Druckartikel: Symbol für gelebte Demokratie in Königsberg

Symbol für gelebte Demokratie in Königsberg


Autor: Gerold Snater

Königsberg in Bayern, Sonntag, 22. März 2015

Die Kommandanten des Bundes historischer Bürger- und Landwehren in Bayern trafen sich nach 16 Jahren wieder in Königsberg zur Tagung. Für ein Jahr sind die Königsberger nun Fahnen-Repräsentant des Verbandes, eine hohe Ehre.
Zu den Klängen des York'schen Marsches schritt Landeshauptmann Oberst Jürgen Völkl zusammen mit dem stellvertretenden Landeshauptmann Josef Maier, Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Bürgermeister Claus Bittenbrünn und Landrat Wilhelm Schneider (von links) die Front der Bürgerwehr Neustadt an der Waldnaab und der Kommandanten ab. Fotos: Gerold Snater


Die letzte Kommandantentagung des Bundes historischer Bürger- und Landwehren in Bayern fand 1998 in Königsberg statt. Wie vor 17 Jahren, so war dieses Treffen auch diesmal eine für die Stadt Königsberg und Unterfranken besondere Veranstaltung.

Wohlklingende Namen

20 Wehren gehören dem Bund an, dessen Mitbegründer die Bürgerwehr 1848 Königsberg in Franken ist. Beinahe alle, teils mit wohlklingenden Namen, nahmen mit einem oder mehreren Vertretern an der Kommandantentagung teil. So etwa die "Historische Hochfürstlich Lobkowitzische Grenadiergarde der Gefürsteten Grafschaft zu Sternstein", die "Churfürstlichen Musketiere Aschaffenburg" und die "Historisch K. B. Schützen-Compagnie der Stadt Waldmünchen". Die größte Abordnung stellte mit über 20 Teilnehmern die "Historisch K. B. 1#googleAds#100x100 Bürgerwehr Neustadt an der Waldnaab", die bei dieser Tagung die Bundesfahne des Bundes an die Bürgerwehr Königsberg zu übergeben hatte.

Prominzent würdigt den Anlass

Den Anlass würdigten neben vielen Führungskräften der Land- und Bürgerwehren Bayerns, Landrat Wilhelm Schneider und auch der unterfränkische Regierungspräsident Paul Beinhofer durch ihre Anwesenheit.
In der Rudolf-Mett-Halle sprachen der Hauptmann der Bürgerwehr 1848 Königsberg in Franken, Manfred Barfuß, und der Landeskommandant und Oberst der Landwehren, Jürgen Völkl aus Störnstein, Grußworte ebenso wie Bürgermeister Claus Bittenbrünn, der Regierungspräsident, der Landrat und der Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ostunterfranken, Peter Schleich. Bittenbrünn stellte die Besonderheit der Bürgerwehr in Königsberg heraus, die, im Gegensatz zu manch anderen Bürger- und Landwehren, seinerzeit von den Bürgern ins Leben gerufen wurde.

Die Zugehörigkeit war freiwillig, die Offiziere wurden von den Wehrmännern durch Wahl bestimmt. "Diese urdemokratischen Werte wurden bis auf den heutigen Tag erhalten. Für jeden jungen Mann ist es noch heute eine Ehre, wenn er zu Himmelfahrts- und Pfingstauszügen durch Kommandomitglieder eingeladen wird", erinnerte er an sein eigenes Mitmarschieren. Kurz sprach er die historische Entwicklung der Stadt an und die bedeutenden Persönlichkeiten, die in Königsberg geboren wurden. Paul Beinhofer hob die Bedeutung der Land- und Bürgerwehren in der Vergangenheit und der Gegenwart hervor (nachzulesen auf der Internetseite der Regierung von Unterfranken).

Brauchtum wird hier gelebt

Landrat Wilhelm Schneider hob die besondere Pflege von Brauchtum und Tradition ganz speziell in Königsberg hervor; diese werde nicht nur groß geschrieben sondern hier auch gelebt. "Die Königsberger Bürgerwehr ist der beste Beweis für eine lebendige Brauchtumspflege. Sie verkörpert ein gewaltiges Stück unserer Heimat und ist ein besonderes Aushängeschild unseres Landkreises, auf das ich als Landrat sehr stolz bin". Schneider bilanzierte: "Sie alle sind Botschafter der Heimat, und sie pflegen und leben Geschichte."

Peter Schleich stellte fest, dass die Anfänge der Sparkasse Ostunterfranken auf 1837 zurückgehen - da sei eine Sparkasse in Ebern gegründet worden. Damit sei die Sparkasse Ostunterfranken etwas älter als die Bürgerwehr Königsberg von 1848.

Hatte die Blaskapelle Hofstetten die Gäste vor dem Empfang unterhalten, so führte sie nun mit dem Trommlercorps der Bürgerwehr und der Fahnenabordnung die Kommandanten und Mitglieder der Bürgerwehr Neustadt an der Waldnaab mit der Verbandsfahne durch die Altstadt von Königsberg auf den Marktplatz. Etliche Zuschauer beobachteten den Zug der bunt historisch und sehr unterschiedlich gekleideten Männer und Frauen, in den sich die Ehrengäste eingereiht hatten. Der fast autofreie Marktplatz mit seinem historischen Ambiente bot den Rahmen für das Zeremoniell des Tages. So schritt Landeshauptmann Oberst Jürgen Völkl mit den Ehrengästen zu den Klängen des York'schen Marsches die Front der Wehrleute ab.

Zusätzlich nutzte er den Rahmen um einigen Kommandanten eine Beförderung auszusprechen und die Urkunde zu überreichen. Den Hauptmann der Bürgerwehr Königsberg, Manfred Barfuß, beförderte er zum Major.

Höhepunkt war die Übergabe der Verbandsfahne an die Bürgerwehr 1848 Königsberg in Franken durch die Bürgerwehr Neustadt an der Waldnaab. Die Fahne bleibt nun für ein Jahr bei der Bürgerwehr Königsberg, die diese bei Auftritten, bei denen der Landesverband Präsenz zeigt, mitführt. Im nächsten Jahr wird die Fahne an eine andere Wehr aus dem Verband weiter gegeben. Ein Böllerschuss der Kanoniere der Königsberger Bürgerwehr besiegelte diese Übergabe.