Es war ein ganz besonderer Jahrgang, der da am Donnerstagabend in der Aula der Mittelschule verabschiedet wurde. Nicht nur der guten Noten wegen, die Rektor Philipp Arnold eher am Rande erwähnte. Unter den 46 Absolventen befanden sich mit Georg Müller und Selina Regus zwei besondere Abgänger. Mit Selina bekam eine externe Schülerin ihr Abschlusszeugnis. Und Georg Müller aus Bischwind ist nach Aussage Rektor Arnold der einzige Blinde, der heuer in Bayern den Abschluss an einer Regelschule schaffte.

Die fehlende Sehkraft hat bei Georg viele andere Talente gefördert. Der Junge ist ein Phänomen. Er mischt beim Fußball mit (mittels Ball mit einer Klingel), er erkennt Menschen an deren Stimme wieder, obwohl er sie Monate lange nicht getroffen hatte. Er trommelt, er singt und spielt Flöte und - ganz ausgezeichnet - Akkordeon. Eine Kostprobe gab er im Musikteil der Abschiedsfeier. "Er hat das musikalische Leben an unserer Schule gestaltet", trauerte Arnold dem Abgänger etwas nach, der nach fester Überzeugung des Rektors im Verlauf der Jahre ganz normal in den Schulalltag integriert wurde.

Der 18-Jährige startet nun eine Berufsweiterbildung. Damit steht er nicht allein. Von den 31 Neuntklässlern wechseln zwölf an eine Berufsfach- oder Wirtschaftsschule. Aus dem M-Zug gehen sechs an die Berufsfachschule oder die Fachoberschule. Ausbildungsverträge haben 22 in der Tasche. Ohne konkrete Vorstellung sind einer Umfrage der Schulleitung zufolge nur zwei der 46 Abgänger. Rektor Arnold stellte dazu fest, dass die "Aussichten für alle so gut sind wie noch nie zuvor".

Es muss ein angenehmer Jahrgang gewesen sein. Was nicht nur aus der blumigen Abschiedsrede von Rektor Arnold herauszuhören war, der einen Schwerpunkt der pädagogischen Aufgabe darin sah, "Eure Persönlichkeit, Euren Charakter, Euere Wissen und Können, Eure Neugier zu erkennen und bestmöglich zu fördern". Den Schulerfolg machte er nicht nur an Zeugnisnoten fest. Wichtig war ihm Selbstvertrauen zu bilden, soziale Fähigkeiten, gesunde Neugier und die Fähigkeit, das Glück, das in kleinen Dingen und Freuden steckt, zu entdecken. Das scheint gelungen, wie ihm und seinem Kollegium die vier Schülersprecher/innen Viola Elshani, Kai-Metin Janicek, Marie Pfeufer und Jasmin Stretz bestätigten.

Abschiedstränen kullerten bei einer Lehrerin: Christel Lachmann herzte Viola Elshani, die nicht nur der Mädchen-Handballmannschaft zum bayerischen Meistertitel verholfen hatte.

Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) zeigte Respekt vor dem "ersten erreichten Lebensziel". Das Abschlusszeugnis habe einen bleibenden Wert für das weitere Leben. Der Bürgermeister: "Das ist für Euch ein Grund zum Feiern und deswegen haben wir das Altstadtfest extra auf dieses Wochenende gelegt." Sicher war er sich, dass die Abgänger durch ihre eigene Leistung und den Einsatz der Lehrer für die nächsten Herausforderungen gewappnet sind.

Schulbeste: Luca Fertsch (Quali), Nicole Olgunelma (M-Zug);

Beste Arbeiten Deutsch: Kristin Bohla, Celine Schlager, Florian Peter;

Beste Mathearbeiten: Kai-Metin Janicek, Michelle Pfeufer;

Bester Abschluss Englisch: Dave Kraus, Robin Wacker;

Berufszweige: Dominik Schorn, Sarah Meißner. Kai-Metin Janicek;

Soziales Engagement: Viola Elshani, Celine Schlager;

Musikalische Engagement: Nicole Olgunelma, Johanna Köbrich, Georg Müller;

Sportliche Leistungen Viola Elshani;

Schülerlotsen Raphael Krug, Lukas Rüpplein, Merlin Walther.