Nicht nur Bauunternehmer aus der Region sind zufrieden mit der Auftragslage

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Der Jugendchor "Cantarella" aus Eltmann setzte musikalische Akzente beim Empfang der Kreishandwerkerschaft in Eltmann. Fotos: cr
Der Jugendchor "Cantarella" aus Eltmann setzte musikalische Akzente beim Empfang der Kreishandwerkerschaft in Eltmann.  Fotos: cr
"Das Handwerk ist stark" bekräftigten Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler, Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner, Landrat Wilhelm Schneider, Handwerkskammer-Vizepräsident Michael Bissert und der SPD-Abgeordnete Volkmar Halbleib (von links) beim Neujahrsempfang.
"Das Handwerk ist stark" bekräftigten Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler, Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner, Landrat Wilhelm Schneider, Handwerkskammer-Vizepräsident Michael Bissert und der SPD-Abgeordnete Volkmar Halbleib (von links) beim Neujahrsempfang.
 

Selbstbewusst präsentierte sich die Kreishandwerkerschaft in Eltmann - doch auch Probleme wurden angegangen.

"Das Handwerk bildet das Fundament fürs Leben." Das unterstrich Volkmar Halbleib (SPD), parlamentarischer Geschäftsführer im bayerischen Landtag, beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft im Klenze-Saal in Eltmann. Vertreter aus Handwerk, Wirtschaft, Politik, Schulen, Banken und von Dienstleistern wohnten der Feierstunde bei, auf die der Eltmanner Jugendchor "Cantarella" einstimmte.
"Ich bin mit der Auftragslage sehr zufrieden", meinte bei der Gelegenheit am Rande Norbert Krauser, Bauunternehmer aus Oberhohenried. Nicht nur der Bauunternehmer, sondern viele andere Handwerksbetriebe können laut Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner "auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken".
Der Landkreis Haßberge liege nahezu genau im Bundestrend: Bei gleich bleibender Beschäftigungszahl erhöhte sich der Umsatz im Landkreis um etwa ein Prozent auf 670 Millionen Euro, wie Häfner ausführte.
Die Fundamente des Aufschwungs bildeten der lebhafte Wohnungsbau und der stabile Konsumzuwachs. Bei geringer Inflation waren die Jobs sicher und die Einkommen legten spürbar zu. Zusätzliche Dynamik erhielt die Handwerkskonjunktur durch das niedrige Zinsniveau.


Fachkräftemangel und Wandel

Dennoch würden laut Häfner viele Herausforderungen vor dem Handwerk liegen: Eine Fachkräftelücke und ein Struktur- und demografischer Wandel, der technische Fortschritt mit seiner Digitalisierung und eine Zunahme der Bürokratie sind nur einige der Faktoren, mit denen viele Betriebe konfrontiert sind. Die Prognosen für 2017 würden mit einem Auftragsplus von 1,3 Prozent für sich sprechen. Die Zukunft würde im Handwerk liegen, gut ausgebildete Fachkräfte hätten ideale Perspektiven. Dennoch müsse man einiges tun, um den Rekordwert von momentan 43,55 Millionen Erwerbstätigen auf die Prognose für 2017 (43,95 Millionen) zu steigern. Zuwanderer könnten laut Häfner den Fachkräftemangel nicht auf die Schnelle beseitigen. Umso mehr sei es wichtig, für jeden Jugendlichen die passende schulische und berufliche Ausbildung zu ermöglichen.


Handwerk statt Merkel

Landrat Wilhelm Schneider konnte mit positiven Nachrichten trumpfen - er hätte zwar parallel zum Diözesanempfang nach Würzburg mit Bundeskanzlerin Angela Merkl gehen können, hatte sich aber für die Kreishandwerkerschaft entschieden, weil ihm der Kontakt zu den Handwerksbetrieben sehr am Herzen liegt: "Der Landkreis Haßberge steht nicht schlecht da und wir sind weiterhin auf einem guten Weg".
Die Arbeitslosenzahl lag im Dezember bei 2,8 Prozent, was so viel wie Vollbeschäftigung bedeutet. Handel, Gewerbe und Handwerk hätten gute Umsätze erzielt, die Auftragsbücher der meisten Unternehmen wären gut gefüllt.
Schneider verwies auf wichtige Projekte, wie etwa die Fertigstellung der Generalsanierung der Wallburg-Realschule in Eltmann, die den Standort Haßberge stärke und mehr Lebensqualität biete. In die Infrastruktur, den Breitbandausbau, den Straßenbau und in die Bildung werde weiterhin investiert. Über 60 Mio. Euro fließen in den nächsten Jahren in den Aus- und Neubau der Schulgebäude im Kreis, unter anderem in die Generalsanierung der Heinrich-Thein-Berufsschule in Haßfurt. Für die fundamental wichtige Aufgabe, die Zukunft der Haßberg-Kliniken, müsse noch nach einer Lösung gesucht werden.
Schneider ging zudem auf die Integration der Flüchtlinge im Kreis ein. Hinsichtlich der demografischen Entwicklung würde der Landrat die Integration als kleine Chance sehen, den drohenden Fachkräftemangel teilweise entgegen zu wirken. Es sei wichtig, gemeinsam daran zu arbeiten, um das Image der Handwerksberufe zu verbessern. In den Köpfen der Gesellschaft müsste man das Bewusstsein fördern, dass ein Land nicht nur von Akademikern leben könne.


Erfolgreiche Nachwuchswerbung

"Das Handwerk ist stark - in vielerlei Hinsicht", unterstrich Michael Bissert, Vize-Präsident der Handwerkskammer Unterfranken in seinen Grußworten. Erfreulicherweise hatte man mit einem Plus von 2,3 Prozent im zweiten Jahr in Folge in Unterfranken wieder mehr Auszubildende. Die Deutschland- und bayernweiten Kampagnen für regionale Nachwuchswerbung hätten sich laut Bissert gelohnt. Im Landkreis Haßberge hatten 211 junge Menschen (ein Plus von 12,8 Prozent) im Jahr 2016 eine Ausbildung im Handwerk begonnen. Die Lösungsquote von Vertragsauflösungen sei in Unterfranken mit 9,9 Prozent eher gering gewesen. Der Dank Bisserts galt allen Ausbildungsbetrieben. Er sei sich sicher, dass man gemeinsam das unterfränkische Handwerk weiterhin auf einem gutem Kurs halten könne. "Kaufen sie weiterhin ihr Brot beim Bäcker, und die Wurst beim Metzger", gab Bissert den Gästen mit auf den Weg.
Denn wie der Hausherr, Bürgermeister Michael Ziegler, anhand einer Geschichte über einen wahren Schatz berichtete, der nicht aus Gold ist, sei es zum Überleben wichtig, dass es auch etwas Essbares gibt. In seiner Laudatio stellte Volkmar Halbleib ein Zitat von Walter Rathenau in den Mittelpunkt: "Weniger Rede, mehr Gedanken, weniger Interessen, mehr Gemeinsinn." Der Sozialdemokrat unterstrich, dass Handwerk und SPD gut zusammenpassen würden und so wären ihm persönlich die Anliegen des Handwerks sehr wichtig. Das Handwerk würde mit rund einer Million meist inhabergeführten Betrieben, mit über fünf Millionen Beschäftigten und 300 000 Auszubildenden einen zentralen Beitrag zu Wohlstand und Beschäftigung leisten.
Der Abgeordnete ging als großes Thema der letzten Jahre auf wirtschaftspolitische Herausforderungen ein. Die Wirtschaftskrise hätte vor Augen geführt, dass man die Realwirtschaft ein Stück weit aus den Augen verloren hätte. Der Fachkräftemangel sei eine der größten wirtschaftlichen Herausforderungen, wie der Jurist weiter ausführte. Der Beitrag des Handwerks zur Berufsausbildung junger Menschen könne gar nicht überschätzt werden. Sein Dank galt vor allem den Betrieben und Ausbildern. Als Erfolgsmodell stellte Halbleib die duale Ausbildung in den Fokus. "Die Region braucht ein starkes Handwerk", bekräftigte der Politiker. Das Handwerk brauche aber auch eine starke Region. Schieflagen müssten angegangen und das Potential im ländlichen Raum gestärkt werden.