Die Generalsanierung der Trinkwasserversorgung als eines der Zukunftsprojekte der Stadt Eltmann in den nächsten Jahren stellte Bürgermeister Michael Ziegler bei der Stadtratssitzung am Mittwoch in den Blickpunkt. "In der nächsten Woche ist die Submission für die Brunnenanlage I und II und ihre Hochwasserfreilegung sowie für den Neubau des Brunnens II in den Mainauen. Dann wollen wir jedes Jahr Stück für Stück die Wasserversorgungsanlagen sanieren", erläuterte Ziegler.

Über die Schritte der Gesamtsanierung verständigten sich vor kurzem die drei Bürgermeister mit dem Gesundheitsamt und dem Ingenieurbüro sowie mit Wassermeister Markus Scheuring. "Nach meiner Meinung haben wir dabei einen guten Kompromiss gefunden, auch mit der Kalkofenquelle", betonte Ziegler. Nach Einbau der Trübungsmessung und Abschlagsregelung 2011 lägen die ersten Erfahrungen über einen längeren Zeitraum vor.
Dabei habe sich gezeigt, dass die Trübung seit 2011 in sechs Zeitperioden überschritten wurde. Jährlich trete eine erhöhte Trübung bis zu dreimal auf. Sie werde ausgelöst durch Starkregen und Schneeschmelze.

Das Gesundheitsamt wies darauf hin, dass die derzeitige Abschlagsregelung eher eine Übergangsregelung und Notlösung angesehen ist; zumal es die geforderte Desinfektionsanlage noch nicht gibt. Das Gesundheitsamt hält die Klärung des Wassers mit Hilfe einer Ultrafiltrationsanlage und einer nachgeschalteten Desinfektion per UV-Bestrahlung für die betriebssicherste und auf die Zukunft ausgerichtete Aufbereitungsmöglichkeit. Damit ließe sich auch das Keim-Risiko beherrschen, verlautete aus dem Gesundheitsamt.

Kalkofenquelle zweites Standbein

Die Stadt Eltmann will als Auftraggeber den Ball flach halten: Der Bürgermeister erinnerte, dass die Kalk ofenquelle seit Jahrhunderten zur Wasserversorgung genutzt werde und kein Fall von Erkrankung durch Keime bekannt ist. Die Stadt will daher die Quelle weiterhin zur Trinkwasserversorgung nutzen - vor allem als zweites Standbein neben den Brunnen im Maintal.

Die finanziellen Belastungen der Bürger will man durch die Einspeisung des günstigen Quellwassers so gering wie möglich halten. Die Stadt will das (teure) Pumpen des Quellwassers möglichst vermeiden.
Kommt es zu einer Ultrafiltration wäre eine Zwischenförderung nötig. Die dauerhafte Desinfektion mit chlorbasierenden Stoffen wollen Stadt und Ingenieurbüro vermeiden.

Vor diesem Hintergrund ergab sich die Lösung für die Kalkofenquelle: Das Rohwasser der Quelle wird künftig ab einer höheren Trübung (über 0,2 FNU) abgeleitet und desinfiziert mittels UV-Bestrahlung. Die nutzbare Quellschüttung nimmt zwar ab, aber die Stadt rechnet weiter mit 100 000 Kubikmetern im Jahr, die als Trinkwasser genutzt werden können. Schon jetzt istdie Quellnutzung auf diesen genehmigten Wert gedrosselt. 2014 wurden bisher bereits 80 000 Kubikmeter eingespeist.

Bürgermeister Michael Ziegler stellte heraus, dass die verschiedenen Schritte zur Generalsanierung der Trinkwasserversorgung abgesprochen seien. "Jetzt starten wie erst einmal mit den Brunnen. Auch der Hochbehälter muss saniert oder neu gebaut werden und danach stehe auch noch die Aufbereitungsanlage an. Wir wollen dies alles Stück für Stück angehen."

Zur Geschichte der Wasserversorgung in Eltmann

Die erste städtische Wasserleitung gab es in den Jahren 1905 bis 1909. Bis dahin erfolgte die Wasserversorgung der Stadt durch öffentliche Brunnen, die von mehreren Quellen gespeist wurden. 1965/66 stellte man Berechnungen des Wasserverbrauchs an und hielt die Erschließung neuer Brunnen und eine Sanierung der gesamten Wasserversorgungsanlage für unumgänglich. Die Schwerpunkte lagen auf der Erschließung von zwei weiteren Brunnen, dem Bau eines Maschinenhauses mit Wasseraufbereitung, der Errichtung eines Überhebepumpwerkes mit eigenem Hochbehälter für die Hochzonen der Stadt, die Verlegung neuer Verbindungsleitungen zu den Hochbehältern sowie der Sanierung des Ortsnetzes in der Altstadt.

Leitungsbau nach Roßstadt

1980 fand die Einweihung der Wassersaufbereitungsanlage an der Bamberger Straße statt. 1985 wurde die Generalsanierung der Anlagen in den Stadtteilen in Angriff genommen. Als erste Maßnahme wurde eine Trinkwasserleitung von Eltmann nach Roßstadt verlegt sowie die Trinkwasserleitung im Stadtteil Dippach saniert. 1987/88 ging man an die Verlegung der Anschlüsse nach Weisbrunn und Lembach und an den Bau neuer Hochbehälter.

Kalkofenquelle einst und heute


"Das Trinkwasser ist unser höchstes Gut, und dafür muss etwas getan werden", sagte ein älterer Eltmänner im Gespräch mit unserer Zeitung unterhalb des Wahrzeichens der Wallburg in Sichtweite des Hochbehälters. Dass die Eltmanner diese Kalkofenquelle auch weiter nutzen und nicht aufgeben wollen, ist möglicherweise auch in ihrer Geschichte begründet.

Auch heute findet man neben der Wallburg noch einen Brunnenschacht, der jedoch nur einige Meter in die Tiefe geht. Wie Heimatforscher Willi Lediger meint, soll er aber einmal um die 30 Meter tief gewesen sein. Natürlich wäre man damit nicht auf die Grundwasserschichten vorgedrungen. Deswegen habe man im Falle der Wallburg die Kalkofenquelle vom Hügel gegenüber angezapft und mit einem Röhrensystem in den Wallberg geleitet. Die Anlage dieser Wasserleitung hatte aber unter größter Geheimhaltung erfolgen müssen, damit im Falle einer Belagerung der Feind die lebenswichtige Verbindung nicht kappen konnte. Doch nach einer Sage soll bei einer Belagerung ein Feind mit Hilfe eines blinden Pferdes die Wasserleitung gefunden haben, weil man dem armen Tier zuvor drei Tage lang kein Wasser gegeben hatte. Auf diese Weise sei die Burg ausgeliefert gewesen, geplündert und teilweise verbrannt worden.

Auch heute noch bekommen die Eltmänner ihr Wasser aus dieser Kalkofenquelle im Wald Richtung Trossenfurt und wollen es nicht missen. Den überwiegenden Teil gewinnt man aber aus mehreren Brunnen im Maintal.
Sie liegen zwischen Bundesstraße 26 und dem Main. In der Aufbereitungsanlage nahe dem Eltmanner Sportgelände wird dann das Wasser gemischt und in das Versorgungsgebiet eingespeist.

Weitere Themen in der Sitzung des Stadtrats am Mittwoch

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