Ludwig Leisentritt gibt Steuer ab

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Die Zeiler SPD und ihre bekannten Gesichter (von links): Heiner Schneier, Helmut Trautner, die neue Erste Vorsitzende Johanna Bamberg-Reinwand, der bisherige Vorsitzende Ludwig Leisentritt sowie Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann.
Die Zeiler SPD und ihre bekannten Gesichter (von links): Heiner Schneier, Helmut Trautner, die neue Erste Vorsitzende Johanna Bamberg-Reinwand, der bisherige Vorsitzende Ludwig Leisentritt sowie Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann.

Nach 31 Jahren hat die Zeiler SPD, der älteste Ortsverein im Landkreis, eine neue Führungsspitze. Mit der 32-jährigen Johanna Bamberg-Reinwand beriefen die Mitglieder erstmals eine Frau in den Vorsitz.

In ihrer Mitgliederversammlung hat die Zeiler SPD einen Generationswechsel vollzogen. Ludwig Leisentritt gab sein Amt als Erster Vorsitzender des Ortsvereins in jüngere Hände. Neue Vorsitzende ist Johanna Bamberg-Reinwand. Mit der 32-Jährigen hat die Zeiler SPD erstmals in ihrer 106-jährigen Geschichte eine Frau an der Spitze.

Groß war wegen des Führungswechsels das Interesse der Mitglieder des ältesten Ortsvereins der Sozialdemokraten im Landkreis Haßberge, wie die Partei informierte. Die Tagung fand im "Plauderstübchen" des neu eröffneten Pflegeheims der Arbeiterwohlfahrt statt.

Der scheidende Vorsitzende kann auf eine lange und ereignisreiche Zeit als Vorsitzender zurückblicken: Im Jahr 1982 übernahm er den Vorsitz des Ortsvereins aus den Händen von Wolfgang Schmitt, der als Lehrer nach Lendershausen umgezogen war. 1#googleAds#100x100 Während seiner Amtszeit hatten 27 Wahlen stattgefunden, darunter 2010 die Bürgermeisterwahl, die der größte Erfolg in der nunmehr 106 Jahre alten Geschichte der Zeiler SPD darstelle, wie Leisentritt sagte. Mit Thomas Stadelmann wurde ein SPD-Mitglied neues Stadtoberhaupt.
Die politische Kultur, so Leisentritt, habe sich in den Jahren seiner Amtszeit enorm verändert. Die Zahl der Wähler, die auf Gedeih und Verderb ihrer angestammten Partei stets treu bleiben, gehe zurück. Die Orientierung für eine bestimmte Partei werde heute in großem Maß über die Medien bestimmt. Ein falscher Zungenschlag eines Spitzenpolitikers sei von der sogenannten Basis kaum noch zu heilen oder gut zu machen.

Stagnation bedauert

Insgesamt habe in weiten Teilen der Bevölkerung ein Rückzug ins Private eingesetzt. Großorganisationen wie Gewerkschaften, Kirchen und Parteien müssten Einbußen und Ansehensverluste hinnehmen. Während deren Mitglieder ständig abnähmen oder stagnierten, verfüge zum Beispiel der Sozialverband VdK mit 5800 Mitgliedern im Kreis Haßberge über mehr als doppelt so viele Mitglieder wie alle im Kreis etablierten Parteien zusammen.

Der scheidende Vorsitzende des Ortsvereins zitierte den späteren SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der 1962 bei seinem Auftritt im Zeiler Göllersaal das Folgende sagte: "Die Demokratie lebt so lange, wie Demokraten vorhanden sind und sich die Staatsbürger um ihren Staat kümmern."

Leisentritt, der noch knapp ein Jahr als Vorsitzender der Stadtratsfraktion fungieren wird, hob das gute Klima im Zeiler Stadtrat hervor. Die bald zu Ende gehende Legislaturperiode sei gekennzeichnet von Fairness und konstruktiver Arbeit über die Parteigrenzen hinweg. Er wünschte sich für die Kommunalwahl am 16. März 2014 weniger einen Wahlkampf gegen jemanden, als vielmehr einen Wettstreit für eigene Ziele und Konzepte. Dies wäre dann auch ein guter Einstieg in eine erfolgreiche Stadtratsarbeit in den bevorstehenden Jahren. meinte das SPD-Urgestein.

Das Gesicht der Zeiler SPD

Der Redner dankte allen Weggefährten, die ihn während seiner Amtszeit unterstützt haben, besonders seinem Stellvertreter Helmut Trautner, der bereits in dieser Funktion diente, als er den Vorsitz übernahm. Weiter hob Leisentritt Erhard Schlegelmilch und Heiner Schneier hervor.
Bürgermeister Thomas Stadelmann würdigte stellvertretend für die Mitglieder den scheidenden Vorsitzenden für sein jahrzehntelanges Engagement für die SPD-Ortsverein. Ludwig Leisentritt sei das Gesicht der Zeiler SPD. Ohne sein sachliches und unermüdliches Wirken über Parteigrenzen hinaus wäre die Zeiler SPD heute nicht da, wo sie steht.

In dem Jahr, in dem Ludwig Leisentritt den Vorsitz übernahm, wurde die Kandidatin für seine Nachfolge, Johanna Bamberg-Reinwand, in Aschaffenburg geboren. Das Soziologiestudium lockte sie nach Bamberg, wo sie nach wie vor an der Universität als Referentin der Frauenbeauftragten arbeitet.
Gemeinsam mit ihrem aus Stettfeld stammenden Mann entschloss sie sich im November 2010, nach Zeil zu ziehen: "Ich mochte die Stadt schon immer", begründete sie ihre Entscheidung, "und ich habe mich vom ersten Tag an hier wohl gefühlt". Deshalb stand für sie auch bald fest, dass sie sich engagieren möchte. "In Bamberg war wenig Raum für Parteiarbeit. Hier habe ich das Gefühl, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um Zeil für alle Einwohnerinnen und Einwohner attraktiv zu gestalten. Auch ich möchte meinen Teil dazu beitragen", sagte sie.
Seit 2002 ist Bamberg-Reinwand Mitglied der SPD, seit zwei Jahren gehört sie dem Vorstand des Zeiler Ortsvereins an. "Ich freue mich auf die neue Aufgabe und bin dankbar für das Vertrauen, das die Zeiler SPD mir entgegenbringt", sagte sie nach ihrer einstimmigen Wahl. Mit den vier anstehenden Wahlen in nur zehn Monaten kommt auf die bald zweifache Mutter gleich eine Menge Arbeit zu. Sie ist froh, dass sie sich der Unterstützung ihrer Vorstandskollegen, zu denen auch Ludwig Leisentritt weiterhin gehören wird, gewiss sein kann.
Im weiteren Verlauf des Abends ging Thomas Stadelmann auf die aktuelle Kommunalpolitik ein. Aktuell stehen die Haushaltsberatungen an, bei denen vier große Projekte für das Jahr 2013 von zentraler Bedeutung sind. Die gerade laufende Installation des Blockheizkraftwerks im Bereich Schule/Hallenbad, der Neubau des evangelischen Kindergartens, der Bau eines Kreisverkehrs an der "Warmuth-Kreuzung" und die Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeuges. Darüber hinaus stehen kleinere Projekte wie die Sanierung der Unteren Straße im Fokus des Jahres 2013.