riedl, "teilweise sind die Kinder einfach etwas ermüdet, alles online stattfinden zu lassen." Ihr Vater Edgar hofft, dass 2021 "möglichst bald" wieder ein normales Training stattfinden kann, auch um die Kontakte mit den Kindern, den Erwachsenen, den Kämpfern der Bundes-, Bayern- und Landesliga zu pflegen. "Der Kontakt", sagt er, "fehlt uns momentan schon sehr."

Bleibt am Ende noch eine Frage zu klären: Was befand sich eigentlich in den Päckchen? Schokolade durfte natürlich nicht fehlen. Doch auch ein kleiner Brief sowie - passend zur aktuellen Lage - einen extra Mund-Nasen-Schutz mit dem Vereinsemblem und dem Satz "Judo macht stark" gab es als Geschenk. Für die Judo-Kinder der SG Eltmann und deren Eltern jedenfalls eine außergewöhnliche Aktion in einem außergewöhnlichen Ambiente mit einer tollen Wirkung: Strahlende Gesichter.