Der Marktsaal glich am Wochenende - dem Faschingsmotto getreu - dem Wilden Westen. Cowboys, Sheriffs und Indianer von Klein bis Groß und wohin das Auge reichte, sowie ein tolles Bühnenbild, das Westernstimmung aufkommen ließ. Über fünf Stunden Programm erwartete die Faschingsnarren im Publikum.

Kurz nach 19 Uhr eröffneten die Sechserräte Mathias Sperber (Rentweinsdorf), Steffen Neubauer, Oliver Stark, Kurt Schorn, Sarah Schmidtlien und Matthias Sperber (Sendelbach), die auf ihren (Stecken-) Pferden in den Marktsaal ritten, quasi das Schlachtfeld. Dabei kam auch gleich ein kleiner (Plüsch-) Hund zu Tode. "Wenn du nichts triffst, einen Hund triffst du immer" spielte ein Sechserrat auf einen Vorfall in der Gemeinde vor einigen Jahren an. Doch Dank eines Ouzo vom ortsansässigen Griechen konnten die wild gewordenen Sechserräte das Hündchen wiederbeleben.


Das Flopmdel


"Die Ahnungslosen" vom Damenstammtisch Rentweinsdorf suchten heuer "Rentweinsdorfs next Flopmodel". Schon die Art und Weise, wie die Jurymitglieder Bruce Darnell, Heidi Klum und Jorge Gonzàlez nachgespielt wurden, sorgte für Lachattacken beim Publikum. Auch als die Kandidaten auf die Bühne traten verfielen die Zuschauer in Gelächter: Hexe, betrunkenes Rotkäppchen, das sich in diesem Zustand "Blaukäppchen" nennt, stinkender Zwerg, Frosch, Scheich, Schlangenbeschwörer, Bauchtänzerin oder Santa Maria, der Bruder von Santa Claus. Letztendlich kommt der reizende Indianer Winnetouch weiter und schafft es durch sein Foto-Shooting sogar auf die Titelseite des Mitteilungsblattes der VG Ebern.

Viel Werbung bekam das Publikum beim Sketch der "Spezialisten" zu sehen. So versprach die Einleitung "Bonanza in vier Akten". Schnell wurde klar, dass nicht die eigentliche Handlung im Mittelpunkt stehen sollte, sondern die extravaganten Werbeunterbrechungen, die beim Publikum für ausgelassene Lachattacken sorgten. So etwa die für den Schokoriegel "Snickers", den ein Akteur auf dem stillen Örtchen in die Schüssel presst, oder für Carglass, wobei die Scheibe im Nachhinein noch mehr kaputt ist, als zuvor.


"Ein Zug, und die bist weg"

Wiener Würstchen von Deutschländer werden mit dem Slogan "Deutschländer, vom Würstchen die Reste" beworben. Die Zigaretten von Marlboro seien schließlich so gefährlich wie Bahnübergänge: "Ein Zug, und du bist weg". Nach den Werbeunterbrechungen kam schließlich die eigentliche Handlung zum Ende, bei der aus der verbotenen Stadt Ebern zwei Rindviecher geholt werden sollen. Little John und sein Kumpan kamen jedoch mit zwei Polizisten zurück. Schließlich wurde das Wortspiel aufgelöst: "Ihr solltet doch Rindviecher holen und keine Bullen".

Ein Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Männerballetts. Die "Dirty Westerngirls" erklommen die Bühne und räkelten sich an einem Cowboy. Schon alleine das Outfit brachte das Publikum zum Toben und wurde von den zum Teil recht halsbrecherischen Tanzeinlagen noch getoppt.

Doch neben dem Männerballett gab es noch andere Auftritte mit viel Bewegung und Schwung. Die Rentweinsdorfer Prinzengarden I und II überzeugten das Publikum mit ihrem Gardetanz. Abermals stellten die Mädels ihr Takt- und Rhythmusgefühl unter Beweis und sorgten für schön anzuschauende Figuren auf der Bühne.


Schon mit fünf Jahren auf der Bühne"

Die Herzen des Publikums eroberte die Kindertanzgruppe im Sturm, als die 14 Mädchen aus dem Wilden Westen ihr Lasso rausholten und Cowboy und Indianer spielten. Die wild gewordenen Mädels wuselten über die Bühne und brachten ihren einstudierten Tanz auf das Parkett. Die jüngste Tänzerin unter ihnen ist Lila Stark mit gerade einmal fünf Jahren.

Einen atemberaubenden Tanz legte auch das Funkenmariechen Xenia Nüsslein aus Breitengüßbach auf das Parkett. Schon seit zehn Jahren tanzt sie in der Garde und ist nun seit zwei Jahren Funkenmariechen.

In einen Mantel dick eingepackt waren zunächst die Mädels von der Showtanzgarde Heubach, als sie zum Hüttentraum auf die Bühne stiegen. Doch es dauerte nicht lange und sie ließen die Hüllen fallen und sorgten mit tollen Kostümen und schwungvollen Tanzschritten und Figuren für ausgelassene Stimmung und auch der Showtanz der Rentweinsdorfer Prinzengarde I kam zum Abschluss des Programms richtig gut an und sorgte nochmals für einen Höhepunkt des Abends.


Das Kasperletheater


Einen tollen Beitrag, der zwar lustig war, aber dennoch zum Nachdenken anregte, lieferten die beiden Gastspieler Cathrin und Bernd Geiser aus der Nachbargemeinde Reckendorf, die auch im letzten Jahr schon auf der Rentweinsdorfer Bühne standen. Im "Deutschen Kasperletheater" traten politische Figuren wie Angela Merkel oder Sarah Wagenknecht vor den Vorhang und lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch, so dass schließlich der Teufel los war, obwohl doch Einheit herrschen sollte.

Die Jamaikakappe konnte letztendlich auch weggeworfen werden. "Der Bundestag ist aufgebläht, da zählt wohl Masse und nicht Qualität." Schließlich wechselten Cathrin und Bernd Geiser den Schauplatz vom Kasperletheater zum "Zirkus Mondial", wo weltpolitische Themen auf dem Programm standen. Am Ende kamen sie zu dem Entschluss: "Bevor wir unsere Rakete zünden, werden wir den Trump draufbinden".


Die Story vom Maibaumklau

Die "Treinfelder Dorfdeppen" hatten heuer ihre Alexa dabei: Eine Blechtonne, die auf Zuruf Fragen beantwortet. Aber auch eine Friedenspfeife hatten sie im Gepäck - aus echtem Eberner Maibaumholz. So erzählten sie ausführlich vom letzten Maibaumklau und kündigten an, dass sie ihn sich heuer zum dritten Mal holen werden. Außerdem kam heraus, dass die Rentweinsdorfer bei den Bunten Abenden in Ebern im vergangenen Jahr eine Fahne mitgehen ließen. Die Freunde und Helfer der Eberner Feuerwehr hätten sogar geholfen.

Für viele Lacher sorgte die Bütt des Rentweinsdorfer Prinzenpaares. Hierbei musste Prinzessin Julia II. (Leicht) als "Reingschleifte" zum Rentweinsdorfer Einbürgerungstest antreten. Sie wurde von Prinz Steffen II. (Kropp) mit Fragen zu Geschehnissen in der Gemeinde gelöchert. So ist das Rentweinsdorfer Stammesoberhaupt "Häuptling kalter Hund", ebenso Stammesführer der Rothäute. Nicht nur der Rentweinsdorfer Bürgermeister Willi Sendelbeck (SPD) und seine Gemeinderäte, sondern auch die Nachbarn aus Ebern mussten einiges einstecken.

Bei der Bütt von Sechserratsmitglied Kurt Schorn sorgten Witze und Wortdreher für Lacher. "Kommt ein Cowboy vom Frisör heraus: Pony weg". Doch auch so mancher Kollege vom Sechserrat wurde auf die Schippe genommen. So sei beispielsweise eine Glatze FKK auf höchstem Niveau.


Weil Vater eh nie zu Wort kommt

Mathias und Sabine Sperber und Steffen und Stefanie Neubauer mit Sohn traten zusammen mit Keno Stark als "The Boss" auf und stellten das Leben zweier Indianerfamilien dar, wo das Kind brav seinen Wigwam aufräumt und Muttersprache Muttersprache heißt, weil der Vater eh nie zu Wort kommt.

Deshalb werden die beiden Frauen gleich einmal an den Marterpfahl gefesselt und geknebelt. Bei diesem Sketch wurden Geschehnisse in der Marktgemeinde und darüber hinaus auf die Schippe genommen. So etwa, dass sich die Eberner schon wieder den Maibaum von den Treinfeldern haben klauen lassen und auch die Ungereimtheiten um den Rentweinsdorfer Weihnachtsmarkt und die Auflagen für den Eberner Faschingszug sprachen sie an. Schließlich durfte ein nachträgliches Geburtstagslied für Bürgermeister Willi Sendelbeck nicht fehlen. Doch dabei bekam auch er sein Fett weg.