• Gemeinde Knetzgau veranstaltete eine Impfaktion mit großem Andrang auf einem Edeka-Parkplatz
  • Etwa 200 Impfwillige, darunter circa ein Drittel Erstimpfungen gegen Corona
  • Bürgermeister Stefan Paulus ruft zu mehr pragmatischen, unkonventionellen Lösungen auf
  • Booster-Impfungen: "Große Zweifel, ob unser Land vorbereitet ist"

Die Gemeinde Knetzgau im Landkreis Haßberge macht in diesen Tagen von einer erfolgreichen und über mehrere Wochen angekündigten Impfaktion gegen Corona von sich reden. Überrascht von dem großen Ansturm und Anteil der Erstimpfungen spricht Bürgermeister Stefan Paulus mit inFranken.de über die Bedeutung solcher niederschwelliger Aktionen und übt Kritik an der Impfpolitik des Landes. 

Knetzgau: "Niederschwellige" Impfaktion auf Supermarkt-Parkplatz findet großen Andrang

Lange Schlangen bildeten sich am Samstag (13. November 2021) auf dem Edeka-Parklatz in Knetzgau. Etwa 200 Impfwillige waren gekommen, um sich mit Biontech oder Johnson & Johnson impfen zu lassen. Etwa 30 Prozent der Interessierten standen für ihre erste Impfung an. Es seien vor allem junge Menschen gewesen. Paulus erklärt es sich damit, dass aufgrund von immer öfter vorkommenden 2G-Regeln eine Impfung die einzige Möglichkeit ist, "Normalität in seinem Privatleben zu haben."

Wichtig sei aber auch der Standort der Impfangebote: Bewusst wurde die Aktion an einem Supermarkt-Parkplatz geplant, "um dahinzugehen, wo die Menschen sind", erklärt der Bürgermeister. Der Andrang habe gezeigt, dass die bislang bestehenden Impfmöglichkeiten in Impfzentren außerhalb des alltäglichen Lebensbereiches der Bürger*innen nicht ausreichten.

Allerdings sei die Nachfrage so groß gewesen, "dass die Niederschwelligkeit, die wir erreichen wollten, dann auch nicht mehr gegeben war, weil wir etwa 60 Leute wieder wegschicken mussten." Die Leute hätten zwei bis drei Stunden auf eine Impfung gewartet. So sei es dann doch nicht mehr so einfach gewesen, an den Corona-Schutz zu kommen. Die Erfahrung aus dieser Aktion habe Paulus gezeigt: "Wir müssen impfen, impfen, impfen. Wir müssen raus auf die Dörfer. Wir brauchen vielleicht einen Impfbus und eine Infrastruktur, die so niederschwellig ist, wie nur irgendwie möglich."

Bürgermeister kritisiert Corona-Politik - Gemeinden müssen jetzt aktiv werden

Paulus blickt mit Bauchschmerzen auf den Winter. "Dann haben wir den Ansturm von denen, die ihre Erstimpfungen wollen, damit sie Weihnachten zum Ski-Fahren können und von denjenigen, die ihre Booster-Impfung brauchen. Ich habe ganz große Zweifel, ob unser Land und unsere Gesellschaft vorbereitet ist. Denn wir haben es im Sommer irgendwie versäumt, Infrastruktur zu schaffen." Den Impftag zu organisieren, sei ein "riesen Akt" gewesen, erklärt er. Das Impfteam habe natürlich Impfzelte gebraucht, zumal es regnete. Dazu habe es noch Ruhezelte gebraucht. Für eine Heizung musste gesorgt, Strom verlegt, Tische und Stühle bereitgestellt werden. Paulus wünscht sich Unterstützung von höherer Ebene und denkt gleichzeitig über noch einfachere Wege wie Wohnmobile nach.  

Er ist froh, dass das Impfteam des Landratsamts Haßberge gerne bereitsteht, jedoch kämen sie allmählich an ihre Kapazitäten. Denn der Druck in den Gemeinden steige und "jetzt will jeder impfen." Paulus findet, schon im Sommer hätte man mit Impfbussen beginnen sollen, die Bewohner der Dörfer aufzusuchen. 

Den Erfolg schreibt der Knetzgauer Bürgermeister auch der großen Werbekampagne zu. Damit machte die Gemeinde Knetzgau bereits Anfang November auf die Impfaktion aufmerksam. Die Kommunikationsstrategie: Verschiedene Bürger*innen wie eine Lehrerin, ein pensionierter Feuerwehrbeamter oder eine Ärztin zeigen auf Plakaten als Sympathieträger ihr Gesicht und teilen in Zitaten ihre Argumente mit, wieso sie sich impfen lassen. "Es bringt meiner Meinung nach sehr viel, wenn man in der Öffentlichkeit zeigt: Wir sind auch noch da, nicht nur die laute Minderheit an Impfgegnern, sondern auch die Impfbefürworter haben sich in einer Weise artikuliert, die den ein oder anderen überzeugt hat. Die Bürger*innen seien insgesamt sehr angetan gewesen. Mitglieder der Feuerwehr, Gemeinderäte, des Bauhofs und Reservisten seien vor Ort gewesen und hätten für Aufklärung gesorgt. Paulus lädt andere Gemeinden in Franken zur Nachahmung dieser Aktion ein, um der sich verschärfenden Corona-Pandemie entgegenzuwirken. 

Die Corona-Lage in Franken spitzt sich immer mehr zu. Wie kritisch die Lage in Bamberg ist und wie die Zahlen in den übrigen Landkreisen aussehen, zeigt dieser Artikel.