Pferd Julchen wurde im Kreis Haßberge wieder aufgepäppelt
Autor: Andreas Lösch
Oberschwappach, Montag, 11. Januar 2016
Über 300 Tiere wurden im vergangenen Jahr von der Tierschutzinitiative Haßberge in Oberschwappach versorgt, darunter Pferd Julchen. Auf Privatgrund, weil ein Tierheim fehlt, und ehrenamtlich. Dafür gab es einen Staatspreis.
Das Pferd Julchen war bislang einer der größten Brocken für die Tierschutzinitiative (TI) Haßberge. Wobei das Tier dieser Beschreibung kaum gerecht wird, betrachtet man seinen Zustand, als es im Mai 2015 auf den Hof von Britta Merkel in Oberschwappach kam.
Die Vorsitzende der TI und ihre Stellvertreterin Karin Kraus wurden damals vom Landratsamt des Landkreises Haßberge um Hilfe gebeten, nachdem in einem Ort im Steigerwald ein Pferd, eine Ziege, ein Schaf und ein Esel beschlagnahmt worden sind, allesamt in erbärmlichem Zustand. Karin Kraus erinnert sich: "Das Pferd war nur noch Haut und Knochen." Für die Ziege kam laut TI die Hilfe "leider zu spät". Den anderen Tieren gehe es wieder gut, Julchen hat wieder Kraft. Merkel, die das Pferd aufgepäppelt hat, hofft, dass "Julchen im kommenden Frühjahr soweit ist, dass gegebenenfalls ein neues Zuhause gesucht werden kann".
Über 300 Tiere wurden nach Angaben der TI im Jahr 2015 in Oberschwappach versorgt, von Singvögeln, über Igel, von Schlangen bis hin zum Pferd, "war alles dabei", erinnert sich Kraus. Langweilig werde es den Helfern nie, "jeden Tag gibt's was zu berichten", sagte sie dem Fränkischen Tag. Wohlgemerkt passiert das alles noch immer ohne ein Tierheim im Kreis Haßberge.
Baubeginn im Februar
Denn das damalige Tierheim in Haßfurt wurde 2011 vom Veterinäramt geschlossen. Grund: gravierende bauliche Mängel und schlecht versorgte Tiere. Nach langer Suche hat das Landratsamt einen neuen Standort gefunden: Zwischen Knetzgau und Zell am Ebersberg soll ein Tierheim gebaut werden, die Fertigstellung ist nach Angaben von Monika Göhr, Pressesprecherin des Landratsamtes, für Dezember dieses Jahres geplant. "Die Trinkwasserversorgungsleitung soll ab Anfang Februar verlegt werden", teilt Göhr mit. Die Erdarbeiten sollen ab Mitte Februar beginnen, "sofern es keinen starken Wintereinbruch mehr gibt". Nach dem Stand der aktuellen Planung werden die Kosten für das gesamte Projekt 1,67 Millionen Euro betragen. Die Tierschutzinitiative war laut Landratsamt zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund "in Bezug auf die Grundrissgestaltung sowie eines funktionalen späteren Arbeitsablaufes seit Beginn der Planung mit einbezogen". Die TI bestätigt das.Bis das Tierheim in Betrieb genommen wird, wird die so genannte Fundtierbetreuung weiter auf mehrere Schultern verteilt. Die TI nutzt dabei ihre Kontakte zu den Tierheimen im Umkreis, die in den vergangenen Jahren viele Fundtiere aus dem Kreis Haßberge aufgenommen haben. Im Februar des vergangenen Jahres etwa wurden 28 verwahrloste Perserkatzen aus einem Haushalt in Ebern geholt.
"Dank der guten Zusammenarbeit mit den umliegenden Tierheimen gelang es, die Tiere gut unterzubringen", berichtet die TI in ihrer Jahresbilanz. Ein Teil der Katzen wurde in Oberschwappach gepflegt. Mittlerweile seien alle 28 Tiere bei neuen Besitzern untergekommen. Wenn es die Tierschützer um Kraus und Merkel mit Exoten wie Schlangen, Schildkröten oder Bartagamen zu tun bekommen, bewerkstelligen sie eine Notversorgung und arbeiten dann zum Beispiel mit der Reptilienauffangstation in München oder auch in Kitzingen (Spezialgebiet Landschildkröten) zusammen.