Regt sich Widerstand gegen das geplante Tierheim in Zell?
Autor: Andreas Lösch
Zell am Ebersberg, Montag, 19. Mai 2014
Der Kreis Haßberge will ein Tierheim bauen und hat in Zell das passende Grundstück gefunden. Angeblich gibt es Protest in der Bevölkerung, von einer Unterschriftensammlung und Flyern ist die Rede. Protest jedoch schaut anders aus.
Immer wenn gemunkelt wird, setzt das Stille-Post-Prinzip ein: Irgendeine Art von Information erreicht den Adressaten, der braucht nur ein Wort falsch zu verstehen oder gar mutwillig etwas dazuzudichten und schon kommt dem Nächsten in der Informationskette eine ganz andere Geschichte zu Ohr. Und so setzt sich das dann fort.
An die Redaktion des Fränkischen Tags wurde die Information herangetragen, dass sich die Bürger in Zell gegen den geplanten Tierheim-Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnrei Krämer aussprechen. Ist da was dran? So war zum Beispiel von einer Unterschriftenliste die Rede, mit der die Zeller ihren Protest gegen das Vorhaben ausdrücken.
Bürger werden informiert
"Es gab angeblich eine Unterschriftensammlung", sagt Stefan Paulus, der Bürgermeister von Knetzgau, über die Vorgänge in dem Knetzgauer Gemeindeteil. Konkreter wird er nicht. Zu dem Thema Tierheim will er sich erst am kommenden Montag (26. Mai) ausführlicher äußern. Da nämlich ist eine Informationsveranstaltung zu dem Projekt geplant (Beginn um 18 Uhr im Sportheim des TSV Zell). Aus den Gesprächen mit Zeller Bürgern habe er erfahren, dass es Bedenken gebe, dass das Tierheim zu nah am Ort gebaut wird. So glaubt er durchaus, "dass ein paar Ängste da sind". Aber von Widerstand oder Protest spricht Paulus (CWG, SPD) nicht. "Die Zeller haben das Gefühl, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird", sagt er.
Damit liegt das Gemeindeoberhaupt nicht ganz verkehrt. Die besagte Unterschriftenaktion jedenfalls zielte genau darauf ab: die Zeller sammelten Unterschriften, um ihrer Forderung gegenüber den Kommunalpolitikern Nachdruck zu verleihen, mehr Informationen über das geplante Vorhaben zu erhalten. So erklärt es zumindest Nicole Mantel, die die Liste unterschrieben hat, dem Fränkischen Tag. Sie wohnt mit ihrer Familie am Ortsrand von Zell, das Grundstück der ehemaligen Gärtnerei liegt etwa 500 Meter von ihrem Haus entfernt.
Von einer Protestaktion könne aber nicht die Rede sein. "Ich habe ja extra nachgefragt, für was ich da unterschreibe", sagt sie. Die von Zeller Bürgern gestartete Aktion forderte die Verantwortlichen auf, mehr Informationen zu dem Bauvorhaben zu liefern. Denn der Landkreis Haßberge hatte das Grundstück der ehemaligen Gärtnerei erworben und die Zeller dann vor vollendete Tatsachen gestellt, sinngemäß: Wir bauen da jetzt mal ein Tierheim hin, klar?
"Ich sehe da kein Problem"
Ob das prinzipiell ein Problem sei, ein Tierheim in Zell? Für Nicole Mantel jedenfalls nicht. "Nein, ich sehe da kein Problem." Und auch aus Gesprächen mit Nachbarn und anderen Zeller Bürgern habe sie keinen Widerstand feststellen können. Ebenfalls die Rede war von einem Flyer, den Bürgermeister Stefan Paulus an die Zeller Bürger verteilt haben soll. Ja, den gab es, bestätigt Nicole Mantel. Er enthielt die Information, dass das Gärtnerei-Grundstück zwecks Tierheim-Neubau an den Landkreis verkauft worden ist und dass es zeitnah eine Informationsveranstaltung für die Bürger dazu geben werde. So, wie sie das Schreiben verstanden hat, war das "kein Aufruf zum Protest", sagt die 34-Jährige. Aus ihrer Sicht und als betroffene Anwohnerin jedenfalls spreche nichts gegen den geplanten Tierheim-Neubau bei Zell.
Ihr Nachbar Frank Klüh sieht das auch so. "Ich bin nicht gegen das Tierheim." Es sei schließlich mehrere 100 Meter vom bewohnten Gebiet entfernt. "Das geht doch", findet der 41-Jährige. Wegen möglicher Lärmbelästigung durch dort betreute Tiere macht er sich keine Sorgen. "Die Autos, die bei uns durch die Ortschaft fahren, sind vermutlich lauter."
Besser informieren
Für Monika Göhr, die Pressesprecherin des Landkreises Haßberge, sieht Widerstand gegen das geplante Tierheim jedenfalls anders aus. "Ich glaube, es geht jetzt erstmal darum, dass man informiert, was da geplant ist", sagt sie. Womöglich habe der ein oder andere ein falsche Vorstellung von der Umsetzung des Vorhabens. "Da wurde viel falsch interpretiert." Die Veranstaltung am kommenden Montag soll offene Fragen beantworten, damit den Bürgern klar wird, "dass sie keine Angst haben brauchen". Seit Jahren ist der Landkreis Haßberge auf der Suche nach einem Standort für ein neues Tierheim. Bis 2011 betreute der Tierschutzverein Haßfurt in einer Unterkunft im Osten von Haßfurt die Fundtiere. Wegen untragbarer Zustände schloss das Veterinäramt das Tierheim. Die Betreiber waren mit der Aufgabe offenbar völlig überfordert.
Fundtierbetreuung lange ungelöst
Die Tierschutzinitiative Haßberge mit Sitz in Oberschwappach sprang ein. Sie kümmerte sich um die Fundtiere, verlängerte aber 2012 den Vertrag mit dem Landkreis nicht, weil das private Grundstück im Knetzgauer Gemeindeteil nicht dauerhaft geeignet war. Die Fundtierbetreuung wurde dann meist provisorisch von den Kommunen übernommen.
Der Kreis und die 26 Kommunen waren sich schon immer einig, dass die ein eigenes Tierheim brauchen. Nur: Die Finanzierung ist nicht einfach, und ein Standort fehlte. Das bisherige Tierheim in Haßfurt kam nicht mehr in Frage. Jetzt sind beide offenen Fragen gelöst. Das auf 1,2 Millionen Euro Kosten geschätzte Tierheim bauen Kreis und Gemeinden. Eine Million Euro steuern die Kommunen bei, den Rest der Landkreis. Betreiber soll die Tierschutzinitiative Haßberge werden.