Politiker lassen nur ungern die Hosen runter. Gestern taten sie es aber mit offenkundiger Freude: Kurz nach den Festreden zur Eröffnung des neuen Hofheimer Freibads am Freitagnachmittag war Schluss mit Anzug und Krawatte oder Kleid. Bürgermeister Wolfgang Borst, Landrat Wilhelm Schneider, Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär und Landtagsabgeordneter Steffen Vogel (alle CSU) wollten die Rutsche einweihen, und das auf die pragmatischste aller Methoden: raufklettern, runterrutschen, und nochmal von vorn.
Das war schon eine Gaudi, denn nahezu zeitgleich wurde das Freibad für die Besucher geöffnet, die zur Einweihung freien Eintritt hatten. Schon bald füllten sich das große Becken und der Wasserspielplatz, dazwischen schwamm der Bürgermeister ein paar Bahnen und freute sich, dass dieses Projekt endlich wahr geworden ist.
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Denn: Rund vier Jahre lang hatte Hofheim kein Freibad mehr.
Totalschaden am alten Bad
Damals kam es ganz dick für die Stadt: Nach der letzten Badesaison im Jahr 2012 stellte die Kommune Mängel und Wasserverluste fest. Zunächst glaubte man, das ließe sich recht leicht beheben, aber wie Wolfgang Borst erklärte, war dem nicht so. Bei der Grundlagenermittlung wurde deutlich: Das Bad hat einen Totalschaden. Was also tun? Lässt sich ein neues Freibad überhaupt finanzieren? Und wie sollte es ausgestattet sein? Borst zählt auf: Familienfreundlich, Bereiche für Kinder und Jugendliche, aber auch für ambitionierte Schwimmer, barrierefrei und behindertengerecht musste es sein, das Ganze mit minimierten Betriebskosten, mit durchdachtem Technikkonzept, günstig, und es sollte wegweisend sein für andere Sanierungsfälle.
"Gesucht wurde das Eier legende Wollmilch-Schwein", sagte Borst. Und da ist es nun.
Viele Kommunen beteiligt
Das besondere am Bad ist, dass es durch die "Allianz Hofheimer Land" getragen wird. Die Kommunen Aidhausen, Bundorf, Burgpreppach, Ermershausen, Maroldsweisach und Riedbach haben sich bereit erklärt, "für eventuelle nicht gedeckte Betriebskosten gemeinsam aufzukommen", wie Landrat Schneider erklärte. Das sei außergewöhnlich und wegweisend. "Für rund 2,5 Millionen Euro" sei hier ein "ein nagelneues, traumhaftes Freibad entstanden".
"Bist du ballaballa?"
Über diese Tatsache staunte und freute sich auch Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU), denn die Gemeinschaftlichkeit war mit ausschlaggebend für die Förderfähigkeit.
Eck, in den 1980er Jahren als Gemeinderat in Donnersdorf tätig (später Bürgermeister), erinnerte sich an diese Zeit in der Kommunalpolitik: Wenn ihn damals ein Gerolzhöfer gefragt hätte, ob Donnersdorf ein neues Freibad in Gerolzhofen mitfinanziere, hätte er gesagt: "Bist du ballaballa?" Das sei heute aber anders, was er ausdrücklich lobte: "Das alles wurde gemeinschaftlich organisiert. Da sage ich: Herzlichen Glückwunsch!"