Schillers Kritik schillernd inszeniert
Autor: Redaktion
Ebern, Freitag, 05. Mai 2017
Das Stück "Kabale und Liebe" sorgte für Intrigen und Liebe an der Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule in Ebern
Im Theaterkeller der Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule stellte das Schülerensemble am Donnerstagabend unter der Leitung von Uli Offenwanger sein schauspielerisches Talent unter Beweis. Auf dem Programm stand "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller, der heute sicherlich seine wahre Freude an der Umsetzung seines 1784 entstandenen Trauerspiels gehabt hätte.
Schillers Werk gilt als typisches Beispiel des Sturm und Drang, einer literarischen Strömung der Aufklärung, und zählt heute zu den bedeutendsten deutschen Theaterstücken. Schillers Motiv war ganz deutlich die Menschlichkeit. Kritisiert hat er die politischen Missstände seiner Zeit. So fanden Verschwendungssucht, Soldatenhandel, das Mätressenwesen und Intrigen Einzug in sein Werk.
Bis zur Katastrophe
Individuelle Interessen und subjektive Gefühle sowie die Forderung nach Freiheit gegenüber den Zwängen der Ständegesellschaft sind mächtige Triebfedern für die Figuren und führen schließlich in die Katastrophe. Luise (Anna Steinert), die Tochter des bibelfesten Stadtmusikanten Miller (Jana Hornung), und der junge Major Ferdinand von Walter (Vincent Konstanz), der Sohn des Ministerpräsidenten (Christian Konstanz) lieben einander. Einwände gegen diese Liebe erheben Luises Vater, der befürchtet, dass seine Tochter zur Mätresse Ferdinands werden könnte, und der Präsident, der seinen Sohn mit Lady Milford (Miriam Wever), der Mätresse seines Herzogs, verheiraten will. Als der Schreiber Wurm (Nicolas Schmidt) um Luises Hand anhält und zurückgewiesen wird, erfährt er von der geheimen Liebe zwischen Luise und dem Major. Hier nehmen nun die Intrigen ihren Lauf.
Es durfte auch gelacht werden
Den jungen Schauspielern gelang es, das sowohl sprachlich als auch thematisch anspruchsvolle Drama überzeugend auf der Bühne zu inszenieren und so mancher Fauxpas wurde geschickt von den bereits bühnenerfahrenen Darstellern wegimprovisiert. Dies verlieh der Tragödie zusätzlich spritzigen Esprit, sorgte für Lachsalven und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Die Schüler der 7. bis 10. Klassen überzeugten das Publikum davon, dass sie problemlos in individuelle Rollen schlüpfen können. So wurden Schillers Motive wie Leidenschaft, Stolz, Arroganz, Koketterie und Unschuld gekonnt umgesetzt. Dass die Jugendlichen nicht nur auf der Bühne eine gute Figur machen, zeigte ebenfalls das originell gestaltete Bühnenbild. In freiwilligen Stunden zauberten sie in dem räumlich begrenzten Theaterkeller eine treffliche Kulisse auf die Bühne.
Wahre Talente
"Das Tragische ist, dass alle Schauspieler der zehnten Klassen die Abschlussprüfung bestehen werden und im kommenden Jahr nicht mehr dem Ensemble zur Verfügung stehen werden!" bedauerte Konrektor Florian Schraud. Er erklärte, dass bei einigen erst im letzten Jahr ihrer Realschulzeit das schauspielerische Talent entdeckt worden war. Die Truppe interpretierte Schillers Tragödie neu, verlieh dem Werk aus dem 18. Jahrhundert in Eigenregie neue Akzente und dem Publikum viele unterhaltsame Momente.In weiteren Rollen: Franzi Sperber, Ines Bernhard, Lene Stark (Kammermädchen), Anton Zellmann (Feldmarschall von Kalb), Linda Meier (Mutter Miller), Hannah Ebert (Souffleuse), Justin Devlin (Beleuchtung).