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Die Korbmacher schlagen zurück


Autor: Felix Schwarz

Sand am Main, Freitag, 14. Dezember 2018

Vor der Winterpause zeigte der FC Sand eine Leistungsexplosion und mauserte sich von einem Absteiger zu einer Mannschaft, die gegen Jeden mithalten kann.
Jubelnde Sander - eine Szene, die stellvertretend für eine bislang starke Rückrunde steht: Galten die Korbmacher lange Zeit als sicherer Absteiger, haben sie im Laufe der Saison eine beeindruckende Entwicklung genommen.  Fotos: Günther Geiling


Nach der Hinrunde schien die Lage klar zu sein: Als Schlusslicht mit acht Punkten Rückstand auf einen sicheren Nichtabstiegsplatz hatten viele den FC Sand schon abgeschrieben. "Vor kurzem hätte keiner einen Pfifferling auf uns gegeben", bringt es Keeper Markus Geier auf den Punkt. Doch was folgte, brachte die Anhänger in Gefühlswallungen. In fünf Partien fuhren die Sander zehn Punkte ein. Nimmt man nur die Rückrunde, stünden die Korbmacher auf Platz 5.

Was ist passiert? Zum Beginn der Rückrunde standen Julian Klauer und Dominik Schmitt wieder zur Verfügung. Auch wenn beide zu dem Zeitpunkt wohl noch nicht hundertprozentig fit waren, verhalfen sie ihrem Team doch zu mehr Stabilität. Die ohnehin ordentliche Defensivarbeit wurde in der Rückrunde zu einem wichtigen Faktor: fünf Gegentore in fünf Spielen, im Vergleich zur direkten Konkurrenz war das grandios.

Bereits am 12. Spieltag stieß Routinier Johannes Bechmann wieder ins Team, zusammen mit André Karmann sorgte er für Ordnung in der Viererkette. "Die beiden bilden ein Innenverteidigerduo, das jeder Torwart gerne vor sich hat", sagt Keeper Geier.

Endlich mehr Tore

Allein mit einer guten Verteidigung lässt sich allerdings kein Spiel gewinnen - das zeigte sich in der Hinrunde. Die Elf von Dieter Schlereth stand hinten passabel, die Rückwärtsbewegung war in Ordnung, die Zweikämpfe wurden meist engagiert geführt. Einzig mit den Toren wollte es nicht so richtig klappen. Neuzugang Philipp Markof aus Königsberg zeigte eine vielversprechende Leistung zu Beginn der Spielzeit, verletzte sich jedoch am Meniskus, auf eine Operation verzichtete er zunächst. Sein Comeback kam wohl etwas zu früh und warf ihn bald wieder zurück.

Dafür glänzte ein anderer Neuzugang: Shaban Rugovaj feierte am 9. Spieltag gegen Don Bosco Bamberg sein Debüt und traf gleich zum Einstieg. Von seinen spielerischen Qualitäten profitieren vor allem seine Mitspieler. Der Kosovare versucht, immer anspielbar zu sein, kann auch Bälle halten und zielgenaue Pässe in die Schnittstellen spielen. Wenn er selbst treffen soll, braucht er allerdings schnelle und präzise Steilpässe - ein Mittel, das die Sander in der Hinrunde zu selten anwandten. In der Rückrunde änderte sich das, postwendend netzte der 22-Jährige ein. Vier seiner sechs Treffern erzielte Rugovaj in der Rückrunde.

Ein alter Hase blüht auf

Torschützen benötigen auch brillante Vorlagengeber. Allen voran beeindruckte Thorsten Schlereth, der ältere Sohn von Chefcoach Dieter Schlereth. Der 35-Jährige hat schon einige Jahre auf dem Buckel, dennoch bringt er seine Gegner auf der linken Außenbahn regelmäßig durch seinen immer noch außergewöhnlichen Antritt zur Verzweiflung. Die Partie in Abtswind war ein Musterbeispiel: Schlereth hängte seinen Gegenspieler ab, dribbelte bis zur Grundlinie und legte geniale Pässe zurück in die Mitte. Er selbst kann auch vollenden, in der Rückrunde traf der Mann mit der Pferdelunge immerhin zweimal. Zusammen mit Sebastian Wagner brillierte er in der Rückrunde im offensiven Mittelfeld, diese Dynamik sollten die Sander ins nächste Kalenderjahr mitnehmen.

Doch eines wurde in der Partie gegen Erlangen-Bruck vor der Winterpause klar: Wenn wichtige Säulen fehlen, läuft nur wenig. So standen Sven Wieczorek, André Karmann und Johannes Bechmann nicht zur Verfügung - sofort riss die Serie nach vier Spielen ohne Niederlage.

Barfuß: "Äußerst positiv"

Sportleiter Erich Barfuß zeigt sich aufgrund der bisherigen Rückrunde zufrieden. "Mein Fazit bis zum jetzigen Zeitpunkt ist äußerst positiv, wir haben eigentlich schon mehr erreicht als wir zu Rundenbeginn hoffen durften", so Barfuß. Wir haben 20 Punkte, wobei wir in den fünf Rückrundenspielen soviel geholt haben wie in der kompletten Vorrunde. Das zeigt eine positive Entwicklung."

Für den Sportleiter spielt Dieter Schlereth und sein Umgang mit jungen Spielern eine enorme Rolle: "Dem Trainer ist es gelungen, Spieler wie Kevin Steinmann weiterzuentwickeln, oder auch zu alter Stärke zurückzuführen, wie es bei Sven Wieczorek der Fall ist. Außerdem hat er neue Spieler integrieren können, wie Simon Flachsenberger aus der U19, Julian Klauer aus der zweiten Mannschaft oder Philipp Markof, der aus der Kreisliga kam. Dies alles sind Punkte, die uns zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Von der A-Klasse in die Bayernliga

Ähnlich sieht es Markus Geier, den man wohl als einen der großen Gewinner bezeichnen kann. Abgelaufene Saison noch in der A-Klasse im Dress von Kirchlauter, erkämpfte sich Geier den Stammplatz zwischen den Pfosten und setzte sich gegen Stefan Klemm durch, der bereits Bayernligaerfahrung vorweisen kann. "Wir in der Mannschaft haben eigentlich immer an uns geglaubt und haben im Training alles gegeben. Weiterhin war unser Zusammenhalt die ganze Vorrunde extrem gut. Wir haben auch neben dem Fußball viel miteinander unternommen. Da war es meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit, bis wir die Punkte einfahren", sagt Geier.

"Ein Grund, warum ich mich verbessert habe, war auch das Training unseres Coaches Dieter Schlereth und gerade unseres Torwarttrainers, Bernhard Leuner. Auch, dass wir so gut wie immer zu dritt beim Torwarttraining waren, verbessert einen." Mit seinen Torwartkollegen versteht sich Geier prima: "Mit Stefan Klemm und Felix Schneider habe ich ein super Verhältnis, es war ein gesunder und fairer Kampf. Von Stefan konnte ich viel lernen. Er stand immer mit einem Tipp parat. Ab und zu hat er auch ein paar Einheiten übernommen, falls Bernhard verhindert war." Dieser Zusammenhalt sei für den Erfolg des gesamten Teams entscheidend: "Aus diesem Grund bin ich auch überzeugt, dass wir die Klasse halten."

Offensive muss noch zulegen

Wie bereits in der vorangegangenen Spielzeit ist die mangelnde Torgefahr das größte Manko des FC. Die Taktik, den Gegner kommen zu lassen, tief zu stehen und im entscheidenden Moment einen Konter zu fahren, war zum Saisonstart verständlich - der daraus resultierende Erfolg allerdings mäßig. In Bestbesetzung und mit viel leidenschaftlichem und risikofreudigem Offensivfußball können die Sander einiges reißen. Das haben sie vor der Winterpause gezeigt.

Weniger Abwarten, mehr Risiko lautet die Devise. Unheimlich wichtig wird sein, dass die Sander ihren Siegeswillen beibehalten, auch wenn es zu Verletzungen und Ausfälle kommt. Dabei wird es auf junge Spieler ankommen. Simon Flachsenberger ist das beste Beispiel, dass auch unerfahrene Spieler Verantwortung übernehmen können. Die Chance auf den Klassenerhalt ist wieder da, für einen Relegationsplatz sollte es auf jeden Fall reichen. Mehr Mut zum Risiko - oder mit den Worten von Kevin Steinmann: "Wir verkörpern den Dorfklub in der Bayernliga und müssen uns vor niemandem verstecken."