Mit Handschlag hat sich der 47-jährige Angeklagte aus einer Ortschaft im Maintal bei einer Polizeibeamtin und zwei ihrer männlichen Kollegen im Gerichtssaal in Haßfurt entschuldigt.

Im September 2013 war er als Verantwortlicher eines Fußballvereins gegen Polizeibeamte vorgegangen, die wegen Ruhestörung zum Sportheim gerufen worden waren. Gegen den Strafbefehl über 5000 Euro hatte er Einspruch eingelegt, weshalb es zur Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Haßfurt kam.

Wie der Vertreter der Anklage, Ilker Özalp, in der Anklageschrift verlas, habe sich der Angeklagte in den Weg gestellt, als die anrückende Polizei auf das Sportgelände fahren wollte. Auf Aufforderung eines Beamten den Weg freizumachen, habe der Angeklagte entgegnet: "Ich mache einen Scheißdreck."

Seine Personalien gab er nicht an, lief vielmehr weg.
Als er in Gewahrsam genommen wurde, wehrte er sich kräftig und schlug einen Polizeibeamten ins Gesicht, dessen Kollegin stieß er gegen eine Mauer. Schließlich wurde der renitente Mann gefesselt und konnte in ein Polizeifahrzeug gebracht werden.

Ihm kam jedoch eine weitere Person zur Hilfe, sodass es im und am Polizeifahrzeug nochmals zu Rangeleien und Widerstandshandlungen kam. Die Polizeibeamtin erlitt unter anderem eine posttraumatische Belastungsstörung. Der 47-Jährige wurde wegen Nötigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung angeklagt.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten verstand es, ohne einen Vorwurf gegen die Polizei die Sachlage für seinen Mandanten in ein günstiges Licht zu rücken. "Mein Mandant hat mittlerweile eingesehen, dass er sich falsch verhalten hat", sagte der Verteidiger. Er wolle sich bei den eingesetzten Polizisten entschuldigen. Alles sei in der Euphorie einer Aufstiegsfeier passiert. Auch sein Mandant sei verletzt worden, was er sich aber selber zuzuschreiben hätte.

"Absichtlich wollte mein Mandant die Polizisten nicht verletzen. Er sieht jetzt alles ein, dass er nicht richtig gehandelt hat", so Peter Auffermann. Es sei auch bedauerlich, dass eine Polizeibeamtin durch die Handlung seines Mandanten traumatisiert wurde. Allerdings sei es zwischenzeitlich zwischen seinem Mandantin und der betroffenen Polizeibeamtin bei einem Verkehrsunfall zu einem neuerlichen Kontakt gekommen. "Dieser verlief recht positiv", mutmaßte der Anwalt. Er regte die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage an.

Richterin Ilona Conver zeigte sich nicht abgeneigt, den Anregungen des Verteidigers zu folgen. Aber: "Die Polizei muss immer den Kopf hinhalten und deshalb ist sie von Justiz und Gesellschaft zu schützen und braucht Rückendeckung", sagte sie.

"Die Auseinandersetzung hatte für meine Mandantin echt schlimme Nebenwirkungen", stellte der Rechtsanwalt der Polizistin, Ronald Lubas, fest. Allerdings habe er mit dem Vorschlag der Gegenpartei kein Problem, wobei die Schadensregelung und Schmerzensgeldforderung davon unberührt sei.

"Das Problem ist halt, dass es in diesem Sportverein seit Jahren Vorkommnisse gibt und dort Beschwerdeführer wegen Lärms bedroht und beleidigt werden", entgegnete Özalp. Da wurde auch schon mal ein nackter Hintern gezeigt. Der Staatsanwalt bat um eine Sitzungsunterbrechung, in der dann auf dem Flur Gespräche zwischen den Prozessbeteiligten geführt wurden.

Im Verein müsse sich einiges ändern, sagte der Anklagevertreter, damit künftig Probleme wie bisher öfter der Fall, vermieden werden. Nachdem die Zeugen in den Sitzungssaal gerufen waren, machte der Anklagevertreter deutlich, dass Polizeibeamte zu schützen seien.

Er könne jedoch der Einstellung zustimmen, wenn gegen den Angeklagten eine deutlich spürbare Geldauflage erteilt werde. Der Dienststellenleiter der Polizei Haßfurt erklärte, dass es seit vielen Jahren mit dem Sportverein des Angeklagten Probleme gebe. Er sei jedoch bereit, sich mit den Verantwortlichen zu unterhalten, um künftig die Lage zu verbessern. Schließlich erhob sich der Angeklagte und reichte den drei Zeugen die Hand und entschuldigte sich.

Die Richterin stellte das Verfahren vorläufig ein. Dem Angeklagten wurde auferlegt, an die geschädigte Polizistin 1500 Euro und an ihre beiden Kollegen je 250 Euro zu zahlen. Außerdem habe er an die Stiftung der deutschen Polizeigewerkschaft 4000 Euro zu bezahlen.

"Das ist ja quasi der Weiße Ring für Polizeibeamte", sagte Richterin Conver. Auch wenn hier und jetzt "Friede, Freude, Eierkuchen" herrsche, müsse dem Angeklagten klar sein, dass es so nicht weitergehen kann, machte Ilker Özalp deutlich.